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Warum sächsische Unternehmen vor der AfD warnen

Ein Netzwerk von sächsischen Firmen setzt sich für ein weltoffenes Sachsen ein. Die Ergebnisse des Sachsen-Monitors schockieren sie. Für das Wahljahr 2024 haben sie eine klare Botschaft.

Lesedauer: 3 Minuten

Man sieht Menschen bei einer Demo gegen Rechtsextremismus. Jemand hält den Schild "Hass ist keine Alternative".
Am Wochenende demonstrierten bundesweit hunderttausende Menschen gegen einen erstarkenden Rechtsextremismus. Auch Unternehmer aus Sachsen treibt das Thema um. © Stefan Sauer/dpa

Von Moritz Schloms

Viele sächsische Unternehmen fürchten angesichts der jüngsten Umfrageergebnisse für die AfD einen Imageschaden für Sachsen, sagt Sylvia Pfefferkorn. Sie ist Unternehmerin und die stellvertretende Sprecherin des Vereins Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen.

Zahlreiche Unternehmen schauten „sehr vorsichtig“ in das Wahljahr 2024, so Pfefferkorn. Verlässliche politische Rahmenbedingungen seien wichtig. „Einige Unternehmen sagen uns, dass sie überlegen, ihren Sitz woanders hin zu verlegen.“

Dem Verein „Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen“ gehören rund 100 Unternehmen an, darunter etwa Industrie- und Handelskammern, der Chiphersteller Infineon, VW Sachsen, die Mitteldeutsche Flughäfen AG oder Sachsen Energie. Der Verein hilft unter anderem mit Beratungen, Integrationskonzepten und Schulungsprogrammen.

Man sieht Sylvia Pfefferkorn, stellvertretende Sprecherin des Vereins Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen, redet auf einer Veranstaltung in Dresden.
Sylvia Pfefferkorn, stellvertretende Sprecherin des Vereins Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen, redet auf einer Veranstaltung in Dresden.
© Verein Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen/dpa

Zuwanderung sichert Sachsens Wohlstand

„Wir müssen daran denken, dass wir auf die besten Köpfe weltweit angewiesen sind – sowohl in der Wissenschaft als auch in der Industrie und im Handwerk“, sagt Sylvia Pfefferkorn. Es werde zunehmend schwieriger, Menschen für Sachsen als Lebens- und Arbeitsort zu begeistern und davon zu überzeugen, „dass die Sachsen durchaus gastfreundliche Menschen sind.“

Sie kommt dabei auch auf den Sachsen-Monitor zu sprechen. Aus der Befragung sei ersichtlich, dass die Befragten im Ansiedeln neuer Industrien und Investitionen im Freistaat eine große Chance sehen. Solche Investitionen gingen aber nur mit guten Fachkräften einher, die aufgrund der demografischen Entwicklung in Zukunft nicht mehr alleine aus Sachsen oder Deutschland kämen. Zuwanderung sei nötig, um den Wohlstand zu halten.

So sieht das auch Judith Borowski, Chefin vom Uhrenhersteller Nomos aus Glashütte. „Sachsen hat schon jetzt ein Standortproblem, wieso sollte auch jemand aus Stuttgart, Hamburg oder gar aus Frankreich nach Sachsen kommen, um hier zu arbeiten, wenn er oder sie nicht Willkommen ist“, sagt sie.

Aus der Befragung des Sachsen-Monitors ging hervor, dass die Zuwanderung auf Platz eins bei den Themen ist, die als großes Problem empfunden werden. 25 Prozent sehen den Themenbereich „Asylpolitik/zu viele Ausländer/Überfremdung“ als „gegenwärtig wichtigstes Problem“ im Freistaat. Das entspricht einem Zuwachs von 21 Punkten.

Top-Ökonomen warnen vor Jobverlust bei AfD-Erfolgen

Sylvia Pfefferkorn betont vor allem die Rolle der Führungsetagen in den sächsischen Unternehmen: „Es ist wichtig, dass der Unternehmer eine Vorbildfunktion übernimmt, er muss in die Belegschaft strahlen.“

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Die Vorstände in den Unternehmen müssen jetzt Farbe bekennen gegen rechts und ihren Beschäftigten vor Augen halten: Eure Jobs sind in Gefahr, wenn die AfD sich durchsetzt.“ Einige Unternehmen gingen zwar mit gutem Beispiel voran, anderen fehle jedoch der Mut, so Fratzscher.

Der Handelsriese Edeka veröffentlichte vor wenigen Tagen in den sozialen Netzwerken ein Video, welches viel Aufmerksam erhielt. In dem kurzen Film sieht man, wie verwunderte Kunden durch einen Supermarkt mit fast leeren Regalen laufen. „Stellen Sie sich einen Supermarkt vor, in dem es nur deutsche Produkte gibt“, steht in einem eingeblendeten Text. Das Video wurde vor ein paar Jahren zum ersten Mal veröffentlicht.

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Welche Rolle Unternehmen in der Demokratie spielen

Auch in Sachsen engagieren sich immer wieder Unternehmer für die Demokratie. Seit Jahren aktiv ist der Uhrenhersteller Nomos aus Glashütte. Am Gebäude des Unternehmens hing das Banner „Wir ticken international“, 2021 konnten die Mitarbeiter während der Arbeitszeit an Fortbildungen teilnehmen, in denen es auch darum ging, Fake-News zu erkennen.

Für Chefin Judith Borowski haben Unternehmen schon deshalb eine hohe Verantwortung, weil sie einer der letzten Orte seien, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Bildungshintergründe und Alters zusammentreffen. „Es ist wichtig, dass Menschen an ihren Arbeitsplatz positive Demokratieerfahrungen machen können. Indem sie merken, dass ihre Meinung zählt, ihre Kompetenz gefragt wird und sie gemeinsam etwa schaffen.“ Diese Erfahrungen im Kleinen könnten auch ein Grundstein dafür legen, dass Demokratie im Großen mehr geschätzt werde.

Man sieht Judith Borowski von der Nomos Glashütte.
Judith Borowski, Jahrgang 1969, ist seit 2001 für Nomos Glashütte tätig, seit 2004 als Gesellschafterin.
© NOMOS Glashuette

Doch nicht überall in Sachsen sind die Unternehmen gleich aktiv. Gegenüber Sächsische.de räumte Sylvia Pfefferkorn am Wochenende ein, der Verein habe Probleme in manchen Landesteilen. „Wir haben weiße Flecken in einigen Regionen – im Landkreis Görlitz, im Vogtland, im Erzgebirge. Ich glaube schon, dass man uns dort kennt. Wir sind mit Unternehmen im Gespräch, unser Anliegen trifft aber nicht auf so offene Ohren wie etwa in den Großstädten.“ (mit dpa)

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