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Warum sich Ausbildung auch in Krisenzeiten lohnt

Immer mehr sächsische Betriebe suchen vergeblich nach Lehrlingen. Anderen setzen die Kosten für die Ausbildung zu. Doch die zahlen sich in der Perspektive oft aus.

Lesedauer: 2 Minuten

Ausbildung ist teuer, zahlt sich auf lange Sicht aber oft aus. © Adobestock

Von Annett Kschieschan

Tischler, Bäckerin, Friseur oder Krankenschwester – die Suche nach geeignetem Nachwuchs ist inzwischen eines der größten Probleme für den Wirtschaftsstandort Sachsen ebenso wie für ganz Deutschland. Sie einfach aufzugeben, ist aber auch keine Lösung, denn irgendwann brauchen vor allem die kleinen Betriebe auch einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Ausbildung lohnt sich vor allem mittel- und langfristig. Zunächst kostet sie aber Geld. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) sammelt schon seit 40 Jahren entsprechende Daten. Seit Beginn der 1980er-Jahre werden dafür Ausbildungsbetriebe zu ihren Kosten und ihrem Nutzen durch die Ausbildung gefragt. Die inzwischen siebente Erhebung läuft gerade.  Aber schon die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen ein deutliches Bild. So belaufen sich die Gesamtkosten einer dualen Ausbildung in Deutschland auf knapp 21.000 Euro. Die Personalkosten, zu denen Ausbildungsvergütungen sowie gesetzliche, tarifliche und freiwillige Sozialleistungen gehören, machen dabei mit reichlich 60 Prozent den Löwenanteil aus. Dazu kommen die Kosten für das Ausbildungspersonal sowie Sach- und Materialkosten, etwa für Kleidung, Arbeitsgeräte und Ähnliches. Kammergebühren, Rekrutierungs- und Verwaltungskosten fallen ebenfalls an.

Ausbildungstendenz rückläufig

Nach einer Schätzung des BIBB bilden derzeit etwa zwanzig Prozent aller Unternehmen im dualen System aus – Tendenz: eher rückläufig. Die Kostenfrage wird dabei immer wichtiger, denn in vielen Berufen werden auch die Ausbildungsinhalte komplexer. Entsprechende Weiterbildungen kosten ebenfalls Geld – das gilt für Azubis ebenso wie für die Ausbilder, die ihr Wissen immer up to date halten müssen.

Rund 14.500 Euro „erwirtschaftet“ ein Lehrling während der Ausbildung im Durchschnitt, hat das BIBB ermittelt. Damit bleibt noch etwa ein Drittel der Ausbildungskosten des Lehrbetriebes offen. Kommt es zum Abbruch der Ausbildung, ist der Verlust noch größer. Kein Wunder also, dass mancher Unternehmer lieber direkt Fachkräfte sucht. Doch auch das wird zunehmend schwierig – und ist ebenfalls teuer. Vor allem, wenn man die Mehrarbeit, die Kollegen übernehmen müssen, bis eine freie Stelle neu besetzt ist, mit einkalkuliert. Die Online-Stellenplattform Stepstone schätzt die sogenannten Vakanzkosten auf 29.000 Euro pro Stelle.

Loyalität als Benefit

Also doch lieber selber ausbilden? Experten raten dazu. Vor allem mit Blick auf den demografischen Wandel sei es nicht nur gesellschaftlich wünschenswert, sondern auch unternehmerisch sinnvoll, dringend benötigte Fachkräfte selbst auszubilden, sagt etwa der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Achim Dercks. In den kommenden Jahren verließen demnach pro Jahr bis zu 400.000 Beschäftigte mehr den Arbeitsmarkt, als neue hinzukommen.

Der Kampf um die besten Mitarbeiter ist gerade für kleine Betriebe kaum noch zu gewinnen. Bei Mitarbeitervergünstigungen, den sogenannten Benefits, können sie meistens nicht mit größeren Unternehmen mithalten. Gerade hier kann die Ausbildungszeit den entscheidenden Unterschied machen. Junge Leute, die sich im Lehrbetrieb gut aufgehoben fühlen, entwickeln eine stärkere Loyalität zum Unternehmen und sind weniger offen für Abwerbeversuche. Außerdem steht Ausbildung immer auch für Vertrauen in die Zukunft. Und das ist gut fürs Image, was wiederum wichtig ist, wenn es um die weitere Rekrutierung von Lehrlingen und Fachkräften geht.

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