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Warum zwei Airbus-Riesen A380 bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden stehen

Mit der Werkzeugkiste im Airbus: Das Geschäft mit gebrauchten Passagierflugzeugen bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden läuft gut. Nimmt der Chef auch Rüstungs-Aufträge an?

Lesedauer: 5 Minuten

Georg Moeritz

Dresden. Wenn Jordi Boto Rodriguez etwas Zeit hat zwischen den Besprechungen im Konferenzraum „Papststein“, dann geht er ins Werksgelände schnuppern: Er möge diesen „Duft von Öl, Kerosin und Metall“, sagt der Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke GmbH (EFW) in Dresden. Der Chef von 2100 Menschen findet, der Gang durch die Hallen mit den Gerüsten an Flugzeugen sei doch „der Traum jedes Kindes“.

Über Alutreppen in der jüngsten Halle „Hangar 230″ geht es hinauf bis auf die Höhe der Flügel eines Airbus A330. Durch die Türöffnungen im Flugzeug sind Männer mit EFW-Hemden bei der Arbeit zu sehen, mit Werkzeugkisten, Lochblechen, rotem Klebeband. Ab und zu ist ein Hämmern zu hören. Morgens sei es hier lauter, sagt ein Mitarbeiter, dann würden die meisten Nieten ins Blech geschlagen.

Nieten herausgebohrt, Sitze entfernt

Oben auf dem Flugzeug stecken einige Reihen Pins, wie in einem großen Nadelkissen. Sie halten während der Umbau-Arbeiten Teile der Flugzeughülle zusammen, nachdem alte Nieten herausgebohrt wurden. Die EFW-Monteure holen auch die Sitze und Fensterscheiben aus den ausgedienten Passagiermaschinen. Denn künftig werden diese Flugzeuge nur noch Fracht transportieren.

Wenn ein Airbus 10 bis 15 Jahre als Passagierflugzeug im Einsatz war, dann hat er die Chance auf einen Umbau bei den EFW. Im zweiten Leben als Frachtmaschine wird der Airbus noch 20 bis 30 Jahre fliegen. In dieser Zeit kommt er vielleicht auch wieder zur Wartung zu den Flugzeugwerken.

Blick in den Dresdner „Hangar 230“: Airbus-Flugzeuge vom Typ A320 oder A330 werden dort teilweise aufgeschnitten. Sie bekommen nach Bedarf Fracht-Tore, Teile der Außenhaut werden ersetzt.
Blick in den Dresdner „Hangar 230“: Airbus-Flugzeuge vom Typ A320 oder A330 werden dort teilweise aufgeschnitten. Sie bekommen nach Bedarf Fracht-Tore, Teile der Außenhaut werden ersetzt.
Quelle: Matthias Rietschel

Beim Umbau werden fast 80 Prozent des Rumpfes erneuert, sagt Firmenchef Boto und zeigt auf die hellgrünen Streifen an den Flugzeugseiten. „Ein Flugzeug ist neuwertig, wenn es die Halle verlässt.“ Nur sieht es ein wenig gescheckt aus. Am Heck ist oft noch das Logo der früheren Besitzer-Fluglinien zu sehen, erst später lässt die Frachtflugfirma das Metall in ihren Farben lackieren.

In den Frachtflugzeugen stecken statt Sitzreihen dann verstärkte Böden. Motorisierte Frachtladesysteme und ein „Crew Rest Compartment“, also Aufenthaltsräume mit Toilette, wurden bei den EFW dieses Jahr beispielsweise in einen A330 für den Kunden Air Lease eingebaut. Anfang Juni gaben die Dresdner die Auslieferung des ersten von drei Umbauten für diesen Kunden bekannt.

Frachtflugzeug für mexikanische Firma

Air Lease ist eines der größten Leasingunternehmen mit einer Flotte von mehr als 800 Flugzeugen. Es gibt das Flugzeug mit den EFW-Einbauten weiter an die mexikanische Fluggesellschaft Awesome Cargo. Die hat bisher Frachtflugzeuge genutzt, die vorübergehend aus Passagierflugzeugen umgerüstet wurden, um Fracht in der Hauptkabine zu transportieren. Inzwischen hat sich das Unternehmen für vollständig umgebaute Frachtflieger entschieden.

Solche Kunden sind gut fürs Geschäft der EFW. Chef Boto kann von einem Rekordjahr berichten: Voriges Jahr wuchs der Umsatz des Dresdner Unternehmens von gut 600 auf rund 650 Millionen Euro. Das lag auch am Auslieferungsrekord: 35 umgerüstete Passagierflugzeuge, die nun Frachter sind, lieferten die EFW aus. „Das hätten wir vor fünf Jahren nicht für möglich gehalten“, sagt Boto. Es gab Nachschubmangel bei Neubauten, dann auch bei Ersatzteilen.

EFW arbeiten auch in Türkei und China

Zur Umrüstung gehöre auch immer eine „tiefe Wartung“, betont der Firmenchef. Beides finde freilich nicht unbedingt am Firmensitz am Flughafen Dresden statt. Sechs der 35 Flugzeuge wurden voriges Jahr aus Dresden ausgeliefert. Auch das sei „eine enorme Zahl“, sagt Boto. Dresden sei „nach wie vor sehr wichtig“.

Von den 2100 EFW-Mitarbeitern seien 400 in der Umrüstung tätig. Fast 200 sind Ingenieure, einige Hundert kümmern sich um die Wartungen. Gut 400 EFW-Mitarbeiter arbeiten am Standort Kodersdorf in der Lausitz, wo Leichtbauteile für Airbus hergestellt werden: Fußbodenplatten, Trennwände, Cockpittüren, Toiletten und Schlafkojen für die Crews.

Vor der Halle mit dem EFW-Logo am Flughafen Dresden wartet ein Airbus A380 von Global Airlines, bis er an der Reihe ist. Ein anderes Doppelstock-Flugzeug wird gerade gewartet.
Vor der Halle mit dem EFW-Logo am Flughafen Dresden wartet ein Airbus A380 von Global Airlines, bis er an der Reihe ist. Ein anderes Doppelstock-Flugzeug wird gerade gewartet.
Quelle: SZ/Georg Moeritz

Doch Chef Boto betont, dass von Dresden aus die Arbeit an weiteren sieben Standorten gesteuert wird. Auf der Internetseite des Unternehmens sind sie auf einer Karte eingezeichnet: Ein Standort beim Partner Turkish Technik in Istanbul ist dabei, mehrere Hallen in Asien stehen zur Verfügung – von dort kommen auch die meisten Aufträge.

Alle Standorte sind mit Flughäfen verbunden. Boto wundert sich daher, wenn wieder einmal über die Zukunft des Flughafens Dresden geunkt wird, weil dieser wenige Linienverbindungen hat und Zuschüsse benötigt. Der EFW-Chef sieht den Flughafen im Zusammenhang mit der Wirtschaft und der Landeshauptstadt und kann sich nicht vorstellen, dass jemand ihn schließen könnte.

Klar ausgeschildert: Schichtarbeiter dürfen bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden gleich an der Schranke parken.
Klar ausgeschildert: Schichtarbeiter dürfen bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden gleich an der Schranke parken.
Quelle: SZ/Georg Moeritz

„Ohne Flughafen keine EFW“, betont Boto. Eine Flugzeugwerft benötige natürlich Landebahnen. Der Firmenchef weist auf die Arbeitsplätze hin und auf Millionen-Steuerzahlungen in jedem Jahr. Vor wenigen Tagen haben die EFW „ein großes Bekenntnis zum Standort“ abgegeben: Sie kauften die Dresdner Grundstücke und Bauten, für die sie bisher Miete zahlten – Miete an ihren Mitbesitzer Airbus.

Das Dresdner Unternehmen gehört zu 45 Prozent dem Airbus-Konzern. 55 Prozent sind im Besitz von ST Engineering, einem börsennotierten Konzern, an dem der Staatsfonds von Singapur große Anteile hält.

Einen A380 zu einem Frachtflieger umzubauen ist zwar nicht unmöglich, aber nicht wirtschaftlich. – Jordi Boto, Geschäftsführer Elbe Flugzeugwerke GmbH

Dresdner Flugzeug-Fans schauen immer gerne in Richtung EFW, wenn dort die Riesen-Flieger vom Typ Airbus A380 ankommen. Solche doppelstöckigen Passagiermaschinen werden in Dresden gewartet, allerdings nicht zu Frachtmaschinen umgebaut – das wäre wegen der Etagen „zwar nicht unmöglich, aber nicht wirtschaftlich“, sagt Boto.

Gleich zwei Airbus A380 sind derzeit in Dresden zu Gast. Einer mit Logo einer australischen Fluggesellschaft steht zur Wartung in einer Halle. Der andere mit Aufschrift „Global“ wartet sichtbar draußen am Rande des Flughafens. Er wird in die Halle gerollt, wenn das andere Flugzeug durchgecheckt ist.

Airbus A380 von Global Airlines zum zweiten Mal in Dresden

Zwei Wochen bis mehrere Monate dauert eine Wartung, sagt Boto. Nicht jede Ankunft eines A380 werde angekündigt, nicht jede Fluggesellschaft wünsche das. Doch das Flugzeug des jungen britischen Unternehmens Global war schon einmal in Dresden zu sehen. Laut Boto wurde es inzwischen technisch „aufgefrischt“ und braucht daher erneut eine Durchsicht.

Die Dresdner kümmern sich im Auftrag von Airbus Helicopters auch um die Wartung von Bundeswehr-Hubschraubern vom Typ NH-90. Berührungsängste beim Thema Wehrtechnik kennt Geschäftsführer Boto nicht: Der Spanier mit deutschem Pass war Hubschrauberpilot und Blauhelmsoldat.

Aufträge für Luftwaffe ausgeführt

Die Flugzeugwerke haben vor Jahren schon Aufträge für die deutsche und kanadische Luftwaffe ausgeführt: Flugzeuge wurden zu Betankungsflugzeugen umgebaut.

Nun sind die EFW laut Boto im Gespräch mit Kunden über Frachtflugzeug-Varianten „für den Zivilschutz“, die dank großer Tore rasch zu fliegenden Lazaretten umgerüstet werden könnten.

Boto fände es gut, wenn in Ostdeutschland mehr Unternehmen der Branche entstünden, mit denen die EFW zusammenarbeiten könnten – auch in der Wehrtechnik. „Wir sehen uns als Plattform für Kooperation“, sagt der Firmenchef. Bisher hätten allerdings westdeutsche Firmen ein „Super-Netzwerk“ mit Kontakten zu Bundeswehr und Politik. Für Rüstungsaufträge im Osten seien politischer Wille und Unterstützung nötig.

SZ

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