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Mehr als ein Masterplan für Südwestsachsen

Vor allem der Umbruch in der Automobilindustrie stellt die Region vor Herausforderungen. Die Landkreise und die Stadt Chemnitz wollen gemeinsam gegensteuern. Nun unterstützt auch der Freistaat, vor allem mit Geld für die Forschung.

Lesedauer: 2 Minuten

Blick in einen Reinraum.
Blick ins Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien in Chemnitz, das einen neuen Reinraum erhalten soll. Foto: dpa

Von Annett Kschieschan

Chemnitz. Was die Region Dresden für die Mikroelektronik ist, ist der Raum Südwestsachsen für die Industrie. Doch die schwächelt nach harten Jahren. Und längst geht es auch in Südwestsachsen um einen Strukturwandel, der neue Möglichkeiten für Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen schaffen soll. Der Masterplan Chemnitz–Südwestsachsen will die Möglichkeiten für die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft und Innovation, Infrastruktur und Mobilität, Bildung und Fachkräfte sowie öffentliche Daseinsvorsorge bündeln. Dafür ziehen die Landkreise Erzgebirgskreis, Mittelsachsen, Vogtlandkreis, Zwickau und die Stadt Chemnitz an einem Strang. Jetzt bekommen sie zudem finanziellen Rückenwind vom Freistaat, der explizit Projekte an Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen in Südwestsachsen fördert. Sie sind nicht Teil des Masterplans, sollen aber die Netzwerke in der Region stärken und dem Wissenschaftstransfer einen Schub geben. jenseits des Masterplans fördert.
„In der Masterplanregion gab und gibt es viele Projekte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen, weitere sind im Entwurf für den Doppelhaushalt 2027/2028 verankert. Dazu zählen 79 europäische Forschungsfördervorhaben (EFRE/JTF) im Technologiebereich Maschinen- und Anlagenbau mit einem Volumen von mehr als 80 Millionen Euro sowie Vorhaben für insgesamt über 200 Millionen Euro in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2031“, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow verweist zudem auf die Notwendigkeit, auf den Umbruch innerhalb der Automobilindustrie und der Unsicherheit des Fortbestands der Jobs dort zu reagieren. Man wolle den Transformationsprozess über den Masterplan hinaus aktiv mitgestalten, „damit neue Wertschöpfung entsteht und die Lebensqualität in Sachsen erhalten bleibt. So treiben wir die Weiterentwicklung von Forschung, Entwicklung und Lehre an Hochschulen und Forschungseinrichtungen von Freiberg bis Plauen voran.“

Geld für Studentenwohnheime und Technikum
Konkret geht es um Forschungsprojekte an der TU Chemnitz, der TU Bergakademie Freiberg, der Hochschule Mittweida und der Westsächsischen Hochschule Zwickau, an Fraunhofer Instituten oder dem Kurt Schwabe Institut in Meinsberg. Zudem stehen Bauvorhaben wie die Modernisierung von Studentenwohnheimen, das KI-Institut in Plauen, das Technikum und das neue Hochtechnologiezentrum der Westsächsischen Hochschule in Zwickau oder die Forschungsplattform Kälte- und Energietechnik KETEC in Reichenbach im Vogtland auf dem Investitionsplan.
Ein besonders großer Posten ist der geplante neue Reinraum für Forschung und Technologieentwicklung im Bereich nachhaltige Mikroelektronik und Sensortechnik an der TU Chemnitz. „Das Kabinett hat beschlossen, dass zur Finanzierung der knapp 68 Millionen Euro für das Gebäude am dortigen Zentrum für Mirko- und Nanotechnologie (ZfM) nicht abgeflossene EU-Fördermittel verwendet werden“, so Gemkow. Vorbehaltlich der Zustimmung der Europäischen Kommission könne damit „ein Großprojekt realisiert werden, von dem die gesamte Region Südwestsachsen profitiert.“ Dass Fördergelder umgewidmet werden, sei ein übliches Verfahren, wenn Projekte in Ministerien nicht oder nicht fristgerecht umgesetzt werden können. Das Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien (ZfM) könne mit den Möglichkeiten, die ein hochmoderner Reinraum bietet, auch entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit außeruniversitärer Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer Institut Enas und regionaler Firmen des Maschinenbaus, der Fahrzeugindustrie und Medizintechnik beitragen, so die Hoffnung.

Kooperationen mit Silicon Saxony
„Mit der angestrebten inhaltlichen Ausrichtung des ZfM im Bereich der Halbleitertechnologien schließt sich eine Lücke in der sächsischen Forschungsinfrastruktur. Durch die angestrebten Kooperationen mit Forschungspartnern und der Wirtschaft, vor allem im Netzwerk Silicon Saxony, profitiert das ZfM von Synergieeffekten“, konstatiert das Ministerium.
Die Finanzspritze aus Dresden kann Südwestsachsen nur nützen. Die Ergebnisse dürften sich gut und an den noch zu beschließenden Masterplan andocken lassen. Der Masterplan selbst wird voraussichtlich einen Umfang von rund 100 Millionen Euro haben. Besondere Entwicklungspotenziale sieht man vor Ort etwa bei neuen Materialien, Recycling und Ressourceneffizienz, Energie sowie digitalen Technologien. Welche Projekte konkret im Rahmen des Plans unterstützt werden, soll in den nächsten Monaten entschieden werden.


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