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Wasserverbrauch in Dresden steigt: Innovative Lösung für Mikrochip-Industrie

Der Wasserverbrauch in Dresden wächst aufgrund der boomenden Mikrochip-Industrie. Die erste Lösung für Infineon hat sich bewährt. Was das Unternehmen Sachsen-Energie als nächsten Schritt plant.

Lesedauer: 4 Minuten

Man sieht das Werk von Infineon in Dresden.
Infineon wird seit einem Dreivierteljahr mit Industriewasser von der Saloppe in Dresden versorgt. Jetzt wird dort ein neues Werk gebaut. Damit steigt auch der Wasserverbrauch. © Stadtentwässerung Dresden/Torsten Fiedler

Von Peter Hilbert

Dresden. In den vergangenen Tagen ist der langersehnte Regen gekommen, hat für frisches Nass für Wiesen und Wälder gesorgt und den Pegel der Elbe und anderer Gewässer wieder ansteigen lassen. Dennoch prägte auch in diesem Jahr wieder Dürre lange Zeit das Bild im Dresdner Elbtal. Und das schon seit langem.

Das spiegelt sich auch daran wider, dass die Dresdner Grundwasserstände noch immer einen halben Meter unter dem langjährigen Durchschnitt liegen. Umso wichtiger ist es für das Unternehmen Sachsen-Energie, Lösungen zu finden. Schließlich steigt der Wasserverbrauch seit Jahren an, erklärt Sprecherin Nora Weinhold.

Die Nachfrage: Bis zu 162.000 Kubikmeter täglich

Wurden 2011 täglich im Durchschnitt noch rund 102.000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht, so waren es 2015 bereits 112.000 Kubikmeter. Im vergangenen Jahr war die Verbrauchskurve bereits auf durchschnittlich 124.013 Kubikmeter gestiegen. Der 2022er-Verbrauchsrekord wurde am heißen 20. Juli mit 162.687 Kubikmetern erreicht, erläutert die Sprecherin. Tendenz steigend.

Der Trend liege hauptsächlich an der Industrie, die stark wächst. So hatte Bosch eine neue Mikrochipfabrik im Rähnitzer Gewerbegebiet Airportpark gebaut. Jetzt baut Infineon noch seinen Dresdner Standort kräftig aus. An der Südostecke des Werks an der Königsbrücker Straße entsteht bis 2026 ein Neubau für rund 1.000 zusätzliche Jobs. Jetzt will auch der taiwanesische Chiphersteller TSMC noch ein Werk im Rähnitzer Gewerbegebiet bauen, in dem 2.000 Jobs entstehen.

Etwa 30 Prozent des Dresdner Wassers wird von der Chipindustrie benötigt. Das ist so viel, wie hier im Wasserwerk Tolkewitz aufbereitet werden kann.© SachsenEnergie/Oliver Killig

Schon jetzt benötigt die gesamte Mikroelektronikbranche im Dresdner Norden etwa 30 Prozent des Dresdner Wassers, verweist Weinhold auf den Trend. Das ist etwa so viel, wie das Tolkewitzer Wasserwerk aufbereiten kann. Es hat eine Kapazität von bis zu 35.000 Kubikmeter täglich.

Die Lösung: Brunnenwasser für Infineon

Es mag als Widerspruch erscheinen, dass dieses Jahr bisher durchschnittlich nur rund 114.000 Kubikmeter Trinkwasser täglich verbraucht werden. Das ist es aber nicht. Denn es gibt eine erste Lösung, bei der im Untergrund gewonnenes Industriewasser direkt ins Infineonwerk fließt. „Die Wasserfassung Saloppe ist so ausgelegt, dass stündlich bis zu 900 Kubikmeter Wasser aus Uferfiltrat der Elbe gefördert werden können“, erläutert die Sprecherin. Bei voller Förderung wären das immerhin 21.600 Kubikmeter am Tag. Doch so viel wird derzeit noch nicht benötigt.

Aus insgesamt 15 bis zu 20 Meter tiefen Brunnen an der Saloppe wird Industriewasser gewonnen.© Marion Doering

Bis Mitte vergangenen Jahres waren 15 bis zu 20 Meter tiefe Brunnen gebohrt worden. Das geschah im 1,2 Kilometer langen Bereich zwischen der Saloppe und dem Schloss Albrechtsberg. Grundwasser und Uferfiltrat der Elbe strömt durch einen bis zu fünf Meter hohe Wickeldrahtfilter ins Edelstahlrohr des Brunnens und wird nach oben gepumpt. Oben wurden noch Brunnenstuben gebaut, die aber unter der Oberfläche bleiben.

Die Praxis: Alte Saloppe-Leitung wird genutzt

Das Wasser fließt in eine 50 Zentimeter starke Sammelleitung, die bis zur Zufahrt der Saloppe führt. Ein Anschluss an das Infineon-Werk ist mit einer Leitung vorhanden, die auf der Brockhausstraße an der Saloppe beginnt. Sie wurde bereits genutzt, als das Wasserwerk in der Saloppe noch bis 2008 arbeitete.

Am Hochbehälter Hosterwitz neben der Fischhausstraße wird das Industriewasser seit Ende vergangenen Jahres von drei Pumpen direkt bis zum Infineon-Werk befördert. Dann wird es in verschiedenen Stufen bis hin zu Reinstwasser in der Chipfabrik aufbereitet.

Dass kein Trinkwasser mehr dorthin geliefert wird, hat mehrere Vorteile. Damit würden Ressourcen für die aufwendige Aufbereitung gespart werden, hatte Sachsen-Energie-Projektleiter Reinhard du Vinage im Frühjahr erklärt. Außerdem müssten bei der Aufbereitung für die speziellen Zwecke des Werks sogar noch dem Trinkwasser laut Verordnung zugesetzte Stoffe wieder entfernt werden. Das ist jetzt nicht mehr nötig. „Rund 90 Prozent des Industriewassers werden im Anschluss an den Produktionsprozess durch die Stadtentwässerung Dresden in gereinigter Form wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt“, verweist Sprecherin Weinhold auf einen weiteren Aspekt.

Die restlichen Arbeiten an der Saloppe sind jetzt abgeschlossen. So kann der Elberadweg wieder freigegeben werden. Der Ersatzradweg wird dann binnen zwei Wochen beseitigt.

Die Perspektive: Innovatives Industriewasser-System

Doch bei der Saloppe-Lösung wird es nicht bleiben. „In den nächsten zehn bis 20 Jahren ist aufgrund der hochgesteckten EU-Ausbaupläne mit mindestens einer Verdopplung des Bedarfs an Industriewasser durch die Halbleiterproduzenten zu rechnen“, erklärt Weinhold. Der Anteil des Wasserbedarfs der Chip-Hersteller wird im Jahr 2030 damit voraussichtlich bei rund 50 Prozent des gesamten Wasserbedarfs Dresdens liegen. Entsprechend wir der Wasserverbrauch steigen.

Auf diesem Areal neben dem Boschwerk im Gewerbegebiet Rähnitz soll das Werk des taiwanesischen Chipherstellers TSMC errichtet werden. Die SachsenEnergie plant eine Lösung, damit auch dieses und weitere Werke dieser Branche im Dresdner Norden mit Industrie© Stadtentwässerung Dresden

Deshalb plane die Sachsen-Energie im Auftrag der Stadt ein innovatives Industriewassersystem. Reinstwasser können die Firmen dann selbst aufbereiten. „Wir reagieren mit der Bereitstellung von zusätzlichem Industriewasser auch auf den angekündigten Neubau einer Halbleiterfabrik durch den taiwanesischen Hersteller TSMC zusammen mit weiteren Unternehmen aus der Branche“, erläutert sie.

Der umfangreiche Genehmigungsprozess habe schon begonnen. Erst, wenn die Behörden grünes Licht für die in Planung befindliche technologische Lösung geben, können Details zum Industriewassersystem veröffentlicht werden. Der Termin sei noch offen.

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