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Wende auf Sachsens Arbeitsmarkt: Die Beschäftigung schrumpft

Das jahrelange Wachstum der Beschäftigung in Sachsen ist vorbei, sagt Agenturchef Klaus-Peter Hansen. Die Firmen zeigen Verunsicherung.

Lesedauer: 2 Minuten

Man sieht den Briefkasten vom Nieskyer Arbeitsamt und eine Hand, die einen Brief einwirft.
Die Arbeitslosigkeit in Sachsen ist im August gestiegen. Doch die Prognose ist auch nicht günstig. © André Schulze

Von Georg Moeritz

Dresden. Stellenabbau bei Leiharbeitsfirmen, auf dem Bau und im Handel: Sächsische Betriebe haben zwar während der Coronazeit mit Kurzarbeitergeld ihre Arbeitskräfte möglichst gehalten, aber nun scheinen manche die Geduld zu verlieren. Die Zurückhaltung der Unternehmer sei deutlich spürbar, sagte am Donnerstag Klaus-Peter Hansen, Leiter der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.

Hansen sagte: „Die Lage dreht sich.“ In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Beschäftigten mit Sozialversicherung in Sachsen gestiegen, bis auf 1,643 Millionen Menschen. Doch nach jüngster Hochrechnung für Juni gab es einen Rückgang um 300 Arbeitsplätze. „Wir müssen befürchten, dass die Beschäftigung in den nächsten Wochen und Monaten zurückgeht“, sagte Hansen.

Die Arbeitslosigkeit steigt bereits seit einigen Monaten. 135.036 Menschen in Sachsen waren Mitte August arbeitslos gemeldet. Das sind 11.608 mehr als ein Jahr zuvor. Dazu hat zwar auch beigetragen, dass sich zunehmend Ukrainerinnen nach dem Abschluss von Kursen in Sachsen arbeitslos melden dürfen. 13.161 Menschen aus der Ukraine sind in Sachsen arbeitslos gemeldet. Doch 6.300 sind zum Stand Juni auf einem Arbeitsplatz mit Sozialversicherung, weitere 1.400 haben einen Minijob.

Arbeitslosigkeit steigt in der Stadt Chemnitz auffällig

Die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen wuchs von Juli zu August um 3.361. Eine Sommerpause auf dem Arbeitsmarkt ist allerdings üblich, weil Chefs in Urlaub sind und weniger Stellen besetzen. Zugleich laufen aber befristete Arbeitsverträge aus, und Jugendliche melden sich nach Schule oder Lehre vorübergehend arbeitslos. Hansen baut darauf, dass sie nach der Sommerpause eingestellt werden.

Die Arbeitslosenquote in Sachsen ist im August um 0,2 Punkte auf 6,4 Prozent gestiegen. Am höchsten ist sie in Chemnitz und im Kreis Görlitz: 8,6 Prozent. Hansen nannte Gründe für den starken Zuwachs in der Stadt Chemnitz: Dort gebe es „eine sehr hohe Verdichtung von Kriegsflüchtlingen“. Chemnitz habe niedrige Mieten und freie Wohnungen. Zudem habe das frühere Karl-Marx-Stadt traditionelle Verbindungen in ehemalige Sowjetrepubliken.

Gewerkschaft fordert Ausbildungsgarantie

Zum Beginn des Lehrjahres sind noch Tausende Ausbildungsplätze frei, aber auch Tausende Jugendliche noch ohne Vertrag. Hansen bat sie, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern Kontakt zu den Berufsberatern zu halten. Noch bis Ende Oktober sei es gut möglich, ins laufende Lehrjahr einzusteigen. Sachsens Arbeitsminister Martin Dulig (SPD) besuchte am Donnerstag in Radebeul ein Treffen der sächsischen Jugendberufsagenturen. Sie bündeln die Beratung und Begleitung von Jugendlichen.

Vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) kam Kritik an den Arbeitgebern: Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach sagte, sie seien noch immer nicht in langfristige Fachkräftesicherung eingestiegen. Der Fachkräftemangel sei in vielen Fällen hausgemacht. Schlimbach forderte eine Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen in Sachsen – und die unbefristete Übernahme nach der Lehre.

Der sächsische DGB-Chef sagte zu den gestiegenen Zahlen ausländischer Arbeitsloser, auch dort gebe es Potenzial. Statt „kostspieliger Zuwanderungsprogramme“ sei erst mal der Blick auf den Arbeitsmarkt in Sachsen nötig. Sachsens Landesregierung hat bei einem Fachkräftegipfel im April einen Pakt zur Gewinnung internationaler Arbeitskräfte unterschrieben. Demnach erscheint die Suche lohnend in Vietnam, Ägypten, Brasilien, einer noch zu bestimmenden Region in Indien sowie in Staaten in Zentralasien. Das Zentrum für Fachkräfte und Gute Arbeit Sachsen (Zefas) in Chemnitz bemühte sich um Bewerber mit Deutschkenntnissen aus Kirgisistan. Doch das Interesse sächsischer Unternehmen war gering, sodass viele schließlich Verträge in Bayern unterschrieben.

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