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Weniger junge Menschen in Sachsen beginnen eine Ausbildung

In diesem Jahr wurden weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Besonders gefragt sind Berufe im Handel. Knapp 3400 Jugendliche suchen noch eine Lehrstelle.

Lesedauer: 2 Minuten

Andrea Schawe und Michael Rothe

Dresden. Zum Start des Ausbildungsjahres in diesem Herbst haben weniger junge Menschen in Sachsen eine Lehre begonnen. Nach Angaben der drei sächsischen Industrie- und Handelskammern wurden bis Ende August insgesamt 10.883 neue Ausbildungsverträge geschlossen – das sind 128 weniger als im Vorjahr.

Bei der Leipziger Industrie- und Handelskammer sank die Zahl der Berufsanfänger um 7,7 Prozent, im Chemnitzer Kammerbezirk um fünf Prozent. Nur in Dresden wurden im Vergleich zum Vorjahr mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen. Auch die Handwerkskammer Dresden konnte steigende Ausbildungszahlen vermelden.

Beliebteste Ausbildungsberufe im Handel

Viele Unternehmen zeigen sich weiterhin bereit, auszubilden – doch die Rahmenbedingungen sind herausfordernd, teilten die Kammern mit. Die angespannte wirtschaftliche Lage und der Mangel an geeigneten Bewerbern setzten den Ausbildungsmarkt unter Druck. Außerdem seien die Betriebe in Industrie und Handwerk auf eine stabile, erreichbare und qualitativ hochwertige Berufsschullandschaft angewiesen – in der Stadt wie auf dem Land.

Die meisten Auszubildenden haben sich für eine Lehre im Einzelhandel entschieden. Dahinter folgen Mechatroniker, Köche und Kaufleute für Büromanagement. In gewerblich-technischen Berufen ging die Zahl der Auszubildenden zurück, vor allem in der Elektrobranche und den Metallberufen.

In Sachsen gibt es mehr als 320 verschiedene betriebliche Ausbildungsberufe und über 17.400 aktive Ausbildungsbetriebe. Der Fachkräftebedarf bei den Betrieben sei über alle Branchen hinweg sehr hoch, teilt die Handwerkskammer Dresden mit. Gleichzeitig steige die Attraktivität einer Ausbildung bei Jugendlichen: Für die jungen Frauen und Männer spielen Faktoren wie die Arbeitsplatzsicherheit, Nachhaltigkeit, familiäre Arbeitsatmosphäre in kleineren Betrieben sowie auch Wohnortnähe eine stärkere Rolle.

Nach Angaben der Arbeitsagentur stehen derzeit noch etwa 3400 Jugendliche in Sachsen ohne Lehrstelle da. Zugleich gibt es etwa 4500 freie Ausbildungsplätze, teilt die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mit. „Wenn Bewerber offen für Alternativen zu ihrem Wunschberuf sind, haben sie gute Chancen, auch jetzt noch eine Lehrstelle zu bekommen“, sagt Arbeitsagentur-Chef Klaus-Peter Hansen.

Sachsen: Freie Ausbildungsplätze in Technik-Berufen

Die meisten freien Ausbildungsplätze gibt es im Einzelhandel und Verkauf, in den Berufszweigen Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker, Elektroniker sowie der Energie- und Gebäudetechnik und Lagerlogistik. In einigen Berufen fehlen derzeit interessierte Bewerberinnen und Bewerber, um alle freien Lehrstellen besetzen zu können. Damit stehen die Chancen, auch kurzfristig einen Ausbildungsplatz zu erhalten, recht gut, so die Arbeitsagentur. Das ist etwa in den Berufszweigen Fleischerei, Werkzeugmechanik sowie Beton- und Stahlbetonbau der Fall.

Die Gründe dafür, dass viele Schulabgänger keine Ausbildung finden und Betriebe gleichzeitig um Nachwuchs ringen, seien vielfältig, so die Arbeitsagentur. Zum einen liege das daran, dass angebotene Ausbildungsstellen nicht dem Wunschberuf der Jugendlichen entsprächen. Auch fehle es mitunter bei den jungen Leuten an den geforderten schulischen Leistungen oder an fachlichen und sozialen Kompetenzen. Oder der freie Ausbildungsplatz ist schlicht zu weit vom Wohnort entfernt.

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund ist die deutlich sinkende Zahl an Ausbildungsplätzen in Sachsen ein Alarmsignal. „Jammern über Fachkräftemangel und sinkende Ausbildungsbereitschaft der Arbeitgeber passen nicht zusammen“, sagt der Vorsitzende Markus Schlimbach. Jährlich sinke die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Ausbildungsplätze um jeweils knapp 1300.

„Wenn das so weitergeht, werden sich wieder mehr Jugendliche auf wenige Ausbildungen bewerben. Bittere Konsequenz wäre eine steigende Jugendarbeitslosigkeit oder steigende Abwanderung aus Sachsen“, sagt Schlimbach. Die Gewerkschaften seien bereit, mit Arbeitgebern, Kammern und der Politik Lösungen zu finden, um den Ausbildungsmarkt in Sachsen zu stabilisieren.

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