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Endlich neuer Schwung für Sachsens Wasserstoff-Initiative

In Dresden trafen sich im Spätsommer alle wichtigen Akteure der Branche beim 1. Ostdeutschen Wasserstoffkongress. Er zeigte einmal mehr, wie viel möglich wäre, wenn die Politik hilft, Hürden abzubauen.

Lesedauer: 3 Minuten

Vier Menschen schippen Sand
Das Dresdner Unternehmen Sunfire will im Industriepark Lausitz testen, wie sein neues Elektrolysesystem unter realen Bedingungen funktioniert. Der erste Spatenstich für die Anlage fand im August statt. Anne Francken und Jürgen Fuchs von BASF sowie Nils Aldag und Christian von Olshausen von Sunfire griffen dafür zu den Spaten. Foto: Arvid Müller

Von Annett Kschieschan

Dresden. Viele Hoffnungen, reichlich Potenzial, aber auch zahlreiche Hürden – so ließe sich die Geschichte rund um den Wasserstoff als Energieträger beziehungsweise -speichermedium kurz zusammenfassen. Die Wahrheit ist natürlich komplexer. Und sie hat viel mit Sachsen zu tun, denn hier macht man sich schon seit Jahren für Wasserstofftechnologien stark. Der Freistaat will „eine Schlüsselrolle einnehmen und bis 2030 eine Wasserstoffwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufbauen – von der Herstellung über den Transport bis zur Nutzung“, so hat es kürzlich Staatssekretär Sebastian Scheel im Rahmen des 1. Ostdeutschen Wasserstoffkongresses betont und versprochen: „Dafür schaffen wir verlässliche Rahmenbedingungen, ermöglichen Infrastruktur und unterstützen Innovationen und Investitionen.“

Neue Technologie unter realen Bedingungen testen
Der Kongress fand nicht von ungefähr in Sachsen statt. Denn hier ist in der Vergangenheit schon viel passiert in Sachen Wasserstoff. Zum Beispiel durch die Gründung des Hydrogen Innovation Center (HIC) in Chemnitz. Angelegt als nationales Innovations- und Technologiezentrum verbindet das HIC Forschung, Entwicklung, Testung, Zertifizierung und Technologietransfer. Unternehmen, die eigene Wasserstoff-Projekte vorbereiten, können die Technologie unter realen Bedingungen testen. Das hilft Start-ups der Branche, aber auch alteingesessenen Firmen, die neue Wege gehen wollen. Auch Chemnitz selbst tut Einiges dafür, um zur „Wasserstoff-Stadt“ zu werden. So bereitet man hier die Anbindung an das künftige Wasserstoffkernnetz vor. Konkret heißt das: Gasleitungen werden auf Wasserstoff umgestellt, aber auch neue Wasserstofftransportleitungen errichtet.
Mit der Anbindung will man die Voraussetzung schaffen, Chemnitz perspektivisch an die östlich von Freiberg verlaufende OPAL-Leitung anzuschließen. Die knapp 500 Kilometer lange Ferngasleitung führt von Greifswald an der Ostseeküste durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen bis an die deutsch-tschechische Grenze bei Olbernhau. Anfang der 2030er Jahre soll sie Bestandteil des bundesweiten Wasserstoffkernnetzes werden.

In Dresden zeigt zum Beispiel das Unternehmen Sunfire, wie Wasserstoff schon heute genutzt werden kann. Der Anbieter von Elektrolysetechnologien hat gerade sein neues 50-Megawatt-Elektrolysesystem vorgestellt und deutlich gemacht, dass man hier größer denkt. Das System ist für Vorhaben im dreistelligen Megawattbereich ausgelegt. Im Industriepark Lausitz entsteht gerade eine Testanlage für grünen Wasserstoff. Sunfire will seine innovative Technologie dort unter realen Bedingungen ausprobieren. Die Inbetriebnahme ist für Ende dieses Jahres geplant.
Klingt gut – ist es auch. Aber in Sachsen weiß man auch – der Wasserstoff braucht neuen Schwung. Das zeigt ein Blick in die Studie „Meilensteine für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf bis 2040“. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hatte die Untersuchung bei der r2b energy consultig GmbH in Auftrag gegeben. Das vielleicht wichtigste Ergebnis: Es gibt zwar viele starke Initiativen, gleichzeitig fehle der „Gleichklang von Wirtschaftlichkeit, regulatorischer Klarheit, verlässlicher Nachfrage und koordinierter Infrastrukturentwicklung“.

Noch fehlt der „Gleichklang“ der Bemühungen
Bislang ist der Grüne Wasserstoff noch nicht wettbewerbsfähig, da die Preise für Endverbraucher deutlich über denen für fossile Brennstoffe liegen. Unklare Zertifizierungsvorgaben und Bürokratie erschweren zudem Investitionen. Nicht zuletzt müssten erst Verteilnetze und Speicher aufgebaut werden, um eine „Wasserstoff-Infrastruktur“ zu schaffen.
Sachsen – und Ostdeutschland – sind dran. Das zeigte der Wasserstoffkongress Ende August in Dresden. „Nach Jahren der Strategien, Förderprogramme und Planungen“ komme es nun darauf an, den Schritt „von der Strategie in die Umsetzung und vom Zukunftsthema zum funktionierenden Markt“ ganz praktisch anzugehen, sagte Staatssekretär Scheel. Der Kongress wollte durchaus ein wenig Aufbruchstimmung vermitteln – damit aus Hoffnung und Potenzial allen Hürden zum Trotz eine tragfähige Energielösung für die Zukunft wird.
Die Branche nutzte die Möglichkeit, gemeinsam auf Chancen wie Probleme aufmerksam zu machen. Rund 450 Teilnehmer waren der Einladung der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und des Wasserstoffnetzwerks HYPOS gefolgt. Für das Netzwerk besonders wichtig: Die Übergabe des HYPOS-Forderungspapiers an Hanna Schumacher, Leiterin der Unterabteilung Wasserstoff- und Gasinfrastruktur im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Es enthält acht zentrale Forderungen an die Politik, basierend auf der Studie der r2b energy consulting GmbH.
Ziel sei es, „verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen und den Wasserstoff-Markthochlauf zu beschleunigen“, so HYPOS-Geschäftsführer Andreas Bauer. Von dem neuen Schwung, da sind sich Experten einig, würde die Wirtschaft weit über Sachsen hinaus profitieren.


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