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Wie innovativ ist Leipzig wirklich?

Die Handelshochschule zieht in einer Studie Bilanz und will Unternehmen helfen, die Zukunftsfreude zu vergrößern – und dafür Freiräume zu schaffen.

Lesedauer: 3 Minuten

Lino Markfort, Innovationsmanager der Immobilienfirma "CG Elementum" steht auf dem Gelände der "Plagwitzer Höfe", einem Hotspot für innovative Projekte in Leipzig.
Lino Markfort, der verantwortliche Innovationsmanager der Immobilienfirma "CG Elementum" auf dem Gelände der "Plagwitzer Höfe", einem Hotspot für innovative Projekte in Leipzig. © Anja Jungnickel

Von Sven Heitkamp

Sinnvolle Innovation ist, wenn man miteinander spricht. So könnte eines der Ergebnisse einer neuen Leipziger Studie lauten, die am Dienstagnachmittag vorgestellt wurde. Denn selbstverständlich scheint das nicht immer. Die renommierte private Handelshochschule HHL, die Stadt Leipzig und ein neues „Digital Impact Lab“ der LF-Gruppe wollten daher wissen: Wie innovativ sind die angesagte ostdeutsche Metropole und ihre Unternehmen?

Dabei kam auch heraus, wie man es besser nicht macht: Eine Firma hatte in einem Innovationsprojekt für eine neue Bushaltestelle vor der Haustür gesorgt, damit die Kunden den Standort ohne Auto besser erreichen können. Doch keiner hatte vorher mit den Kunden gesprochen – und die Haltestelle steht heute meist verwaist herum. „Der Austausch mit Kunden ist ein großer Innovations-Hebel, der noch besser genutzt werden kann“, sagt Claudia Lehmann, Professorin für digitale Innovation in Dienstleistungsbranchen an der HHL, und eine der Autorinnen der Studie.

Dennoch bekommt die Region Leipzig in der Befragung gute Noten. Der Standort gelte seit jeher als ein Innovationshub, urteilen die Autoren. „Heute bieten viele der ehemaligen Industrieanlagen innovativen Start-ups, einer blühenden Kreativszene und Innovationszentren wie der Bundesagentur für Sprunginnovationen eine Heimat“, lautet ein Fazit. „Das starke Netzwerk an Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie die zunehmende Bekanntheit der Stadt aus Kultur und Sport ziehen viele gut ausgebildete Menschen nach Leipzig, die das Potential haben, als Innovationstreiber zu wirken.“

Das sieht man ähnlich beim bundesweit aktiven Immobilienentwickler CG Elementum, einer Tochtergesellschaft der Gröner Group AG mit rund 600 Mitarbeitern, die für die Studie befragt wurde. Lino Markfort, Vorstandsreferent und Verantwortlicher für Innovationsthemen des Unternehmens, sagt: „Leipzig ist ein chancenreicher Standort, an dem viel gegründet wird, mit einer aktiven Startup-Szene, wichtigen Institutionen und vielen Vordenkern – aber die Strahlkraft als Leuchtturm könnte noch erhöht werden.“

Die „Plagwitzer Höfe“ in Leipzig wurden saniert und umgebaut, um kreative, junge Firmen anzuziehen.© Anja Jungnickel

Die CG Elementum selbst setzt in der Stadt innovative Projekte um, darunter die Plagwitzer Höfe, wo in denkmalgeschützter Industriearchitektur Platz für Kultur, Handel, Gastronomie, Technologie, Büros, Galerien und Wohnungen geschaffen wird. Auch ein Hotspot für die Games-Branche in der Innenstadt wird von der CG Elementum mit aufgebaut. Doch man könnte noch mehr dafür tun, Unternehmen zusammenzubringen, sagt der Betriebswirt Markfort. „Leipzig bietet viele wichtige Orte und gute Netzwerke zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, um sich frühzeitig über neue Trends auszutauschen. Aber da ist auch noch Luft nach oben.“

Immerhin in jedem zweiten Unternehmen würden die Innovationskraft, die Innovationskultur und die Bereitschaft für Neues inzwischen als hoch eingeschätzt, ergaben die Online-Befragungen von fast 250 Beschäftigen und 24 ausführliche Interviews. „Das Ergebnis hat mich positiv überrascht“, sagt Professorin Lehmann. Beispiele für verschiedene Formate gibt es: Die Leipziger Messe etwa hat ein „Innovationsboard“ ins Leben gerufen: Eine Arbeitsgruppe, die Vorschläge und Ideen der Beschäftigten zu neuen Projekten, Produkten und Prozessen aufgreift und mit der Geschäftsführung begleitet. In der IHK Leipzig gibt es ein virtuelles „Ideenmanagement“ – eine Plattform im Intranet, auf der Mitarbeiter neue Anregungen einbringen können. Junge, namhafte Unternehmen haben bereits Innovationsmanager etabliert, die für Ideenaustausch und deren Steuerung sorgen.

Allerdings zeige das Studienergebnis auch, dass die andere Hälfte der Befragten noch deutliches Verbesserungspotenzial sieht, räumt Lehmann ein. Für eine innovationsfreundliche Unternehmenskultur müsse ein Umfeld geschaffen werden, das Mitarbeitende ermutigt, Ideen einzubringen und Lösungen zu entwickeln, betont Co-Autor Timo Brunner. Dazu gehörten unter anderem Schulungen und Trainings zu Innovationsmethoden, Freiräume und feste Zeiten für kreatives Arbeiten, Kooperationen mit externen Partnern, Netzwerken und Hochschulen, Coachings für Führungskräfte, um innovative Vorhaben voranzutreiben – und Prämien für erfolgreiche neue Projekte.

„Wenn jeder nur in seinem Zimmer, auf seiner Etage und in seiner Abteilung vor sich hin arbeitet, ist offenkundig, dass der Austausch schwierig ist“, sagt Transformations-Coach Justine Walter vom Digital Impact Lab, das Unternehmen im deutschsprachigen Raum berät. Also müsse man Türen öffnen. Innovation müsse man können, dürfen und wollen, so Walter. Darüber hinaus würden Neuerungen im Unternehmen oft durch äußere Einflüsse wie neue gesetzliche Vorgaben, die Corona-Pandemie, den Fachkräftemangel oder die Energiekrise vorangetrieben. Darauf sollten Unternehmen vorbereitet sein. Und nicht zuletzt, so Professorin Lehmann, wolle auch die Studie selbst einen Anstoß dazu geben, die Innovationsbereitschaft und Zukunftsfreude in Sachsens Unternehmen zu vergrößern.

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