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Wie Niesky seine wirtschaftliche Zukunft ohne Waggonbau sieht

Die Schließung des Traditionsbetriebes überschattet auf dem Neujahrsempfang die Bilanz der Oberbürgermeisterin. Aber es gibt Ideen für das Gelände.

Lesedauer: 2 Minuten

"Da braut sich was zusammen", sagten Oberbürgermeisterin Kathrin Uhlemann und die Stadträte zu 2024. Sie trafen sich in der Görlitzer "Bierblume", um selbst zu brauen. Das Resultat gab es als Ratsbier beim Neujahrsempfang in Niesky. © André Schulze
"Da braut sich was zusammen", sagten Oberbürgermeisterin Kathrin Uhlemann und die Stadträte zu 2024. Sie trafen sich in der Görlitzer "Bierblume", um selbst zu brauen. Das Resultat gab es als Ratsbier beim Neujahrsempfang in Niesky. © André Schulze

Von Steffen Gerhardt

Mit der Schließung des Waggonbau-Werkes im August vergangenen Jahres ist die Stadt Niesky um ein wichtiges Unternehmen ärmer geworden. Beim Neujahrsempfang der Oberbürgermeisterin am Freitagabend stand die Frage, wie geht es ohne Waggonbau auf dem Werksgelände und mit der Stadt weiter?

Oberbürgermeisterin Kathrin Uhlemann verwies in ihrer Neujahresansprache darauf, dass es „bedauerlich und tragisch ist, dass dem Werk keine Zukunft gegeben wurde“. Als respektlos empfand sie und weitere Anwesenden die Unruhe im Saal während der Ansprachen und Musikdarbietungen von der Band Swing Time.

Zu einer Brache werde man das Gelände nicht verkommen lassen, ist die Oberbürgermeisterin überzeugt. Zwar sind die Gebäude vom bisherigen Eigentümer Tatravagonka leergekauft, aber der Grund und Boden ist noch in seinem Besitz.

Es soll weiter produziert werden

Die Bemühungen der Stadt sind darauf gerichtet, dass auf dem immerhin 27 Hektar großen Betriebsgelände weiter produziert wird. Laut Oberbürgermeisterin gibt es Anfragen von bereits bestehenden Unternehmen, die sich gern erweitern möchten, aber auch Interessenten für eine Neuansiedlung. Zuvor müsse aber die Grundstücksfrage geklärt werden. Vonseiten des slowakischen Konzerns gebe es Bereitschaft zu Gesprächen, sagte Frau Uhlemann. Nun geht es darum, einen ersten Termin dafür zu vereinbaren.

Oberbürgermeisterin Kathrin Uhlemann bei ihrer Neujahrsansprache im Bürgerhaus. Zuvor musste sie um Ruhe im Saal bitten, was man von Niesky eigentlich nicht kennt.© André Schulze

Der Staatssekretär in der sächsischen Staatskanzlei, Conrad Clemens, sicherte zum Neujahrsempfang die Unterstützung des Freistaates zu. „Es geht in diesem Jahr darum, dem Grundstück und den Gebäuden eine Perspektive zu geben“, betonte der Staatssekretär. Zur Insolvenz selbst kritisierte Clemens den Eigentümer: „So geht man nicht miteinander um“.

Genau betrachtet, ist es eine „starke Leistung“ im negativen Sinn, wie Tatravagonka mit dem Nieskyer Waggonbau umgegangen ist. Nach fünf Jahren in die Insolvenz getrieben, sich der Belegschaft entledigt, Maschinen und Anlagen aus der Insolvenzmasse zurückgekauft und schließlich ist da noch das Gelände, das sicherlich nicht für einen Apfel und ein Ei weggeht. Und: Mit dem ganzen Prozedere auch noch einen Konkurrenten auf dem Weltmarkt ausgeschaltet.

Bauzentrum als Hoffnungsträger

Niesky will in diesem und den folgenden Jahren nicht nur auf Holz klopfen, sondern auch auf das Naturprodukt setzen. Das betrifft nicht nur die eigene Holzkompetenz, sondern auch das für Bautzen vorgesehene neue Institut der Bauforschung, das „Living Art of Building“ (LAB). „Niesky wird sich als Puzzleteil in ein bestehendes Gesamtbild einfügen oder sich daran ausrichten“, erläuterte Kathrin Uhlemann. Schließlich ist Niesky neben Hoyerswerda und Weißwasser als LAB-Campus für Industrieforschung, Produktion und Ausbildung vorgesehen. Das geht einher mit dem Ansiedeln von Unternehmen.

Der Aufbau des Bauforschungsinstitutes wird die kommenden fünf Jahre in Anspruch nehmen. Worauf orientiert sich Niesky in diesem Jahr? Laut Oberbürgermeisterin soll es mit der Turnhalle am Rosensportplatz losgehen. „Wir sind dabei, die letzten Planungshürden zu nehmen.“ Der Straßenneubau Obere Siedlung im Ortsteil See steht auf der Agenda, ebenso das Planen und Neugestalten des Seegrabens auch als touristisches Ziel. Eine weitere große Baustelle wird das Bahnhofsgelände sein, das in Regie des Eigentümers, des Busunternehmens Moveas, neugestaltet wird.

Schließlich sind in diesem Jahr auch Wahlen. Landrat Stephan Meyer (CDU) appellierte an die Anwesenden, „Menschen zu wählen, die Niesky und den Landkreis voranbringen“. Die Wahlen sollte jeder ernst nehmen. Sie geben die Möglichkeit, sich selbst einzubringen, als Stadt- oder Gemeinderat und als Abgeordneter des Kreistages.

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