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Wirtschaftsminister lobt Entwicklung der Künstlichen Intelligenz in Sachsen

KI ist die Zukunftstechnologie schlechthin - auch für Sachsens Wirtschaft. Doch ihr Einsatz muss geregelt sein. Wie, darüber wird auf dem KI-Kongress in Chemnitz diskutiert.
Lesedauer: 3 Minuten
Man sieht im Hintergrund sehr viele von den Zahlen 1 und 0, die das Computersystem symbolisieren
Bei der Entwicklung und Förderung der Künstlichen Intelligenz sieht die Landesregierung Sachsen sehr positiv. © dpa

Von Nikolaus Gruendahl

Chemnitz. Künstliche Intelligenz (KI) ist momentan in aller Munde. Für viele Menschen ist die neue Technologie ein „Gamechanger“, der große Chancen birgt. Für andere ist sie jedoch auch eine Gefahr. Wird die Technologie mich ersetzen? Sind meine Daten geschützt? Die Debatte um ChatGPT zeigt, wie KI-Unternehmen wie Open AI unsere Moralvorstellungen auf die Probe stellen. Über diese und andere Fragen wird auf dem dritten KI-Kongress des Freistaats diskutiert, am Dienstag und Mittwoch in Chemnitz stattfindet.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) betrachtet den Freistaat bei der Entwicklung und Förderung der Künstlichen Intelligenz (KI) als „hervorragend positioniert“. Das gehe aus der Studie Künstliche Intelligenz in Sachsen 2024 hervor, die Dulig am Dienstag vor Beginn des eigentlichen KI-Kongresses präsentierte. Sie soll erstmals ein umfassendes Bild der sächsischen KI-Landschaft liefern.

Laut der Studie sind derzeit in Sachsen fast 200 KI-Unternehmen ansässig, rund 120 mehr als vor fünf Jahren. Etwa drei Viertel davon hätten ihren Hauptsitz im Freistaat. Dresden sei dabei der klare „KI-Hotspot“, denn dort befänden sich 43 Prozent der sächsischen KI-Unternehmen. Außerdem gebe es 18 Netzwerke, die sich mit der KI-Förderung beschäftigten, hieß es.

Dieser hohe Anteil von Unternehmen in der Landeshauptstadt, aber auch in Leipzig, sei vor allem auf den starken Wissenschaftsstandort Dresden und Leipzig zurückzuführen, hieß es. Im bundesweiten Vergleich schneide Sachsen mit mehr als 160 Hochschulprofessuren, außeruniversitären Instituten und Forschungsverbünden im Bereich der KI-Forschung sehr gut ab. Fast 60 Prozent dieser Forschungseinrichtungen widmeten sich schwerpunktmäßig der angewandten Forschung, insbesondere zu Algorithmen, Daten und KI-Hardware. Acht Hochschulen offerierten 48 Studiengänge mit KI-Inhalten. Ein weiterer wichtiger Faktor, der die KI-Unternehmen in Sachsen beflügelt, sei die industrielle Produktion etwa in den Bereichen Automobil, Halbleiter und Robotik.

Nach Ansicht von Dulig ist der Einsatz von KI-Anwendungen notwendig, da der demografische Wandel die berufstätige Bevölkerung drastisch verkleinern wird. Die Technologie sei „vielmehr ein Jobgarant als ein Jobmotor“, betonte Sachsens Digitalminister. Hinzu komme, dass die internationale Konkurrenz KI-Lösungen einsetze, um Kosten zu senken. Schon aus Wettbewerbsgründen müsste man mithalten.

Staatskanzlei-Chef Oliver Schenk (CDU) lenkte in seiner Eröffnung des Kongresses den Blick besonders auf ethische Fragen. Die Frage sei nicht mehr, ob Künstliche Intelligenz die Welt tiefgreifend verändern wird, sondern wie. „In fünf Jahren wird alles etwas mit KI zu tun haben,“ so der Staatsminister. Es ginge jetzt vor allem um Geschwindigkeit und darum, den Menschen Sicherheit zu geben. Die Chancen für ein besseres Leben müssten stärker dargestellt werden. Ein Beispiel ist die Früherkennung von Krebs und anderen lebensgefährlichen Krankheit, die durch eine Datenauswertung durch KI schneller entdeckt werden können.

Eine Herausforderung sei jedoch, die aufgrund des hohen Tempos der technologischen Entwicklung mitzunehmen. Zu diesem Zweck will die Landesregierung einen Beirat für digitale Ethik ins Leben rufen. Schenk und Justizministerin Katja Meier (Grüne) hatten die Pläne für einen Beirat für digitale Ethik bereits Ende vergangener Woche vorgestellt. Sachsen wäre damit das erste Bundesland, das einen solche Beirat einführen würde. Er soll die Landesregierung im Umgang mit KI beraten.

Strafurteile müssen immer noch Menschen treffen

Auf dem KI-Kongress wurde das Vorhaben nun von Staatssekretärin Gesine Mertens (Grüne) vorgestellt. Bis Ende des Jahres soll der Beirat installiert und mit sieben Mitglieder besetzt sein. Die Beratungstätigkeit soll sich überwiegend um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung drehen. Justiz, Bildung und Polizei sind alles Bereiche, wo zunehmend KI-Lösungen angewendet werden. Justizministerin Meier hatte bereits klargestellt, dass KI nicht die Kernaufgabe von Richtern und Staatsanwälten übernehmen könne. Urteile müssten von Menschen gefällt werden. In den USA wird KI auch genutzt, um die Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern einzuschätzen. Auch solche Lösungen würden im Freistaat nicht zum Einsatz kommen, so Meier.

Einig war man sich in Chemnitz: Die Chancen von KI sind enorm. Die Technologie muss jedoch mit der Freiheit, Sicherheit und Menschenwürde der Bürger in Einklang gebracht werden. Wie das aussehen kann, das muss weiter ausgehandelt werden.

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