Kamenz. Bei der Firma A&K Hochbau in Kamenz vollzieht sich derzeit ein gleitender Übergang, der weit mehr ist als eine bloße geschäftliche Formalität. Es ist die Übergabe eines Lebenswerks von Vater Uwe Kleditsch an seinen Sohn Nico – eine Geschichte von Leidenschaft, familiärem Zusammenhalt und dem Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Gegründet wurde die Firma im Mai 1997 – einer Zeit des Umbruchs und der wirtschaftlichen Herausforderungen. „Eigentlich war es da bereits schwieriger als direkt nach der Wende“, erinnert sich der heute 66-jährige Uwe Kleditsch.
Während kurz nach dem Mauerfall Baufirmen wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, mussten Ende der Neunziger viele bereits wieder aufgeben. Kleditsch und sein Kompagnon Jürgen Androwsky wollten es dennoch wagen. Damit legten sie den Grundstein für das, was heute immer noch ein mittelständisches Vorzeigeunternehmen der Region ist.
Der Entschluss eines 14-Jährigen
Dass sein Sohn Nico einmal in seine Fußstapfen treten würde, war keineswegs in Stein gemeißelt. Im Gegenteil: Uwe Kleditsch weiß nur zu gut um die Härte der Baubranche. „Du musst das nicht machen“, pflegte er zu seinem Sohn zu sagen, wohlwissend um die körperliche Anstrengung und die Last der Verantwortung als Geschäftsführer.
In Kindertagen träumte Nico auch noch von einer Karriere als Landwirt, doch die Realität auf der Baustelle faszinierte ihn frühzeitig. Bereits mit 14 Jahren, nach einer Ferienarbeit, wusste Nico genau, was er wollte.
Eine Tradition hat ja irgendwo ihren Anfang – und dann ist das eben unser Anfang. – Nico Kleditsch, Juniorchef von A&K Hochbau
Als der Vater einwandte, es gebe im Hause Kleditsch keine Tradition, die viele Generationen zurückreicht, und damit auch keinen riesigen Druck, antwortete der Junge mit Entschlossenheit: „Eine Tradition hat ja irgendwo ihren Anfang – und dann ist das eben unser Anfang.“
Vom jüngsten Meister zum Geschäftsführer
Und er ließ seinen Worten Taten folgen. Nico lernte das Maurerhandwerk von der Pike auf und hängte direkt den Meisterbrief dran. Mit gerade einmal 22 Jahren war er einer der jüngsten Meister in ganz Sachsen.
Seit 2019 läuft schon die offizielle Planung der Firmenübergabe. Nico wurde Mitgeschäftsführer und übernahm sukzessive die Leitung der operativen Geschäfte.
Mit fünf Facharbeitern, einem zusätzlichen angestellten Meister und drei Auszubildenden ist die Firma stabil aufgestellt. Das Durchschnittsalter liegt bei gerade einmal 32 Jahren – und da ist Seniorchef Uwe mit seinen 66 Jahren noch eingerechnet.
Kürzlich als bester Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet
Ein besonderes Herzensprojekt der beiden Chefs ist die Ausbildung. Kürzlich wurde das Unternehmen als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet. Das Geheimnis des Erfolgs? Zuhören, familiärer Zusammenhalt und Besuche in den schulischen Ausbildungsstätten. Dazu komme die regelmäßige Teilnahme an Berufsmessen.
Jeder, der bei uns die Ausbildung abgeschlossen hat, ist auch geblieben. – Nico Kleditsch (28), Geschäftsführer A&K Hochbau
„Jeder, der bei uns die Ausbildung abgeschlossen hat, ist auch geblieben und konnte von uns übernommen werden“, berichtet Nico Kleditsch stolz. In Zeiten des Fachkräftemangels sei das fast ein Ritterschlag. Neben der familiären Atmosphäre spiele ein entscheidender Standortvorteil eine große Rolle: Die Firma arbeitet sozusagen „rund um den Kamenzer Kirchturm“.
Während andere Firmen ihre Mitarbeiter oft auf kräftezehrende Montagen schicken, ist das Team von A&K Hochbau nach Feierabend zu Hause bei den Familien. Man achtet auf pünktlichen Feierabend – ein Aspekt, der besonders für die jungen Väter im Betrieb, zu denen seit Kurzem auch Nico gehört, von unschätzbarem Wert ist.
Die regionale Verbundenheit zeigt sich auch in den Referenzen, wobei A&K meist „hoch über Kamenz“ arbeitete: Ob die Sanierung des Hutbergturms, Arbeiten am Rathausturm, am Bönisch-Mausoleum, die KZ-Gedenkstätte im Herrental oder die Verschönerung des Roten Turms – die Firma hat das Gesicht von Kamenz in den letzten fast 30 Jahren maßgeblich mitgeprägt. Besonders im Denkmalbereich genießt sie einen exzellenten Ruf.
Seniorchef tritt nun kürzer
Für Uwe Kleditsch ist es nun an der Zeit, kürzerzutreten. 50 Jahre Arbeit auf dem Bau fordern ihren Tribut, meint er. Nach jüngsten schweren Operationen, die so nicht geplant waren, ist er auf dem Weg der Besserung und genießt den Status als „offizieller Rentner“.
Die Krankheit habe ihm bewusst gemacht, dass es neben der Arbeit noch andere wichtige Dinge gibt – Freizeit, mehr Ruhe, vielleicht noch ein paar Reisen, Freunde, seine Familie und vor allem die beiden Enkelkinder.
Beide gesellschaftlich engagiert
Dennoch bleibt er der Branche erhalten: Er engagiert sich weiterhin im Vorstand der Baugewerbe-Innung und steht seinem Sohn mit Rat und Tat zur Seite. Außerdem sind Vater und Sohn schon immer gesellschaftlich aktiv, ob früher im Ortschaftsrat, in Vereinen und speziell Nico als Chef des Feuerschutz- und Heimatvereins Gelenau.
Der Junior blickt voller Tatendrang in die Zukunft. Das Auftragsbuch ist bis weit in den Herbst 2026 gefüllt. Da gibt es alte Häuser für junge Rückkehrer-Familien zu sanieren, Aufträge der SWG Kamenz abzuarbeiten oder auch mal nur einen Schornstein zu mauern.
Zentraler Firmenstandort ist Zukunftswunsch
Für die Zukunft hat der junge Chef klare Visionen. Er träumt von einem zentralen Firmenstandort in Kamenz, an dem Bauhof, moderne Sanitäranlagen für die Mitarbeiter und Büroflächen vereint sind. Doch bei allem Wachstum bleibt ein Versprechen: „Wir wollen klein und familiär bleiben, damit unsere bekannte Qualität erhalten bleibt.“
Ein fast symbolisches Highlight der jüngsten Zeit war die Arbeit an der St. Marienkirche in Kamenz. Beim Einbau der neuen Glocken kümmerte sich das Team um das Glockengewölbe und setzte neue Stahlträger für die Montage der Glocken ein.
SZ


