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Wohin steuert der Wirtschaftsstandort Sachsen?

Sachsens Wirtschaft steht nach einer Analyse von Experten am Scheideweg, hat aber gute Chancen Innovationskraft zu entfalten.

Lesedauer: 2 Minuten

Man sieht Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig nahm heute Gutachten zum Wirtschaftsstandort Sachsen entgegen. © SMWA/Kristin Schmidt

Von Nora Miethke

„Sachsen steht am Scheideweg.“ So sieht es ein Expertenrat, der 2022 einberufen wurde, um die Grundlagen der sächsischen Wirtschaft zu analysieren und die Potenziale für eine weitere positive Entwicklung zu identifizieren. Am Montag wurde nun der Abschlussbericht nach eineinhalb Jahren Arbeit an Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) überreicht.

Das Ergebnis: „Sachsen ist sehr gut aufgestellt. Die Lage ist wesentlich besser als die Stimmung“, so Professor Wolfgang Schroeder vom Wissenschaftszentrum Berlin, Vorsitzender des Expertenrats. Die sechs Experten und Expertinnen des paritätisch besetzten Rats sehen Sachsens Wirtschaft nach den Umbrüchen infolge der Wiedervereinigung in einer zweiten Transformation.

Die Chance bestehe, von der verlängerten Werkbank zum Zukunftsstandort zu werden, heißt es in dem Gutachten. Die potenzielle Entwicklung zu einer „wichtigen Innovationswirtschaft in Deutschland“ seien bereits sichtbar. Dabei wird auf die Rolle des Freistaates als Halbleiterstandort aber auch als Vorreiter in der Elektromobilität verwiesen. Die geplante Ansiedlung des taiwanischen Chipkonzerns TSMC könne „einen echten Paradigmenwechsel einläuten“.

Nach Berechnungen des Wirtschaftsministeriums werden in den kommenden Jahren über 30 Milliarden Euro an größeren Investitionen durch Unternehmen selbst, aber auch durch EU, Bund und Land realisiert. Es gehe nun darum, positive wirtschaftliche Dynamik durch kluges politisches Handeln zu entfesseln, hieß es. Dazu empfiehlt das Gremium Strom-, Wasserstoff- und Breitbandnetze zügig auszubauen, ebenso wie erneuerbare Energien. Mit Blick auf den sich zunehmenden Mangel an Fach- und Arbeitskräften werden mehr Anstrengung angemahnt, für gute Löhne, attraktive Arbeitsbedingungen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sorgen. Bei der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte müsse „einiges passieren in Richtung Kulturwandel“, forderte Schroeder.

Kultur und Einstellungen entscheidende Faktoren

Die Bewältigung der zweiten Transformation sei auch eine mentale und motivationale Frage, heißt es in dem Gutachten. Wie Sachsen all die Herausforderungen des Klimawandels, der Digitalisierung und des demografischen Wandels angehen und meistern will, hänge auch von Faktoren wie Kultur und Einstellungen ab. Diese müssten stärker als bisher bei allen Antworten zu den technologischen Fragen berücksichtigt werden, empfiehlt der Expertenrat.

„Machbarkeit“ müsse dabei das zentrale Kriterium sein, auch für die Staatsregierung. „Emotionalisierte Warnungen vor De-Industrialisierung ohne Lösungsvorschläge sind genauso kontraproduktiv wie Zukunftsentwürfe, welche die Umsetzbarkeit vor Ort ständig überfordern“, heißt es.

Staatsregierung und Medien sollten stärker darauf achten, nicht nur Stimmungen aufzunehmen, sondern auch Fakten aufbereiten, um der Spaltung in der Gesellschaft entgegenzuwirken, empfahl Professor Joachim Ragnitz, Vize-Chef der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Auch gelte es, die „Ausgrenzungsstrategie bestimmter Parteien zu überdenken“, so Ragnitz.

Das Wirtschaftsministerium hatte den Rat im Jahr 2022 einberufen, um Rahmenbedingungen der Transformation einzuordnen und eine Prognose der Entwicklung bis 2035 zu geben. Zu den sechs Mitgliedern gehören neben Wolfgang Schroeder und Joachim Ragnitz auch die Aufsichtsratschefin der Mitteldeutschen Flughafen AG, Hiltrud Dorothea Werner, Lukas Rohleder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden, Saskia Rudolph, Geschäftsführerin Spiegelneuronen GmbH und Birgit Dietze, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied im Aufsichtsrat der MAN Energy Solutions SE.

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