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Landwirt aus Dresden: „Wir sollten den Klimawandel endlich ernst nehmen“

Bauern und Kühe im Hitzestress, Mähdrescher in Gefahr: Die Hitze setzt Sachsens Landwirten zu. Was das für ihren Alltag bedeutet, erzählt ein Landwirt aus Dresden.

Lesedauer: 3 Minuten

Benjamin Woop

Dresden. Die Hitzewelle in Sachsen bringt nicht nur Freibadwetter und Sonnenbrand, sondern setzt auch der Landwirtschaft massiv zu.

Temperaturen von weit über 30 Grad und fehlender Regen machen die tägliche Arbeit auf den Feldern zur Belastungsprobe – für Menschen, Tiere und Maschinen.

Arbeiten im Ausnahmezustand

Die hohen Temperaturen der vergangenen Tage stellen Landwirte und ihre Mitarbeiter vor enorme Herausforderungen. „Die einzige Alternative bei der Hitze ist es wirklich, einfach früher anzufangen“, sagt Bernhard Probst, Landwirt aus Dresden.

In seinem Betrieb wird, wenn möglich, schon am frühen Morgen gearbeitet oder auf den Abend ausgewichen. Über die heißen Mittagsstunden ruhen die Arbeiten, oder es wird nur ein Minimalprogramm gefahren. „Bei der Hitze kann man ja nicht viel machen, da müssen wir uns anpassen.“ Wer kann, baut Überstunden ab oder nimmt sich frei.

Die Geschäftsführerin des sächsischen Landesbauernverbands (SLB), Diana Henke, bestätigt die klassischen Tipps bei Hitze: „Sonnenschutz und ausreichend Getränke sind wichtig für die Landwirte.“

Moderne, klimatisierte Fahrzeugkabinen entlasten die Landwirte etwas, doch es bleibt anstrengend. „Es fehlt auch an allen Ecken und Enden an Regen, das sieht man aktuell an dem Waldbrand in der Gohrischheide“, sagt Henke. Dort müssen Bauern die Ernte einstellen und Brandschneisen schlagen, um ein Übergreifen des Feuers auf Ackerflächen zu verhindern.

Tiere brauchen Abkühlung und Schutz

Auch die Tiere der Landwirte leiden unter der Hitze. „Die Kühe wollen weniger fressen und geben weniger Milch“, sagt Bernhard Probst.

„Unsere Kühe haben ganz schön zu tun. Ihre komplexe Verdauung heizt sie ohnehin schon auf. Eigentlich seien minus fünf Grad Celsius ihre optimale Temperatur, habe ich mir sagen lassen“, so Probst. Die Tiere bleiben lieber tagsüber im Stall, nachts geht es auf die Weide.

Ventilatoren, Sprühnebel und ein erhöhtes Wasserangebot in den Ställen helfen den Rindern, die Hitze besser zu überstehen, sagt Henke vom SLB. Ebenso sind Schweine- und Geflügelställe klimatisiert.

Bernhard Probst ist der Chef des Biobauernhofes Vorwerk Podemus.
Bernhard Probst ist der Chef des Biobauernhofes Vorwerk Podemus.
Quelle: Foto: Sven Ellger

„Den Tieren geht es manchmal besser als uns im Büro“. Es zeigt sich: Landwirte müssen das Klima künstlich regulieren – die Tiere haben schließlich kaum Möglichkeiten, der Hitze eigenständig auszuweichen.

Maschinen laufen heiß, Felder trocknen aus

Bei diesen Temperaturen geraten nicht nur Menschen und Tiere an ihre Grenzen: „Bei 38 Grad kann man kaum ernten, da macht auch irgendwann die Technik nicht mehr mit“, sagt Probst.

Die Hitze und Trockenheit erhöhen zudem das Risiko von Technikbränden – in anderen Bundesländern kam es bereits zu Bränden von Mähdreschern.

2019 brannte dieser Mähdrescher auf einem Getreidefeld im Landkreis Schaumburg.
2019 brannte dieser Mähdrescher auf einem Getreidefeld im Landkreis Schaumburg.
Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Die anhaltende Hitze und Trockenheit wirken sich auch direkt auf die Ernte aus. „Der Niederschlag fehlt“, sagt Henke. Vor allem auf ertragsschwachen Böden in Nordsachsen drohen Qualitätsverluste und Wachstumsrückstände, etwa beim Mais oder in den Kartoffelbeständen. „Der Mais, der jetzt steht und Regen bräuchte, leidet extrem darunter.“

Prognose für die Ernte: Durchschnittlich

Ob und wie groß die Ertragseinbußen in diesem Jahr ausfallen, ist noch unklar. „Ertragseinbrüche sind bei bleibender Wetterlage möglich, aber wir können erst eine Bilanz ziehen, wenn die Ernte eingefahren ist“, so Henke. Zurzeit geht das SLB aber von einer durchschnittlichen Ernte aus.

Der angekündigter Wetterumschwung könnte für etwas Entspannung sorgen – zumindest vorübergehend. Doch Henke bleibt vorsichtig: „Mal sehen, wie es sich weiter entwickelt.“

Der Landwirt Bernhard Probst wünscht sich in dieser Situation nicht nur kurzfristige Lösungen und ein Hoffen auf Regen. Sondern vor allem mehr gesellschaftliches Miteinander – und ein Umdenken in der Politik: „Nicht nur unter Landwirten, wir sollten uns alle mehr gegenseitig unterstützen – und den Klimawandel endlich ernst nehmen.“

Diana Henke vom sächsischen Landesbauernverband sorgt sich um den Mais auf den Feldern – der Regen fehlt.
Diana Henke vom sächsischen Landesbauernverband sorgt sich um den Mais auf den Feldern – der Regen fehlt.
Quelle: IMAGO/Andreas Franke

Für viele Landwirte ist die Anpassung an extreme Wetterlagen längst Alltag geworden. Doch die Hitzewellen können trotzdem folgenreiche Auswirkungen auf Mensch, Tier und Maschine haben.

SZ

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