Neustadt in Sachsen. Die Nachricht von der Schließung des letzten Unverpackt-Ladens in Dresden hat Sabine Krüger getroffen. „Mir tut es immer weh, wenn so ein besonderes Geschäft schließt, auch wenn es wohl aus gesundheitlichen Gründen war“, sagt sie. Ihr Geschäft „Naturraum Unverpackt“ in Neustadt in Sachsen betreibt sie seit Januar 2022.
Bevor sie es eröffnet hatte, war sie viel in anderen Geschäften in Sachsen und Thüringen unterwegs, um sich diese anzuschauen und mit den Inhabern ins Gespräch zu kommen. Die gelernte Sozialpädagogin und Musiktherapeutin wollte keine Fehler machen und dazu lernen.
Inzwischen weiß sie, dass vieles über Mundpropaganda funktioniert. „Es ist schön zu sehen, dass so ein Angebot angenommen wird. Bei uns zählt eben noch die persönliche Empfehlung und es ist gut, dass die Kunden das auch so machen“, freut sie sich.
Stammkunden schätzen die kurzen Wege
Inzwischen hat sie viele Stammbesucher. Sie denkt, dass das auch daran liegt, weil sie Wert auf kurze Wege legt. Ihre Waren sind regional und saisonal.
Viele Produkte holt sie selbst ab. So zum Beispiel Joghurt, Quark und Brot vom Biohof Steinert in Cunnersdorf. Den Ziegenkäse holt sie aus Lauterbach. So lernt sie auch neue Angebote kennen, wie zum Beispiel die aus dem Bauerngarten in Lauterbach, was ihr eine Kundin vermittelt hat.
Manche Kunden glauben, dass es im Unverpackt-Laden billiger sein müsste. – Sabine Krüger, Inhaberin
Um auf dem Laufenden zu sein, ist sie auch Mitglied im Unverpackt-Verband. Und dort wird gerade auch darüber diskutiert, dass es noch immer Irrtümer gibt. „Manche Kunden glauben, dass es im Unverpackt-Laden billiger sein müsste. Weil wir eben an den Verpackungen sparen. Aber das stimmt nicht“, sagt sie. Sie weiß das aus Erfahrung.
Sortiment wurde erweitert
Die Anschaffungskosten, um so einen Laden einzurichten, seien viel höher. Außerdem sei es mehr Aufwand. Da wären zum Beispiel die Behälter für die losen Lebensmittel. Die seien nicht nur teuer, sie müssen auch nach strengen Vorgaben gereinigt und wieder neu bestückt werden. Und auch das Obst und Gemüse will immer gut versorgt werden, damit es den Kunden anspricht.

Quelle: Steffen Unger
Ihr Sortiment hat sie inzwischen erweitert. Meist reagiere sie damit auf Kundenwünsche. So hat sie jetzt Kaffee im Angebot. Abgepackt. So mancher Kunde staune darüber. Auch sie habe sich einige Zeit damit schwergetan. „Aber Kaffee muss generell verpackt verkauft werden, sonst leidet die Qualität“, sagt sie. Ihren Kaffee bekommt sie aus der Kaffeerösterei im Museumshof Ebersbach.
16.000 Plastikbehälter gespart
Zudem bietet sie einen besonderen Service an. Die Kunden können bei ihr vorbestellen. Sie packt dann alles zusammen und die Kunden müssen nur noch alles abholen. Und darin sieht sie einen weiteren Grund, weshalb das Angebot in Neustadt gern angenommen werde. „Die Kunden ersparen sich lange Wartezeiten beim Direktvermarkter“, sagt sie. Bei ihr bekommen sie alles kompakt und das würden die Kunden schätzen.

Quelle: Steffen Unger
Das gute sei auch, dass die Produkte vom Biohof Steinert und vom Ziegenhof in Lauterbach bereits in wiederverwendbaren Gläsern verpackt sind. So habe sie bereits über 16.000 Plastikbehälter eingespart, hat Sabine Krüger durchgerechnet.
Mittlerweile weiß sie, was ihre Kunden wollen. So habe es immer wieder Nachfragen nach zuckerfreien Sachen gegeben. Deshalb hat sie Schokolade, mit Datteln gesüßt, aufgenommen. Auch der selbst gebackene Kuchen ist vegan und zuckerfrei – bei ihren Kunden der Renner. Ebenso die frischen Aufstriche aus eigener Herstellung.
Ideen hat sie noch viele, auch das Sortiment betreffend. Es müsse aber alles machbar bleiben, weiß sie. Deshalb freue sie sich umso mehr, dass sie von Karin und Kerstin, zwei Ehrenamtlichen, Hilfe bekommt und natürlich auch von ihrem Mann Michael.
SZ


