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Glaswerk-Schließung in Bernsdorf: Gibt es Alternativen?

Das Ringen um die Zukunft des Bernsdorfer Werkes gerät zur Hängepartie. Die Gewerkschaft IGBCE übt heftige Kritik an O-I Glasspack und beklagt Blockadegeist.

Lesedauer: 2 Minuten

Mit einer Mahnwache, die am 13. Oktober stattfand, kämpften die Bernsdorfer Glaswerker um den Erhalt ihres Betriebes und ihrer Jobs. Quelle: Ralf Grunert

Ralf Grunert

Bernsdorf. Ende September sind die rund 100 bei O-I Glasspack in Bernsdorf beschäftigten Glaswerker darüber informiert worden, dass die Produktion eingestellt und ihr Betrieb geschlossen wird. Im Oktober fand eine von der Gewerkschaft IGBCE und dem Betriebsrat initiierte Mahnwache am Betrieb statt, mit der die Beschäftigten gegen den Verlust ihrer Jobs protestierten. Bis heute ist allerdings kein Termin für die Werksschließung öffentlich bekannt geworden. Auch gibt es nach aktuellem Kenntnisstand des Bernsdorfer Bürgermeisters Harry Habel noch keine Kündigungen.

Unmittelbar nach der Mahnwache wurden Gespräche aufgenommen, an denen die Werksleitung, der Betriebsrat und die IGBCE beteiligt waren und nach wie vor sind. Jetzt meldet sich die Gewerkschaft zu Wort und zeigt sich schwer enttäuscht über das Verhalten der Unternehmensleitung von O-I im laufenden Verfahren zur Zukunft des Werkes Bernsdorf. „Obwohl der Betriebsrat dem Unternehmen Vorschläge zur Suche nach Alternativen zur Schließung vorgelegt hat, lehnt der Arbeitgeber jede verbindliche Vereinbarung über den Prozess ab“, heißt es in einer Mitteilung.

Der Betriebsrat weiß, dass es ernsthafte Interessenten gibt, die sich in der Region und für die Belegschaft engagieren würden. – Vivian Madeja, Gewerkschaftssekretärin im IGBCE-Bezirk Lausitz

Die IGBCE verweist auf ein Schreiben des Betriebsrats vom 2. Dezember. „Darin sollte unter anderem klar und transparent geregelt werden, wie Informationen an potenzielle Investoren weitergegeben werden, wie Werksbegehungen ermöglicht werden und wie technische Daten oder Fotodokumentationen genutzt werden dürfen. All dies wurde vom Konzern O-I verweigert.“

Konkret gehe es laut Gewerkschaft um die Frage, ob der Betriebsrat relevante Informationen eigenständig verwenden kann, um mit potenziellen Partnern und Interessenten zu sprechen und damit seinem Recht, Alternativen zu entwickeln, ordnungsgemäß nachkommen kann. „Der Betriebsrat weiß, dass es ernsthafte Interessenten gibt, die sich in der Region und für die Belegschaft engagieren würden.“

Lässt O-I Glasspack keine Alternativen zu?

Vivian Madeja, Gewerkschaftssekretärin im IGBCE-Bezirk Lausitz, kritisiert: „Der Arbeitgeber hat die Wanne abgelassen, aber lässt nun nicht zu, dass wir Alternativen prüfen. Das ist verantwortungslos und purer Blockadegeist. O-I lässt die Beschäftigten sehenden Auges in die Perspektivlosigkeit laufen.“

Der Betriebsrat, so heißt es in der IGBCE-Mitteilung weiter, hatte in seinem Schreiben ausführlich erklärt, dass ohne konkrete Regelungen zum Investorenprozess Missverständnisse und Konflikte fast sicher vorprogrammiert sind. Die Gewerkschaft bewertet die Weigerung des Arbeitgebers als Schlag ins Gesicht für Belegschaft und die Region. „Offenbar will O-I überhaupt nichts tun, was den Beschäftigten helfen könnte – nicht einmal die Prüfung von Alternativen zur Schließung“, erklärt Reni Richter, Bezirksleiterin der IGBCE Lausitz. „Wer so handelt, hat jedes Recht verwirkt, sich als verantwortungsvoller Arbeitgeber darzustellen.“

Die IGBCE fordert das Unternehmen auf, seine Blockadehaltung für Perspektiven aufzugeben und dem Betriebsrat volle Handlungsfreiheit bei der Entwicklung von Alternativen einzuräumen und nicht nur über Abwicklung zu sprechen.

Eine angefragte Stellungnahme war von O-I bis zum Redaktionsschluss nicht zu haben.

SZ

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