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„Werke laufen auf Hochtouren“: Škoda trotzt der Krise bei Volkswagen

Während bei der deutschen Mutter VW Alarmstimmung herrscht, geht es bei der tschechischen Tochter Škoda stetig bergauf. Zulieferer für den deutschen Markt spüren dagegen schon die Krise. Eine Analyse.

Lesedauer: 3 Minuten

Blick in eine noch recht neue Produktionshalle für Batteriesysteme von Škoda in Mladá Boleslav: Der Autobauer hat dort 205 Millionen Euro investiert. Quelle: Radek Petrášek/CTK/dpa

Von Hans-Jörg Schmidt

Mladá Boleslav. Als lebten da zwei in einer völlig anderen Welt: Bei Volkswagen in Deutschland macht sich Panikstimmung breit. Die tschechische VW-Tochter Škoda dagegen ist auf Wachstumskurs. Das Unternehmen hat seinen weltweiten Absatz nach eigenen Angaben in der ersten Hälfte dieses Jahres um 9,1 Prozent gesteigert. Im Vergleich dazu hat der komplette Volkswagenkonzern einen Absatzrückgang von 6,3 Prozent hinnehmen müssen.

Derzeit gibt es deswegen Überlegungen zu einem Abbau von um die 100.000 Stellen. In Deutschland ist von Werksschließungen die Rede. Volkswagenchef Oliver Blume sprach kürzlich von 50.000 weiteren Jobs, die zum bereits geplanten Stellenabbau hinzukommen könnten. Auch wenn es „intelligentere Lösungen“ gebe, wie er dieser Tage in einer großen Boulevardzeitung einräumte.

Škoda überholt BMW, Mercedes und Audi

Und Škoda? Die Marke verzeichnete in diesem Jahr das stärkste Wachstum auf dem deutschen Markt und gewann dort Marktanteile auf Kosten prestigeträchtiger einheimischer Automobilhersteller hinzu: Škoda überholte BMW, Mercedes und Audi. VW war in den ersten fünf Monaten mit 222.000 verkauften Fahrzeugen zwar weiter klarer Marktführer im eigenen Land. Aber Škoda kletterte von 88.000 Autos im Vorjahreszeitraum auf jetzt 103.000 Fahrzeuge.

Schwieriger ist die Lage außerhalb Deutschlands für Škoda. Der chinesische Markt wurde aufgegeben. Der Absatz war zuletzt zu gering. Stattdessen will man aber nun verstärkt in Indien und Südostasien agieren, schrieb das Internetportal Seznam Zprávy.

Während Beschäftigte bei VW in Deutschland, hier Zwickau, für den Erhalt ihrer Jobs kämpfen, ist die Lage in Tschechien recht entspannt.
Während Beschäftigte bei VW in Deutschland, hier Zwickau, für den Erhalt ihrer Jobs kämpfen, ist die Lage in Tschechien recht entspannt.
Quelle: Jan Woitas/dpa

Was sind die Gründe für die gegenteilige Entwicklung in Wolfsburg und im mittelböhmischen Mladá Boleslav (Jungbunzlau)? Eine überaus wichtige Ursache für die Probleme namentlich der deutschen VW-Werke sehen Fachleute bei den Produktionskosten.

Die sind in Tschechien sehr viel geringer. Auch wenn die Beschäftigten bei Škoda längst auch nicht mehr nur für „nass“ arbeiten: Die Kollegen in Deutschland haben völlig andere Zahlen auf ihren Lohnstreifen, die den Tschechen als nahezu utopisch erscheinen müssen.

Höhere Energie- und Materialkosten

„Die Kosten steigen in Deutschland aber auch bei Energie und beim Material – und das, obwohl die Umsätze stagnieren“, gibt Miroslav Dvořák, Mitinhaber des tschechischen Auto-Zulieferers Motor Jikov, zu bedenken. Das sei eine Mischung, die auf Dauer nicht funktionieren könne.

Solange die Verhältnisse in Deutschland und Tschechien so unterschiedlich sind, macht man sich bei Škoda keine Gedanken. Vorstandsmitglied Martin Jahn sagte dieser Tage in einem Interview der Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny: „Alle unsere Produktionswerke laufen auf Hochtouren. Wir erzielen gute Gewinne. Wir erwarten keine Entlassungen, und es gibt auch keinen Grund dafür. Die gesamte Produktion, sowohl von Autos als auch von Teilen, ist profitabel und wirtschaftlich. Daher wird so etwas nicht in Erwägung gezogen. Wir sind die Nummer zwei in Europa und haben gerade zwei neue Modelle auf den Markt gebracht. Wir blicken optimistisch in die Zukunft.“

Sorge vor möglicher Produktionsverlagerung

Die Frage ist dennoch, wie lange Škoda seine Effizienz noch beibehalten kann und inwieweit die Probleme des Mutterkonzerns auf die Tschechen durchschlagen werden.

Ob man die erwirtschafteten Milliarden womöglich an den Mutterkonzern zahlen und damit die Entlassungen deutscher Mitarbeiter mitfinanzieren muss, anstatt das Geld in die Entwicklung im eigenen Haus investieren zu können.

Die Schwäche der Autoindustrie zwingt Zulieferer, nach Alternativen zu suchen. (Symbolbild)
Die Schwäche der Autoindustrie zwingt Zulieferer, nach Alternativen zu suchen. (Symbolbild)
Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Die Gewerkschafter von Škoda, angeführt von ihrem Vorsitzenden Jaroslav Povšík, äußern immer mal die Sorge, Volkswagen könnte die Produktion einiger Premiummodelle aus Mittelböhmen in seine nur halb ausgelasteten Werke in Deutschland verlagern. Ähnliche Gerüchte gab es im Volkswagenwerk im slowakischen Bratislava (Pressburg).

Dort hieß es, die Produktion des Flaggschiffs – Porsche Cayenne – könnte nach Leipzig verlegt werden, was sich aber nicht bewahrheitet hat. Doch die Zeitung Pravda warnte: „Wenn wir weiterhin nur auf Autos setzen (schließlich produzieren wir zusammen mit Tschechien die meisten Autos pro Kopf), dann droht uns eine Katastrophe. Es ist fünf vor zwölf.“

Während Škoda der Krise bei VW offenbar trotzen kann, sieht es bei Autozulieferbetrieben in Tschechien anders aus. Wegen der Produktionseinschränkungen bei VW seien deren Aufträge in den vergangenen Monaten bereits um mehrere Dutzend Prozent eingebrochen, berichtete Radio Prag. Mehr als 200 in Tschechien angesiedelte Unternehmen beliefern den Volkswagen-Konzern, inklusive Škoda Auto. Die Škoda-Zulieferer sind zufrieden. Andere bereiten sich darauf vor, lieber mit den massiv angreifenden Chinesen zusammenzuarbeiten: „Dort liegt die Zukunft.“ (mit ihg)

SZ

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