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Vom Autoschlosser zum Umgebindehaus-Experten: Arnd Matthes geht in den Ruhestand

Arnd Matthes berät bei der Stiftung Umgebindehaus in Neugersdorf Hausbesitzer bei der Sanierung. Bei rund 2000 der historischen Gebäude hat er mitgeholfen, sie vor dem Verfall zu retten. Trotz Rente wird er in der Oberlausitz weiter mit Rat und Tipps unterwegs sein – und dazu künftig Jugendliche ausbilden.

Lesedauer: 4 Minuten

Arnd Matthes – hier an einem Haus in Obercunnersdorf – leitete viele Jahre lang die Geschäftsstelle der Stiftung Umgebindehaus und war Ansprechpartner für viele Haussanierer. Quelle: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Von Romy Altmann-Kühr

Oberlausitz. Wenn er durch die Straßen von Obercunnersdorf schlendert, geht Arnd Matthes das Herz auf. Ein Umgebindehaus steht am anderen, zum allergrößten Teil sind sie fachkundig saniert und liebevoll gepflegt. Ein wunderschönes Ensemble historischer Baukultur und dennoch kein Freiluftmuseum. Sondern ein Dorf, in dem Menschen in den historischen Häusern leben und arbeiten – so wie es vor Jahrhunderten in der Oberlausitz schon war.

Oft ist Matthes in den vergangenen Jahren in dem Dorf am Kottmar und in anderen Orten in der Gegend gewesen. Als Denkmalpfleger ist er DER Ansprechpartner, wenn es ums Thema Umgebindehaus geht. Und seit ihrer Gründung 2012 leitete er die Geschäftsstelle der Stiftung Umgebindehaus, die ihren Sitz in Neugersdorf hat – in einem großen Umgebindehaus natürlich. Ende Juni ist Matthes in den Ruhestand gegangen. Die alten Oberlausitzer Häuser werden ihn trotzdem nicht ganz loslassen.

Arnd Matthes am Hugenottenhaus in Ebersbach – das Haus erhielt auch dank seines Engagements den Deutschen Fachwerkpreis (Archivfoto).
Arnd Matthes am Hugenottenhaus in Ebersbach – das Haus erhielt auch dank seines Engagements den Deutschen Fachwerkpreis (Archivfoto).
Quelle: Wolfgang Wittchen

Ortschronist und Ahnenforscher

Matthes stammt aus Kleindehsa bei Löbau, ist dort aufgewachsen – und hatte in seinem ursprünglichen Beruf mit historischen Gebäuden so rein gar nichts zu tun. Er lernte Autoschlosser. Und doch: Altes faszinierte ihn schon immer. Seit 1978 ist er Ortschronist in seinem Heimatdorf Kleindehsa, führt die Chronik bis heute fort. Und auch für Ahnenforschung interessiert er sich, bereist dafür sogar andere Länder.

Schon vor der Wende kaufte Arnd Matthes sein erstes Umgebindehaus und werkelte daran. „Ich wollte unbedingt ein altes Haus haben.“ Dann ging es aber erst einmal in den „Westen“ – wie viele Menschen verschlug es ihn nach dem politischen und wirtschaftlichen Umbruch beruflich in die alten Bundesländer. Matthes arbeitete in Hessen, in der Metallbranche. „Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, wie schön die Oberlausitz eigentlich ist.“ Hessen habe zwar auch sehr schöne Landstriche, aber er vermisste die Heimat und wollte wieder zurückkehren.

Als Quereinsteiger zum Denkmalschutz gekommen

Das tat er dann und kam als Quereinsteiger über eine ABM-Stelle zum Denkmalschutz. Später wurde er übernommen und war in der Unteren Denkmalschutzbehörde tätig. Er bildete sich weiter, studierte, belegte Restauratoren-Lehrgänge und ließ sich als Baugutachter schulen. Er wurde Umgebindehausbeauftragter beim Denkmalamt und mit der Gründung der Stiftung Umgebindehaus der Leiter deren Geschäftsstelle.

Man kann nicht alle Häuser retten. Es gibt auch welche, wo es aussichtslos ist. Da muss man realistisch sein. – Arnd Matthes, Denkmalpfleger

Als solcher ist er Berater für alle möglichen Fragen rund um Umgebindehäuser und deren Sanierung. Er berät Bauherren, wie sie Fördermittel beantragen können, und ist Bauberater. Er vermittelt zwischen Denkmalschutzbehörde und Bauherren, aber auch Handwerkern und Häuselbauern – Aufgaben, die oft viel Fingerspitzengefühl erfordern.

Tag des offenen Umgebindehauses initiert

Mehr als 2000 Objekte hat er über die Jahre begleitet. Vieles brachte er in Sachen Umgebindehäuser mit voran, etwa die Kooperation mit der Deutschen Fachwerkstraße. Die Umgebindehaus-Landschaft ist offizieller Teil der Themen-Straße. Er holte den Deutschen Fachwerkpreis in die Oberlausitz – mit dem Hugenottenhaus in Ebersbach und dessen Besitzer. Es ist eines der ältesten Umgebindehäuser überhaupt.

Und Matthes initiierte den Tag des offenen Umgebindehauses mit, der seit vielen Jahren immer im Frühjahr tausende Menschen anzieht. „Das Ziel ist, die Leute aufmerksam zu machen, auf das, was wir hier haben.“ Und ihnen Mut zu machen, solch ein altes Haus zu kaufen und zu bewohnen. Man könne in so einem alten Haus vieles individueller umsetzen als im Neubau, wirbt er für die historischen Häuser. „Man kann vieles selbst machen. Das spart bei den Finanzen, und man wächst ganz anders mit so einem Haus zusammen.“

Wohnen im Umgebindehaus von 1661

Wie schön und urig es sein kann, in einem historischen Gebäude zu leben, weiß Matthes selbst am besten. Inzwischen lebt er wieder in einem alten Haus – natürlich einem Umgebindehaus. Das steht im Kubschützer Ortsteil Waditz und zählt zu den ältesten Wohnhäusern im Landkreis Bautzen, wurde 1661 errichtet.

Dass es eigentlich ein Umgebindehaus ist, war gar nicht zu erkennen, als Matthes es kaufte. Die komplette Fassade war grau verputzt. Doch der Blick des Experten erkannte sofort, dass sich dahinter altes Fachwerk und eine Blockstube verbargen. Jetzt ist es nach jahrelanger Arbeit mit viel Liebe zum Detail ein gemütliches Zuhause mit viel Holz, Lehm und anderen Naturbaustoffen geworden. „Ich habe alles so gemacht, wie ich es gern haben wollte.“

Immer mehr junge Familien interessieren sich dafür

So wie er selbst ein Haus rettete, half er auch zahlreichen anderen Umgebindehaus-Fans dabei. Mit Rat und Expertise, aber auch mit ganz praktischen Tipps und ohne Furcht, sich schmutzig zu machen. Da greift Matthes auch schon mal selbst in den Eimer mit Lehm und Wasser und zeigt Bauherren, wie man Lehmputz verschmiert. „Das macht man tatsächlich am besten mit den Händen.“

Vielen Häuselbauern hat er so geholfen auf dem Weg zum Traum vom eigenen kleinen Haus – und dabei eine Vielzahl an Umgebindehäusern gerettet. Auch immer mehr junge Familien interessieren sich dafür, freut sich der Umgebindehaus-Experte. Ein weiterer Trend, den Matthes feststellt: Auswärtige kommen in die Oberlausitz und sanieren Umgebindehäuser – oft als Ferienhaus für sich und die Familie.

Der Hof von Arnd Matthes in Waditz stammt aus dem Baujahr 1661.
Der Hof von Arnd Matthes in Waditz stammt aus dem Baujahr 1661.
Quelle: A. Matthes

Reisen und Arbeit mit Jugendlichen

Und dennoch: Man kann nicht alle Häuser retten, sagt er ganz klar. „Es gibt auch welche, wo es aussichtslos ist. Da muss man realistisch sein.“ Entlang der Hauptstraße in Ebersbach oder Eibau gebe es solche Fälle, nennt er als Beispiele. „Da ist die Lage einfach extrem ungünstig.“

Mit dem 30. Juni ist der 63-Jährige nun in den Ruhestand gegangen, hat sein Büro im Neugersdorfer Stammhaus bei der Stiftung Umgebindehaus ausgeräumt. Trotzdem wird er hin und wieder hier sein. „Wenn mein Rat gebraucht wird, bin ich da“, sagt er. Im Landkreis Bautzen wird er auch in Zukunft ehrenamtlich als Denkmalpfleger aktiv sein. „Da vermittle ich auch, wenn irgendwo die Wogen geglättet werden müssen, oder ich versuche, Lösungen zu finden, wenn jemand beim Bauen nicht weiter weiß.“

Zudem hat er sich für den Ruhestand ein besonderes Projekt vorgenommen: Er wird Bufdi und plant in seiner Heimatgemeinde Kleindehsa/Lawalde ein Projekt mit Jugendlichen, denen er ökologische Baustoffe nahebringen will.

Und dann steht noch Reisen auf dem Programm – natürlich zu Fachwerkhäusern. „In anderen Ländern ist noch viel zu entdecken, und vor allem in Frankreich gibt es schöne Fachwerkhäuser.“

SZ

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