Suche
Suche

Darum schließt Fliesen-Profi in Zittau

Inhaber Hendrik Lucas nennt die Gründe – und die haben nur bedingt mit der Stadt im Dreiländereck zu tun. Er sagt auch, was aus der Halle werden soll.

Lesedauer: 2 Minuten

Fliesen-Profi schließt seinen Standort in Zittau. Quelle: Paul Glaser/glaserfotografie.de

Von Frank Thümmler

Zittau. Wer noch ein Fliesen-Schnäppchen bei Fliesen-Profi in Zittau machen will, hat nur bis zum 31. August Zeit. An diesem Tag wird der Fliesenmarkt an der Hörnitzer Straße zum letzten Mal geöffnet sein. Das bestätigt Inhaber und Geschäftsführer Hendrik Lucas. Am 1. September soll alles besenrein sein. „Waren umlagern wollen wir nicht. Also werden unsere drei Mitarbeiter möglichst alles verkaufen, auch mit großen Rabatten.“

Dass sich sein Unternehmen mit Sitz in Radebeul und der Hauptfiliale in Dresden jetzt – nach rund drei Jahrzehnten – aus Zittau zurückzieht, hat handfeste Gründe. „Es gibt zwei Entwicklungen: Auch unser Geschäft verlagert sich immer mehr ins Internet. Und die nachlassende Baukonjunktur sorgt insgesamt für sinkende Umsätze. Auch die Zahl der Fliesenleger-Handwerker – wichtige und stabile Kunden seines Unternehmens – sei in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Kleinere Standorte mit vergleichbar wenig Bauaktivität lohnen sich ganz einfach nicht mehr. Die Kosten steigen und sind am Ende höher als die Rohgewinne“, erklärt Lucas.

Andere Händler wollen nicht übernehmen

Die Zeit der vielen Filialen sei seiner Meinung nach einfach vorbei – angesichts erheblich gestiegener Logistikkosten und auch Energiekosten in den Filialen. Auch Gespräche mit anderen Händlern hätten zu keinem positiven Ergebnis geführt. „Die Antwort hieß meistens: In Städten mit unter 100.000 Einwohnern machen wir nichts mehr“, sagt Lucas, der die Fliesen-Profi-Filiale in Görlitz schon vor einiger Zeit in ein reines Logistiklager umgestellt hatte.

Dauerhaft Verluste als Unternehmer einzufahren, könne und wolle er sich nicht leisten, und mit jetzt 58 Jahren spielen auch Überlegungen zur Unternehmensnachfolge eine Rolle. Seine eigenen Kinder wollen zumindest derzeit schon mal nicht, erklärt Lucas. Fliesen-Profi in Görlitz hatte der Dresdner Unternehmer schon vor einiger Zeit geschlossen, die Halle nur noch als Logistiklager genutzt. Aber auch das ist Ende Juli vorbei. Alles wird in Dresden konzentriert. Lucas hat dort eine Halle nahe der Autobahn als Logistik-Center angemietet.

Die nachlassende Baukonjunktur sorgt insgesamt für sinkende Umsätze. – Hendrik Lucas, Geschäftsführer Fliesen-Profi

So bitter der Rückzug von Fliesen-Profi für die Kunden aus dem Dreiländereck auch ist: Lucas verweist auf die Alternative Internet. Heutzutage könne man auf der Homepage des Unternehmens Fotos von dem Raum hochladen, der einen neuen Belag erhalten soll. Die KI legt ihn dann virtuell mit allen Varianten von Fliesen oder Vinylplatten aus.

Und wer den infrage kommenden Bodenbelag auch mal fühlen und in der Hand halten möchte, bekomme ein Muster zugeschickt. „Wir haben dafür einen großen Musterversand“, erklärt Lucas, der angibt, auf diese Weise zum Beispiel in Berlin mehr Umsatz zu erzielen als mit der Filiale in Zittau. Bis nach Italien, Frankreich und Dänemark gehen Fliesen-Profi-Produkte.

Inhaber will Markthalle verkaufen oder vermieten

Das Grundstück mit der Fliesenmarkt-Halle in Zittau will Lucas möglichst verkaufen, eventuell auch langfristig vermieten. „Die Halle und das Grundstück sind allerdings ziemlich groß“, sagt er.

Nur Fliesen lohne sich seiner Meinung nach nicht. „Definitiv bräuchte es dazu Vinyl und vielleicht auch Wandbeläge – oder alles verbunden mit der Handwerkerleistung“, schätzt der Dresdner Unternehmer.

Er stellt in der Landeshauptstadt inzwischen Mitarbeiter für Logistik und Datenverarbeitung ein. „Das hätte ich vor 20 Jahren in meiner Branche auch nicht gedacht, aber das Berufsbild verändert sich“, kommentiert Lucas.

SZ

Das könnte Sie auch interessieren: