Von Nora Miethke
Dresden. Für die Elbe Flugzeugwerke GmbH (EFW) ist der Flughafen Dresden nicht ein Ort, an dem Passagiere starten und landen. Er ist Teil der Produktion. Ohne ihn könnten die Wartung von Airbus-A380-Großraumflugzeugen oder die Umrüstung von Passagier- zu Frachtmaschinen nicht betrieben werden. „Für uns ist der Flughafen eine Infrastruktur, die so wichtig ist wie die Straßen für Logistikunternehmen“, sagt EFW-Geschäftsführer Jordi Boto. Fällt diese Infrastruktur weg oder wird sie eingeschränkt, steht die Zukunft des Dresdner Standorts auf dem Spiel.
Genau davor warnen Boto und Finanzgeschäftsführer Kai Mielenz nach Bekanntwerden der Pläne der Mitteldeutschen Flughafen AG (MFAG). Sie prüft derzeit verschiedene Varianten, wie die Flughäfen Dresden und Leipzig langfristig wirtschaftlich gesichert werden können. Dazu gehört nach bisher bekannten Überlegungen auch ein kleineres Terminal in Dresden, das den heutigen Passagierzahlen angepasst werden soll.

Quelle: SZ/Veit Hengst
Diese Überlegungen wurden im Juni Vertretern der Wirtschaft vorgestellt. Die beiden EFW-Chefs konnten aus Termingründen an dem Treffen nicht teilnehmen.
Sie erhielten aus dem Teilnehmerkreis die Präsentation und erfuhren so, dass der Neubau genau auf jener Fläche entstehen soll, wo heute die einzigen Parkpositionen für die A380-Flugzeuge liegen. Offiziell vorgestellt wurde das Konzept den EFW bis heute nicht.
EFW erfuhr aus zweiter Hand von Terminalplänen
„Als der größte industrielle Anrainer am Flughafen Dresden hätten wir es schon gut gefunden, wenn man uns beim Erarbeiten des Konzepts zumindest gefragt hätte, ob das neue Terminal unser Geschäft beeinflussen könnte“, so EFW-Arbeitsdirektor Kai Mielenz. Sollte das Konzept so umgesetzt werden, hätte das gravierende Folgen. „Wir könnten unseren Kunden mittelfristig weniger oder fast keine Parkpositionen mehr für den A380 zur Verfügung stellen“, fährt er fort.
Dabei geht es nicht um theoretische Flächenreserven. Die Stellplätze sind für den täglichen Betrieb unverzichtbar. Seit März dieses Jahres können zwei Großflugzeuge parallel gewartet werden. Damit sind rund 100 Mitarbeitende pro Flugzeug acht bis zehn Wochen beschäftigt.
Unsere Aufgabe als Geschäftsführer wäre es dann, Ausweichstandorte zu finden. Das Geschäft würden wir nicht verlieren, aber es wäre nicht mehr hier in Dresden. – Kai Mielenz, EFW-Finanzgeschäftsführer
Maschinen müssen teilweise mehrere Tage auf dem Vorfeld abgestellt werden – etwa, wenn Ersatzteile fehlen oder Kunden Flugzeuge früher anliefern als geplant. Fehlen diese Flächen künftig, könnten die Abläufe nicht mehr funktionieren. „Unsere Aufgabe als Geschäftsführer wäre es dann, Ausweichstandorte zu finden. Das Geschäft würden wir nicht verlieren, aber es wäre nicht mehr hier in Dresden“, so Mielenz.
Hintergrund: Die EFW haben ein weltweites Netzwerk von Umrüstungsstandorten in China, Singapur, der Türkei und den USA. Aber die 2000 Beschäftigten sind in Dresden und weitere 300 bei der Tochterfirma Acosa in Kodersdorf. Mit 30 bis 35 Millionen Euro im Jahr ist das Unternehmen einer der größten Steuerzahler in der Landeshauptstadt.
A380-Wartung trägt Dresdner Standort
Für die Flugzeugwerke steht nicht nur ein einzelnes Geschäftsfeld auf dem Spiel. Das frühere Kerngeschäft, die Umrüstung von Airbus-Passagiermaschinen zu Frachtern, ist wegen fehlender verfügbarer Flugzeuge derzeit nahezu zum Erliegen gekommen.
Erst 2028/2029 rechnen die Manager wieder mit einer deutlichen Belebung. Bis dahin trägt vor allem die Wartung großer Flugzeuge den Standort. „Für den zivilen Teil ist das im Moment die einzige Zukunft in dieser Größenordnung“, sagt Mielenz.

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Rund 200 bis 250 Arbeitsplätze hängen direkt an der A380-Wartung. Weltweit gebe es nur vier Unternehmen, die diese Arbeiten durchführen könnten. EFW sei der einzige Anbieter in Europa, heißt es.
Um den Standort langfristig zu sichern, will EFW in den nächsten vier Jahren einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren – in die Wartungsinfrastruktur und neue Zugangstechnik, aber vor allem in Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramme. Mehr als 90 Auszubildende sollen auch künftig hier ausgebildet werden.
EFW-Eigentümer warten auf Investitionsplan
Doch bevor dieses Geld fließt, benötigen die Geschäftsführer Klarheit. Im September möchten sie ihren Eigentümern in Singapur die Investitionsplanung vorlegen. Die EFW gehören zu 55 Prozent dem singapurischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern ST Engineering und zu 45 Prozent dem europäischen Flugzeugbauer Airbus.
Boto macht deutlich, dass der Flughafen für die Eigentümer von EFW ein entscheidender Standortfaktor ist. Würden große Flugzeuge in Dresden künftig nicht mehr zuverlässig gewartet werden können oder werde die Infrastruktur zu unsicher, stelle sich zwangsläufig die Frage, warum neue Investitionen ausgerechnet in Sachsen erfolgen sollten und nicht in China oder der Türkei. Zumal die Kunden auch nicht aus Europa kommen.

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Gerade, weil die Produktion in Deutschland durch hohe Energie- und Lohnkosten teurer sei als anderswo, müsse der Standort mit Verlässlichkeit punkten. „Wir wollen dieses Geschäftsfeld in Europa aufrechterhalten – auch, weil wir eine Verpflichtung für 2000 Familien haben. Dafür ist es wichtig, dass wir einen zuverlässigen und finanziell stabilen Partner mit dem Flughafen haben“, stellt Jordi Boto klar.
Deshalb fordern beide Geschäftsführer verbindliche Zusagen von der Mitteldeutschen Flughafen AG und der Politik. Die MFAG müsse offenlegen, wie die Entwicklung der nächsten fünf bis zehn Jahre aussehen solle. Und es brauche die Sicherheit, dass der Flughafen dauerhaft finanziell tragfähig aufgestellt werde.
Welche Strategie hat der Flughafen? Boto ratlos
Angesichts des politischen Tauziehens um die Finanzhilfe des Freistaats in Höhe von neun Millionen Euro für den Flughafen Dresden sei er „mehr als überrascht“, dass nun über einen Neubau für 50 bis 60 Millionen Euro nachgedacht werde.
„Wir versuchen zu verstehen, welche mittel- und langfristige Strategie der Flughafen verfolgt. Uns ist das bislang nicht gelungen“, so Boto.
Ebenso kritisch sehen die Manager eine mögliche Privatisierung des Flughafens, die ausgerechnet der Dresdner IHK-Präsident Andreas Sperl Ende letzten Jahres ins Spiel gebracht hatte und damit die Eigentümer in Singapur aufschreckte. Sperl leitete lange die Elbe Flugzeugwerke. Ein privater Investor würde über eine Infrastruktur verfügen, auf die die EFW zwingend angewiesen sei. Wettbewerb gebe es nicht. „Wir wären einer monopolistischen Situation ausgesetzt“, warnt Boto. Ein Investor würde naturgemäß versuchen, seine Rendite zu maximieren. Erfahrungen anderer Privatisierungen zeigten, dass industrielle Nutzer deshalb Standorte verlagert hätten.
MFAG zu Plänen: „Keine Entscheidung für Neubau“
Nachgefragt bei der MFAG, ob sie die Geschäftsaktivitäten der EFW in ihren Überlegungen berücksichtigt und dazu im Dialog mit dem Unternehmen steht, heißt es, dass der Belegschaft eine Konzeptstudie vorgestellt wurde. „Darin enthalten ist jedoch keine Entscheidung für einen Terminalneubau oder andere konkrete Infrastrukturmaßnahmen“, so der MFG-Sprecher.
Der Vorstand habe Zielbilder und mögliche Entwicklungsrichtungen vorgestellt, die jetzt geprüft, validiert und konkretisiert werden sollen. Die beiden Geschäftsführer hoffen auf eine gemeinsame Lösung. Viel Zeit bleibt dafür nicht.
Spätestens bis zur Gesellschafterversammlung im September müssen Boto und Mielenz ihren Eigentümern erklären können, ob Dresden langfristig die Voraussetzungen für weitere Investitionen bietet oder zentrale Teile des Geschäfts künftig an andere Standorte verlagert werden müssen.
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