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Alstom investiert weiter: „Wollen und werden hier Züge montieren, testen und bauen – heute und in Zukunft“

2025 investierte Alstom an seinem sächsischen Standort rund 12 Millionen Euro in Infrastruktur, Produktionslinien und Logistikflächen. Für 2026 sind weitere 8,5 Millionen Euro vorgesehen, unter anderem für Hallen, Büros und einen Werksbahnhof für die Waggonbauer.

Lesedauer: 5 Minuten

Einweihung mit Straßenbahn: Die Magdeburger Bestellung durfte zusammen mit der Göteborger Variante in die neue Fertigungshalle im Alstom-Werk fahren. Das Motto heißt: „Mehr Platz für Bahnen aus Bautzen“. Quelle: IMAGO/Steffen Unger

Miriam Schönbach

Bautzen. Applaus für die Bautzener Waggonbauer: Sieben Monate Bauzeit, 1300 Tonnen Beton, 20 Tonnen Stahl – und der Betrieb läuft weiter. Mit Investitionen von insgesamt 33 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren treibt der Schienenfahrzeugbauer Alstom den Ausbau seines Standorts Bautzen konsequent voran. Jüngster sichtbarer Schritt ist die Erweiterung einer zentralen Fertigungshalle, die am 28. Januar offiziell eingeweiht wurde. „Der Standort Bautzen blickt auf 180 Jahre Tradition zurück – und ist trotzdem einer der modernsten Standorte des Unternehmens in Deutschland“, sagte Standortleiterin Beata Krehel bei der Übergabe der Halle.

Kern der Maßnahme war die Verlängerung der Gleisanlagen von bislang 45 auf nun 100 Meter. Dadurch können künftig mehr Fahrzeuge parallel gefertigt, abgenommen und für die Auslieferung vorbereitet werden. „Die Erweiterung bringt einen spürbaren Leistungsschub für unsere Endfertigung“, betonte Krehel. Allein rund eine Million Euro wurde in die neue Halle investiert, um die Produktionskapazitäten zu erweitern.

Beata Krehel, Standortleiterin von Alstom in Bautzen, sagte bei der Einweihung der neuen Fertigungshalle: „Die Verlängerung der Halle gibt uns eine deutlich höhere Wettbewerbsfähigkeit und macht uns flexibler und effizienter.“
Beata Krehel, Standortleiterin von Alstom in Bautzen, sagte bei der Einweihung der neuen Fertigungshalle: „Die Verlängerung der Halle gibt uns eine deutlich höhere Wettbewerbsfähigkeit und macht uns flexibler und effizienter.“
Quelle: IMAGO/Steffen Unger

Mehr Fahrzeuge, mehr Flexibilität, mehr Effizienz

Bei der Einweihung würdigte auch Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) die Leistung am Standort. „Was wir hier heute erleben, ist ein Beispiel dafür, was Staat, Wirtschaft und Belegschaft gemeinsam leisten können, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagte er und betonte die Bedeutung des Werks für wettbewerbsfähige Industrie und gute Arbeitsplätze – insbesondere im ländlichen Raum.

Der Effekt der erweiterten Halle ist erheblich: Bei den Straßenbahnen steigt die Kapazität in der finalen Prozessstufe um bis zu 60 Fahrzeuge pro Jahr. „Die Verlängerung gibt uns eine deutlich höhere Wettbewerbsfähigkeit und macht uns flexibler und effizienter“, so Krehel. Besonders wichtig sei dies mit Blick auf kommende Projekte – etwa die Fertigung von bis zu 90 S-Bahnen für das Rheinland ab 2027.

Tim Dawidowsky, Deutschland-Chef von Alstom, bekennt sich klar zum Standort Bautzen: „Wir wollen und wir werden hier Züge montieren, testen und bauen – heute und in Zukunft.“
Tim Dawidowsky, Deutschland-Chef von Alstom, bekennt sich klar zum Standort Bautzen: „Wir wollen und wir werden hier Züge montieren, testen und bauen – heute und in Zukunft.“
Quelle: IMAGO/Steffen Unger

Wachstum bei Beschäftigten – starkes Signal für die Region

Parallel zu den Investitionen hat sich auch die Belegschaft deutlich vergrößert: von rund 1000 auf etwa 1500 Mitarbeitende. „Allein 2025 haben wir rund 500 neue Mitarbeitende eingestellt – das ist ein starkes Signal für die Region“, sagte Krehel. Bei der Einweihung richtete sie sich direkt an die Belegschaft: „Es ist euer Einsatz. Der macht den Standort stark. Diese Halle, dieser Fortschritt und diese Perspektive sind euer Erfolg.“ Dafür gab es Applaus, genauso wie für die beiden einfahrenden Straßenbahnen für Göteborg und Magdeburg in der neuen Fertigung.

Es ist euer Einsatz. Der macht den Standort stark. Diese Halle, dieser Fortschritt und diese Perspektive sind euer Erfolg. – Beata Krehel, Standort-Leiterin des Alstom-Werks Bautzen

Auch konzernseitig ist der Standort klar gesetzt. Tim Dawidowsky, seit Oktober 2024 Präsident der neu gebildeten DACH‑&‑Nordics‑Region bei Alstom (Deutschland, Österreich, Schweiz und die nordischen Länder), betonte: „Wir wollen und wir werden hier in Bautzen Züge montieren, testen und bauen – heute und in Zukunft.“

Bautzen hält Deutschland in Bewegung

Deutschland ist mit einem Marktvolumen von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr der größte Bahnmarkt Europas. „Deshalb braucht es Wertschöpfung vor Ort“, so Dawidowsky. Alstom arbeitet hierzulande mit rund 250 Kunden, darunter 70 Verkehrsunternehmen – auch aus der Region, etwa mit den Dresdner Verkehrsbetrieben oder mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen. „Der Milliardenauftrag für die S-Bahn Rheinland wird hier in Bautzen umgesetzt. Darauf können Sie stolz sein“, sagte Dawidowsky.

Mehr als 60 Prozent der auf deutschen Schienen fahrenden Fahrzeuge stammen von Alstom oder wurden mit Beteiligung des Unternehmens gebaut. Täglich transportieren sie rund neun Millionen Fahrgäste. „Bautzen hält Deutschland in Bewegung“, fasst Dawidowsky zusammen. Der Standort baut unter anderem Straßenbahnen für Berlin, Dresden und Magdeburg, S-Bahnen für Hamburg sowie Regionalzüge für Rumänien und Bulgarien – und wird dies auch künftig tun.

Bei der Einweihung der neuen Produktionshalle gab es ein klares Signal: Der französische Schienenfahrzeugbauer Alstom glaubt an den sächsischen Standort und seine Mitarbeiter.
Bei der Einweihung der neuen Produktionshalle gab es ein klares Signal: Der französische Schienenfahrzeugbauer Alstom glaubt an den sächsischen Standort und seine Mitarbeiter.
Quelle: Steffen Unger

Regionale Lieferketten statt Übersee

Die Hallenerweiterung ist ein Schritt von vielen. „Wir sind nicht am Ende – wir sind am Anfang der Transformation dieses Standorts“, sagt Dawidowsky. Diskutiert wird unter anderem der Bau eines zentralen Logistik-Lagers, dessen Umsetzung gemeinsam mit Politik und Partnern weiter vorangetrieben werden soll. „Jedes Material, das nicht rechtzeitig an der Linie ist, reduziert die Ausbringung – im Extremfall steht die Linie.“

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf stabilen, regionalen Lieferketten. Bauteile, die früher aus Übersee bezogen wurden, werden heute lokal gefertigt. Ein Beispiel: Toiletten und Verkleidungen, die zuvor aus Bahrain geliefert wurden, stammen nun von einem Unternehmen aus Königsbrück. Solche Kooperationen zeigten, wie regionale Industrie voneinander profitieren könne. Dawidowsky vergisst auch die Waggonbauer nicht: „Nur erfolgreiche Arbeitsplätze sind sichere Arbeitsplätze. Nichts würde hier funktionieren ohne eine Mannschaft, die das will – und die bewiesen hat, dass sie es kann.“

Zukunftsausblick für den Standort Bautzen

Der Alstom-Deutschlandchef beschreibt die weitere Entwicklung des Standorts als langfristigen Prozess: „Wir können nicht alle Maßnahmen, die wir planen, immer sofort umsetzen, weil das wie eine Operation bei laufendem Betrieb ist.“ Viele Verbesserungen müssten Schritt für Schritt erfolgen, ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen. „Das wird jetzt ein Prozess sein, der über die nächsten zwei bis drei Jahre weitergeht, bis wir mal ein optimales Layout haben.“ Damit ist gemeint, dass die Anordnung von Maschinen, Arbeitsplätzen und Materialflüssen Schritt für Schritt angepasst wird, um die Produktion effizienter und reibungsloser zu gestalten.

2026 geht es damit weiter: Investitionen von rund 8,5 Millionen Euro sind am Standort Bautzen geplant. Davon fließen mehrere Millionen gezielt in die Modernisierung und Erweiterung von Produktionshallen und Büros. Ein Schwerpunkt liegt auf der Infrastruktur für einen kleinen Werksbahnhof, um lange Fahrzeuge wie die S-Bahn fürs Rheinland direkt in die Halle ein- und ausfahren zu lassen.

Doch der Blick geht beim französischen Schienenfahrzeugbauer noch weiter: Besonders wichtig seien der Gleisanschluss für das Alstom-Werk und die Elektrifizierung der Bahnstrecke, um den Transport von Waggons effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Das Fehlen dieser Infrastruktur verursache derzeit Mehrkosten und Wettbewerbsnachteile. „Perspektivisch ist es wichtig, dass wir den Anschluss bekommen und auch die Strecke elektrifiziert wird. Da sind wir sehr klar“, sagt Dawidowsky mit Nachdruck. Er bleibt optimistisch: „Wenn am Ende alle es wollen, dann wird es auch passieren, weil es wichtig ist für diesen Standort.“

SZ

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