Leipzig. Merkliches Aufatmen im Leipziger Porsche-Werk – denn die Hoffnungen der Belegschaft sind nicht enttäuscht worden: Das neue SUV (Sport Utility Vehicle) im Macan-Format mit dem internen Arbeitstitel M1 soll am sächsischen Standort gebaut werden. Das haben Vorstand und Aufsichtsrat der Porsche AG jetzt entschieden, wie das Unternehmen auf Nachfrage von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung mitteilt.
Neben dem elektrischen Macan plant Porsche gegen Ende des Jahrzehnts ein zweites SUV im sogenannten B-Segment, also klein und kompakt, auf den Markt zu bringen. Dieses soll über einen Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Antrieb verfügen.
Ein für Porsche strategisch wichtiges Modell
„Leipzig ist unsere zweite Heimat. Die Kolleginnen und Kollegen sind seit mehr als zwei Jahrzehnten eine feste Größe in unserem Produktionsnetzwerk. Sie sind vielfach ausgezeichnet und bringen alle Voraussetzungen mit, um mit unserem neuen SUV ein für Porsche strategisch wichtiges Modell zu fertigen“, erklärte Albrecht Reimold, der Vorstand für Produktion und Logistik der Porsche AG.
„Mit der Vergabe an den Standort Leipzig stärken wir zusätzlich die Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität des Standortes“, so der Produktionsvorstand weiter. „Schon heute steht Leipzig wie kein anderer Standort für den Dreiklang unserer Antriebskonzepte, an dem Verbrenner-, Hybrid- und reine Elektrofahrzeuge im Modellmix über eine Fertigungslinie laufen. Diese Stärke und dieses Know-how wollen wir auch in Zukunft nutzen.“
Sicherung der Jobs und des ganzen Standorts
Ihm falle ein Stein vom Herzen – so reagiert der Leipziger Betriebsratschef Knut Lofski auf die Nachricht. Ein schöneres Geschenk so kurz vor Weihnachten hätte es für die Belegschaft nicht geben können. „Das neue Fahrzeug M1 im Leipzig Porsche Werk zu bauen, ist eine gute Nachricht, über die sich die Beschäftigten freuen“, meint auch Leipzigs IG Metall-Chef Steffen Reißig. „Ganz deutlich gesagt, geht es dabei um die Sicherheit der Arbeitsplätze und des ganzen Produktionsstandorts. Zu verdanken ist das vor allem dem Betriebsrat, ohne dessen monatelange Anstrengungen die Entscheidung so nicht getroffen worden wäre.“
Mit der Vergabe an den Standort Leipzig stärken wir zusätzlich die Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität des Standortes. – Albrecht Reimold
Vorstand für Produktion und Logistik der Porsche AG
Auch Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (CDU) atmet auf: „Porsche zählt bekanntlich nicht zu den kleinen Steuerzahlern in unserer Stadt. Umso schöner ist das klare Signal: Das Unternehmen vertraut dem Leipziger Werk und in die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Das ist ein starkes Signal für Leipzig.“
Strategiewechsel: Elektro und Verbrenner
Offenbar haben sich auch andere Standorte um den Bau des neuen Fahrzeugs bemüht. Aufgrund schwacher Absätze musste das Leipziger Porsche-Werk zuletzt Schichten reduzieren. Die Gründe dafür sind ein schwaches China-Geschäft und der langsame Hochlauf der Elektromobilität.

Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Das zwang Porsche zu einem Strategiewechsel. So will der Stuttgarter Konzern wieder verstärkt Modelle mit Verbrennungsmotor und Plug-in-Hybrid-Antrieb entwickeln. Darunter den kleinen geländegängigen Sportwagen, den jetzt die Leipziger bauen sollen und der voraussichtlich Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen soll. Angaben zu Investition, Design und weiteren Details könnte man momentan noch nicht machen, so ein Sprecher.
Bis zum Anlauf des Fahrzeugs werden allerdings noch Monate vergehen. Betriebsrat und IG Metall werden im kommenden Jahr mit dem Arbeitgeber Ideen entwickeln und Lösungen finden müssen, wenn die Auslastung nach dem Wegfall des aktuellen Verbrenner-Macans sinkt, sagte Gewerkschafter Reißig.
Anpassungen in der Produktion
Zwar ist laut Porsche die Nachfrage nach dem Macan wieder stärker geworden. Aber nach dem Generationswechsel läuft der aktuelle Macan nur noch in der E-Variante vom Band. Leipzig baut zwar das Vorgänger-Modell mit Benzinantrieb weiter, aber das Ende der Fertigung ist bereits besiegelt.
In Europa kann das Fahrzeug nicht mehr bestellt werden. Deshalb hat das Werk bereits Anpassungen in der Produktion vorgenommen. So gilt für die Gewerke Montage, Lackiererei und Achsmontage seit November ein Zweischicht-Betrieb. Bislang wurde im Dreischicht-System produziert.


