Von Reik Anton
Leipzig. Von Bratislava nach Leipzig: Der Sportwagenhersteller Porsche plant, den Geländewagen Cayenne nicht mehr in der Slowakei, sondern in Sachsen produzieren zu lassen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Sonnabend unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise. Dies gelte für alle drei Antriebsstränge.
Laut Bericht möchte der neue Porsche-Chef, Michael Leiters, die Auslastung des Werks in Leipzig absichern. Voraussetzung sei aber, dass die Arbeitnehmerseite sich auf eine spürbare Absenkung der Löhne einlässt, weil die Entgelthöhen in der Slowakei deutlich unter dem Niveau der deutschen Porsche-Mitarbeiter liegen. „Man hält uns die Mohrrübe vor die Nase, indem man uns den Cayenne und eine sichere Werksbelegung verspricht, fordert aber tiefe Einschnitte“, werden Arbeitnehmervertreter zitiert.
Sollte der Cayenne künftig in Leipzig gefertigt werden, wäre es die Rückkehr „nach Hause“. Denn Porsche errichtete das Werk in der Messestadt extra, um hier Motor, Getriebe und alle anderen Bauteile und -gruppen in die Karosserie einzubauen.
Porsche in der Krise – 200 Mitarbeiter in Leipzig müssen gehen
Der Sportwagenbauer hatte im ersten Quartal 2026 einen Absatzrückgang von 15 Prozent verkündet. Am Freitag war bekannt geworden, dass das Management zu den schon beschlossenen Maßnahmen weitere 60.000 Arbeitsplätze rund um die Welt abbauen will. Auch über Werksschließungen soll mit den Arbeitnehmern verhandelt werden.
Derzeit beschäftigt Porsche an seinem sächsischen Standort rund 4700 Frauen und Männer. In Leipzig wird sich die Marke bis Ende August von 200 Mitarbeitern trennen. Das Vorhaben sei mit dem Betriebsrat abgestimmt, sagt der Chef der Arbeitnehmervertreter im Leipziger Werk, Christian Märcz. „Wir verstehen die Personalentscheidung“, so der 42-Jährige. Wichtig sei, dass der Abbau auf freiwilliger Basis und sozialverträglich geschehe. Es gebe einige, die von weither nach Leipzig pendelten, neu anfangen wollen und auf die Abfindung bauen, so Märcz. Wichtig sei, dass die Standortsicherung betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2030 ausschließt. „Und diese Standortsicherung gilt weiter!“
Hoffnung schöpft man am sächsischen Standort auch aus der Entscheidung von Porsche-Vorstand und Aufsichtsrat, in Leipzig ein neues Modell zu fertigen. Das neue SUV (Sport Utility Vehicle) im Macan-Format mit dem internen Arbeitstitel M1 soll im Werk vor den Toren der Messestadt gebaut werden.


