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Beschäftigte in Sachsen verdienen 18 Prozent weniger als im Westen

Seit 2012 ist der Ost-West-Lohnunterschied deutlich gesunken. 35 Jahre nach der Wiedervereinigung liegt er noch bei 14 Prozent. Die Lohnunterschiede variieren je nach Branche und Qualifikation zum Teil stark.

Lesedauer: 2 Minuten

Johann-Christoph Landgraf

Sachsen. Beschäftigte in Sachsen verdienten 2024 durchschnittlich 18 Prozent weniger als in Westdeutschland. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkts- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Insgesamt sei der Lohnunterschied zwischen Ost und West seit 2012 deutlich gesunken, da die Löhne in Ostdeutschland stärker stiegen als im Westen, so die Studienmacher. Während die Lohnlücke zwischen Ost und West 2012 noch bei 26 Prozent lag, sank sie bis 2024 auf 14 Prozent.

Medianlohn in Deutschland nach Bundesländern

Die Karte zeigt den Medianlohn in allen deutschen Bundeländern im Jahr 2024.

Damit verdienten sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte in den ostdeutschen Bundesländern im Jahr 2024 im Mittel 3539 Euro pro Monat. Das waren 578 Euro weniger als ihre Kollegen im Westen mit 4117 Euro.

Größte Lohnlücke in der Industrie

Vor allem in der Industrie verdienten West-Beschäftigte deutlich mehr, insbesondere im Kraftfahrzeug- und Maschinenbau. Hier verdiente ein westdeutscher Industriearbeiter im Durchschnitt 29 Prozent beziehungsweise 26 Prozent mehr als sein ostdeutscher Kollege.

Deutlich kleiner ist die Ost-West-Lohnlücke hingegen in der öffentlichen Verwaltung oder im Pflegebereich mit fünf Prozent beziehungsweise vier Prozent. In den Branchen Informationsdienstleistungen sowie Erziehung und Unterricht erzielen Vollzeitbeschäftigte im Osten im Median sogar leicht höhere Entgelte als im Westen.

Auch bei den Qualifikationen gibt es Unterschiede: Spezialisten, also etwa Techniker, Meister oder Bachelorabsolventen verdienen in Westdeutschland 16 Prozent mehr. Ähnliches gilt für Fachkräfte, also Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung, die in Ostdeutschland etwa 15 Prozent weniger Lohn bekommen.

Ostdeutsche profitieren besonders vom Mindestlohn

Für Expertentätigkeiten – also Berufe mit Masterabschluss, Promotion oder im höheren Dienst – ist die Entgeltlücke am geringsten gesunken: von 21 Prozent im Jahr 2012 auf 14 Prozent im Jahr 2024.

Bei Jobs auf Helferniveau, also Tätigkeiten ohne Ausbildung, mit einjähriger Ausbildung oder im einfachen Dienst, ist die Ost-West-Lohnlücke hingegen am kleinsten: Vollzeitbeschäftigte auf Helferniveau verdienten 2024 im Osten knapp 10 Prozent weniger als im Westen, 2012 waren es noch 26 Prozent.

„Beschäftigte in Ostdeutschland und in Helfertätigkeiten profitieren besonders vom Mindestlohn, da er dort wegen der niedrigen Löhne stärker greift“, erklärt IAB-Forscher Holger Seibert.

SZ

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