Großschönau. Die traditionsreiche Damast-Weberei Damino in Großschönau musste im Juni ein Insolvenzverfahren einleiten. Das Amtsgericht Dresden hat zum 1. September 2025 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Damino GmbH eröffnet und Eigenverwaltung angeordnet. Das teilt das Untrnehmen nun mit. Die gute Nachricht: Damino wird weiterbestehen – aber ein Drittel der Mitarbeiter muss gehen, weil ein Betriebsteil geschlossen wird.
„Unsere Kunden wussten und wissen unsere Qualität zu schätzen. Wir haben im vorläufigen Verfahren wichtige Aufträge erhalten“, teilt Damino-Geschäftsführer Sandro Strack mit und weiter: „Diese Erfolge helfen uns enorm bei den Gesprächen mit unseren Geschäftspartnern, die weit fortgeschritten sind“.
Textilveredelung wird geschlossen
Die Situation zwingt zu einem Aderlass. „Nach wirtschaftlichen und technischen Überprüfungen der durchaus komplexen und auf jeden Fall kostenrelevanten Textilveredlung mussten wir die Belegschaft darüber informieren, dass wir diesen Teil der Produktion an diesem Standort einstellen müssen“, erklärt Sanierungsfachmann und Geschäftsführer Dirk Eichelbaum. Die Textilveredelung betrifft viele Bearbeitungsschritte des Stoffs – etwa Bleichen, Färben, Sengen oder Waschen. Diese Vorgänge sind mitunter auch sehr energieintensiv und daher teuer.
30 der insgesamt 100 Mitarbeiter müssen wegen der Aufgabe dieses Produktionszweigs das Unternehmen verlassen. Als Betriebsteile verbleiben die Weberei und die Konfektion. Eichelbaum ist von der Zukunft des Standorts überzeugt: „Wir sind uns in Gesprächen mit interessierten Kooperations- oder Geschäftspartnern einig darüber, dass wir gemeinsam die hohe Qualität, Funktion und den Marktwert der Damino-Produkte sicherstellen werden“.
Interessenten für die Übernahme
Eichelbaum deutet damit an, dass es Interessenten an der Übernahme des Unternehmens gibt. Welche das sind, wird nicht genannt. Bisherige Eigentümer seien ein Finanzinvestor und eine österreichische Familie aus der Textilwirtschaft. Das Unternehmen macht keine Angaben dazu, ob diese Eigentümer nach der Insolvenz als Gesellschafter verbleiben.
Eichelbaum ist zuversichtlich, das Eigenverwaltungsverfahren der Damino noch im Jahr 2025 abschließen zu können. Es geht dabei um ein sogenanntes „Insolvenzplanverfahren“. „Gesetzlich vorgeschrieben ist, das so ein Insolvenzplan die Gläubiger besser stellen muss als eine Liquidierung des Unternehmens“, heißt es dazu vom Unternehmen.
Traditionsbetrieb wirtschaftlich auf einem guten Weg. – Damino-Sachwalter Rüdiger Bauch
Die gut 100 Beschäftigten seien bereits darüber informiert, dass Damino künftig nur noch mit 70 Mitarbeitern weitermachen wird. Entsprechende Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern sollen noch im September 2025 abschließend verhandelt werden.
Der vom Gericht als Sachwalter bestellte Rechtsanwalt Rüdiger Bauch sieht gute Chancen für die Neuaufstellung von Damino. „Trotz der globalen Krisen und der strukturellen Probleme der Textilbranche sehe ich diesen Traditionsbetrieb wirtschaftlich auf einem guten Weg“, sagt er. Notwendig sei es dabei leider auch, die Kostenstruktur des Unternehmens dem wirtschaftlichen Umfeld anzupassen.
Der Weg in die Krise
Die Krise traf Damino in den letzten Jahren in zwei Wellen. Eine der wichtigen Ertragssäulen ist Tisch- und Bettwäsche für die Hotellerie oder Fluggesellschaften. Als während der Corona-Krise Hotelzimmer leer und Flugzeuge am Boden blieben, benötigten diese Kunden auch keine Damastwäsche. Dieses Geschäft konnte Damino nach Corona wieder ankurbeln.
Danach brach das einst so wichtige Geschäft mit dem sogenannten Afrika-Damast beinahe komplett ein. Grund dafür waren unter anderem politische und wirtschaftliche Krisen in den Abnehmerländern, der Preisdruck anderer Anbieter aus Fernost und auch ein veränderter Kleidungsstil in den afrikanischen Ländern. Von diesem Schlag ins Kontor konnte sich Damino nie erholen, weil das weggebrochene Geschäft nicht durch andere kompensiert werden konnte.
SZ


