Dass seine Bienen fleißig sind, das hatte John Scheller schon im Sommer geahnt. An seinen Bienenstöcken am Edeka-Markt in Radeberg summte und brummte es ohne Unterbrechung.
Dass sie aber so viel Honig produzieren würden, damit hat keiner gerechnet. Denn als Imker Rico Heinzig die Stöcke öffnete, war mehr drin als gedacht. „Die acht Völker haben mehr als 120 Kilogramm Honig produziert. Das ist ein sensationelles Ergebnis, besonders angesichts des Wetters den Sommer über“, sagt er.
Denn die Trockenheit ist schlecht für die Bienen. „Bei Wassermangel produzieren die Pflanzen weniger Nektar und das bedeutet letztlich auch weniger Honig. Aber offenbar haben die Bienen hier noch genug finden können.“
Auch der Geschmack des Radeberger Honigs ist prima, sagt der Imker. Gleich nachdem er eine Wabe aus dem Stock geholt hat, kostete er von der goldgelben Leckerei. „Sehr gut. Die Bienen haben hier viele unterschiedliche Pflanzenarten, viele Kleingärten, das Hüttertal ist nicht weit, ein prima Honig.“ Es ist jedoch möglich, dass der Geschmack zwischen den Bienenvölkern, selbst wenn sie am gleichen Standort stehen, unterschiedlich ausfällt, sagt der Imker.
Dann überprüfte er noch, ob die Bienen auch gesund sind. „Die größte Bedrohung ist die Varroamilbe. Sie schwächt die Bienen und macht sie anfällig für Krankheiten. Sollten sie stark befallen sein, wende ich nur organische Substanzen zur Bekämpfung an. Dieser Honig ist Bio-Honig, da darf nichts anderes verwendet werden.“
Regionaler geht es nicht
Aber nein, bei den rund 400.000 Radeberger Bienen ist alles in Ordnung. Nachdem die Waben raus waren, kam eine Lösung aus Zuckerwasser vermischt mit rund zehn Prozent Honig in die Stöcke. Davon ernähren sich die Bienen jetzt im Winter. Das „Radeberger Gold“ wieder Honig heißt, hat sich in seinem Supermarkt gut verkauft, sagt John Scheller. „Regionaler geht es ja nicht. Der Honig ist ja quasi vom Dach ins Regal gekommen. Auch die Geschmacksnote ist sehr gelungen, finde ich.“
Außer den acht Völkern auf dem Markt in Radeberg hat John Scheller noch Bienen auf dem Dach seines Edeka-Marktes in Dresden-Cotta. 15 Völker schwirren dort umher. Sie werden ebenfalls von Rico Heinzig betreut. Der Supermarkt-Betreiber hatte sich vor einigen Monaten an den Stadtteilimker gewandt, wie er sich selber nennt.
Hoffen auf einen strengen Winter
John Scheller hat in Dresden bereits mehrere Bienenstöcke stehen und fand die Idee, auf den Edeka-Märkten in Dresden-Cotta und Radeberg welche aufzustellen, großartig. Bei ihm selbst steht Honig auf dem Frühstückstisch, vor allem wegen der vielen guten Inhaltsstoffe.
Aber auch Umweltaspekte haben ihn bewogen, die Bienen anzuschaffen. „Gerade in den vergangenen Monaten war viel vom Bienensterben zu hören und davon, wie wichtig sie für uns Menschen sind. Auch deshalb habe ich das Projekt umgesetzt.“
Natürlich spielt auch ein geschäftlicher Gedanke mit. „Die Nachfrage nach regionalen Produkten nimmt immer mehr zu“, sagt er. Die acht Bienenvölker werden den Winter auf dem Markt in Radeberg verbringen. „Ich hoffe, dass die nächsten Monate nicht allzu mild werden. Konstante Temperaturen zwischen minus fünf und minus zehn Grad wären ideal. Ein Wechsel von kalt und warm stresst die Bienen sehr. Sie sollen gut über den Winter kommen und schließlich im nächsten Jahr wieder für reichlich Radeberger Gold sorgen.“
Von Thomas Drendel
Foto: © Matthias Schumann


