Von Bärbel Schumann
Oschatz. Rosen prägen Oschatz seit mehr als 100 Jahren – im Stadtbild ebenso wie im Gartenbau. Der Familienbetrieb „Rosen Müller“ führt diese Tradition bis heute fort und setzt trotz sinkender Nachfrage weiter auf Qualität, Vielfalt und die Liebe zur Königin der Blumen.
Rosen sind mit Abstand noch immer die am meisten gekauften Blumen. Mehr als 30.000 verschiedene Sorten gibt es weltweit. Auch im O-Park haben Rosen einen repräsentativen Platz auf Beeten oder anderen Anlagen.
Besucher der „4. Kleinen Gartenschau“ können sich am neu bepflanzten Rosenbeet auf dem O-Parkgelände an ihrer Schönheit und ihrem Duft erfreuen. „Wir haben als Mitglied im Förderverein Landesgartenschau Oschatz 2006 dafür gesorgt, dass dies möglich wird“, sagt Wolfgang Müller von der Baum- und Rosenschule Wolfgang Müller und Sohn KG in Oschatz stolz.

Quelle: privat
1990 entschloss sich der heute 74-Jährige, die Gartenbauabteilung der LPG Merkwitz-Altoschatz mit dem Hauptbetrieb in der Wermsdorfer Straße privat zu übernehmen. Damit führte er zugleich den Rosenanbau in Oschatz weiter, der auf eine mehr als 100-jährige Tradition zurückblickt.
Wolfgang Müller war zu diesem Zeitpunkt bereits in der Gärtnerei tätig und übernahm nach seinem erfolgreich abgeschlossenen Ingenieurstudium in Werder deren Leitung. Bereits 1972 war der bekannte Gartenbaubetrieb Rosenschneider im Zuge der Überführung zahlreicher Privatunternehmen in staatliche Strukturen zu einer Abteilung der LPG geworden. Vor der Wende beschäftigte die LPG in ihrer Gärtnerei rund 60 Mitarbeiter.

Quelle: Bärbel Schumann
Hervorragende klimatische Bedingungen im Windschatten des Collms und die sandig-lehmigen Böden bilden ideale Voraussetzungen für die Produktion der empfindlichen Pflanzen. Historisch markiert das Jahr 1904 einen wichtigen Meilenstein, als Victor Guericke einen weit über die Grenzen Sachsens hinaus bekannten Rosen- und Obstbaubetrieb in der Berufsschulstraße gründete. Seitdem prägen die Rosenzucht und der Gartenbau Oschatz. Und davon künden auch Rosenfelder vor dem Tor der „Gartenstadt am Collm“, wie Oschatz liebevoll auch genannt wird.

Quelle: OAZ-Archiv/Dirk Hunger
Der Senior und seine Frau freuen sich, dass ihre beiden Kinder, Melanie und Dag, in die Fußstapfen der Eltern getreten sind. Die Baum- und Rosenschule wird inzwischen von Dag Müller geführt. Dort kümmern sich 15 Mitarbeitende und zwei Auszubildende darum, dass auch künftig Pflanzen und Bäume aus Oschatz nicht nur Gärtnereien beliefern.
Aber wie ist es um die Zukunft bestellt? Werden auch künftig noch Rosenstämmchen und Buschrosen in Oschatz heranwachsen? Brauchen Obstanbaubetriebe noch junge Bäume aus der Döllnitzstadt für ihre Plantagen? Wie groß ist der Druck durch ausländische Anbieter hinsichtlich der Preisgestaltung?
Der Absatz für den Obstanbau ging zurück. – Wolfgang Müller, Unternehmer
Fest steht laut Wolfgang Müller, dass die Baum- und Rosenschule ihre Produktion in den vergangenen Jahren leicht zurückgefahren hat. „Der Absatz für den Obstanbau ging zurück“, sagt der Senior. Große Betriebe, etwa die in Dürrweitzschen und Wurzen ansässigen Unternehmen, haben ihre Anbauflächen verkleinert, sodass weniger Bäume benötigt werden.
Trotzdem wachsen in und um Oschatz weiterhin zwischen 80.000 und 100.000 junge Obstbäume heran. Auf das Angebot der Baumschule wirke sich dieser Rückgang jedoch nicht aus. „Um die 90 verschiedene Obstsorten bieten wir an und liefern sie auch deutschlandweit an Gartencenter mit angeschlossenen Gärtnereien“, erklärt Dag Müller.

Quelle: OAZ-Archiv/Kristin Engel
Bei Rosen ist die Herstellung von Rosenstämmchen deutlich reduziert worden. Der Wettbewerb aus dem Ausland setze deutsche Betriebe stark unter Druck. Doch das ist nicht der einzige Grund. In ganz Deutschland ist die Nachfrage nach Rosenstöcken oder Rosenbäumchen in den vergangenen Jahren um 30 bis 40 Prozent gesunken. Nach Ansicht der Branche liegt das vor allem an dem inzwischen sehr großen Angebot an Ziergehölzen. Diese hätten die Rosen nach und nach aus vielen Gärten verdrängt.
Trotzdem werden nach wie vor jährlich rund 6000 Rosenstämmchen herangezogen. Von ihrer Produktion Abstand zu nehmen, kommt für die Müllers nicht infrage – dafür sind sie zu sehr traditionsbewusste Gärtner, mit Leib und Seele dem verbunden, was ihnen am Herzen liegt.
Schon früh stellte die Rosenschule zudem die Produktion von Buschrosen auf Containerkultur um. Auf diese Weise verlassen jedes Jahr zwischen 8000 und 10.000 Pflanzen Oschatz. „Die Kundschaft möchte von April bis Oktober Rosen pflanzen. Das ist nur möglich, wenn die Anzucht in Töpfen geschieht. Der Kunde kann so die Rose auch blühend sehen und ihren Duft wahrnehmen“, erklärt der Rosenexperte.

Quelle: Tanja de Wall
Im Gartencenter wird derzeit ein Verkaufsgewächshaus erneuert, damit die gärtnerische Arbeit künftig noch besser präsentiert werden kann. „Die Arbeiten haben bereits begonnen“, erklärt Melanie Müller-Leuteritz von der „Gartenbaumschule“. Die Einweihung ist für September geplant.

Quelle: Bärbel Schumann
Die Rose ist nicht ohne Grund auf Visitenkarten, Flyern und der Internetseite präsent. „Wir produzieren weiterhin Hochstämme für unser Gartencenter und einen Vertragspartner“, erklärt der Senior. Ziel sei es, Rosenliebhabern ein breites Sortiment an Edel-, Kletter-, Strauch- und Bodendeckerrosen anzubieten. Dabei hätten Pflanzengesundheit und Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge oberste Priorität. Fehlen diese Eigenschaften, erhalten neue Züchtungen keine Zulassung. Deshalb empfehlen die Oschatzer Rosenexperten, neben bekannten Sorten auch Neuzüchtungen eine Chance zu geben.
Die in Oschatz gezogenen Rosen und Gehölze sind nicht nur regional und in Sachsen gefragt, sondern in ganz Deutschland – von der Ostsee bis nach Thüringen, von der Neiße bis in die Alpenregion. Bestellt wird online bei „Rosen Müller“.
Bei Rosen im Trend liegen weiterhin duftende Sorten mit gefüllten Blüten. Beliebt sind aber auch ungefüllte Rosen mit offener Blüte als Insektennährgehölz. Auf die Frage nach einer Lieblingsrose sagt Wolfgang Müller: „Jede Rose hat ihren eigenen Charakter, ihren eigenen Duft und ihre besondere Schönheit! Deshalb gibt es keine Lieblingssorte.“
Bei der 4. Kleinen Gartenschau sind die Oschatzer Gartenexperten wieder dabei – mit einem Stand in der ehemaligen Blumenhalle, einer Präsentation ihres Angebots und einer weiteren Rosentaufe.


