Luisa Zenker und Florian Reinke
Dresden. Der große Solar-Hype bei Sachsens Hausbesitzern ist vorbei. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der verbauten Solaranlagen drastisch eingebrochen: So gingen 2025 rund 12.700 Solaranlagen im Heimsegment in Betrieb. 2024 waren es mit 22.000 fast doppelt so viele. Dies geht aus Zahlen des Bundesverbandes Solarwirtschaft hervor, die auf Daten der Bundesnetzagentur basieren.
2023 lag die Zahl der verbauten Anlagen noch bei 28.900. Damals und im Folgejahr hatte es einen Boom für die privaten Photovoltaik-Anlagen (PV) gegeben. Der russische Angriff auf die Ukraine hatte Energie massiv verteuert. Viele Eigenheimbesitzer wünschten sich Unabhängigkeit. Auch der Rückzug in die eigenen vier Wände während der Corona-Pandemie führte zu einem bundesweiten Anstieg der Nachfrage.
Insolvenzwelle bei Solarhandwerkern
Mit dem Solar-Boom stiegen zudem zahlreiche Installateure in das Geschäft ein. Seit 2020 habe sich die Zahl verdoppelt, heißt es vom Bundesverband des Solarhandwerks. Inzwischen setzt jedoch eine Marktbereinigung ein. Viele Unternehmen sehen sich einer sinkenden Nachfrage ausgesetzt, was eine Insolvenzwelle in Deutschland zur Folge hat. In Sachsen meldeten im vergangenen Jahr nach Informationen dieser Zeitung 14 Betriebe für Solarinstallationen Insolvenz an.
Dazu gehört die CSC Elektro GmbH aus Laußig (Landkreis Nordsachsen), die seit November ein vorläufiges Insolvenzverfahren durchläuft. Das Unternehmen hatte sich während des Solar-Höhenfluges 2023 gegründet und wuchs auf 13 Beschäftigte. „Die Gründe der Insolvenz sind vielschichtig. Hier sind zum einen die gesunkene Nachfrage bei den Kunden zu nennen, der hohe Konkurrenzdruck in der Branche, die gestiegenen allgemeinen Kosten bei den Materialpreisen und die Steigerungen des Mindestlohns“, erklärt Insolvenzverwalter Thomas Reichelt auf Nachfrage.
Ein Drittel der Solarinstallateure hat abnehmende Beschäftigtenzahlen
Nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft berichten viele Firmen von Problemen. Bei einem Drittel der Solarinstallateure nehmen demnach infolge der gesunkenen Nachfrage die Beschäftigtenzahlen ab. Hinzu komme die „Verunsicherung potenzieller Investoren durch die Ankündigung der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die Förderung von neuen PV-Dächern einstellen zu wollen“, sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.
Sollte es zu einer Umsetzung von Reiches Plänen kommen und die Einspeisevergütung wegfallen, dürfte sich der Photovoltaik-Zubau auf privaten Hausdächern nach Einschätzungen des Solarhandwerks mehr als halbieren. „Zehntausende Jobs in der deutschen Solarbranche wären gefährdet“, so Körnig. Insgesamt arbeiten in der Solarbranche 100.000 Beschäftigte.
Nun ist die Nachfrage nach Solaranlagen wieder normal. – Frank Scholze, Solarunternehmer
Der Bautzener Unternehmer Frank Scholze vom gleichnamigen Elektroinstallateur ist dagegen weiterhin gut versorgt. Der Handwerksbetrieb besteht seit 33 Jahren und setzte bereits 2004 auf die Installation und Wartung von Solaranlagen. „Uns kennen viele hier. Wir haben einen Vertrauensvorschuss.“
Auch er hat im Landkreis Bautzen wahrgenommen, dass ab 2022 viele Solarunternehmen entstanden. „Sie müssen jetzt neue Geschäftsfelder suchen.“ Der Handwerker bemerkt nun die sinkende Nachfrage. 2023 hatte er Aufträge im Vorlauf von einem Jahr, musste eine eigene Hotline einrichten, um die Anfragen zu bedienen. „Jetzt haben wir für drei Monate vorgesorgt.“
Dennoch blickt der Unternehmer mit 20 Beschäftigten optimistisch in die Zukunft, da er als Elektrobetrieb vielseitig aufgestellt sei. „Nun ist die Nachfrage nach Solaranlagen wieder normal“, sagt Scholze. Das bestätigen auch Daten zu den installierten Dach-Solaranlagen. Denn die Zahlen von 2025 ähneln denen von 2022 und haben sich somit stabilisiert. Auch der Solarverband bestätigt, dass sich Umfragen zufolge noch immer sieben von zehn Haushalten mit geeignetem Hausdach eine PV-Anlage vorstellen können.
SZ


