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Deshalb schließt der Bauspezi in Altenberg

Seit 25 Jahren gibt es den Baumarkt neben dem Europark. Doch statt Jubiläumsfeier ist in Altenberg jetzt Ausverkauf angesagt. Hier spricht der Betreiber Klartext.

Lesedauer: 3 Minuten

Man sieht die Betreiber Uwe und Madlen Kasper, die den Bauspezi in Altenberg schließen müssen
Die Betreiber Uwe und Madlen Kasper schließen den Bauspezi in Altenberg am 31. März. © Egbert Kamprath

Von Siiri Klose

Die Rechnung ist einfach: Die Ausgaben werden immer höher, die Einnahmen immer geringer. Deshalb schließt der Bauspezi Altenberg. Bis Ende März gibt es noch einen Ausverkauf der Ware im Bestand. Die Preise sind um 20 bis 50 Prozent reduziert. „Es soll natürlich so viel raus wie möglich“, sagt Bauspezi-Leiter Uwe Kasper.

Bauspezis gibt es deutschlandweit. Die über 70 Märkte werden von Franchise-Unternehmern betrieben. Den Baumarkt hinter dem Altenberger Europark gibt es seit 25 Jahren. 2019 übernahm ihn Uwe Kasper von seinem Vorgänger Harald Müller. „Wir kannten uns schon länger von meinen ‚Geisinger Heinzelmännchen‘, einem Hausmeisterservice.“

Über 70.000 Euro in neue Regale investiert

Eigentlich stammt Uwe Kasper aus Brandenburg, wie seinem Zungenschlag noch immer anzumerken ist – auch wenn er inzwischen mit Unterbrechungen schon 40 Jahre in Altenberg lebt. Wie es ihn damals in die Gegend verschlug? „Na, FDGB-Ferienheim, Skifahren und einmal zu tief in die Augen geguckt.“

Harald Müllers Angebot zur Marktübernahme gefiel ihm, „und die ersten beiden Jahre liefen ja auch wunderbar“. Um die 70.000 Euro investierte das Ehepaar Kasper in Regalumbauten, reagierte mit seinem Sortiment schnell und flexibel auf die Kundennachfrage: Schneeschippen und Porutscher im Winter, Steckzwiebeln und Beet- und Balkonpflanzen ab dem zeitigen Frühjahr, dazu großes Gartengerät und natürlich alles an Werkzeug und Material, was es für Reparaturen bis Sanierungen im und am Haus braucht.

Man sieht den Bauspezi-Baumarkt mit dem Schild "Total-Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe"
Der Bauspezi-Baumarkt von Altenberg liegt am Europark. Es soll einen Interessenten für die Nachmiete geben, doch der würde das Gebäude nicht für den Einzelhandel nutzen, heißt es.
© Egbert Kamprath

Seit Corona keine vernünftige Gewinnzone mehr

Doch seit der Corona-Pandemie bekommen Uwe und Madlen Kasper den Baumarkt nicht mehr in eine vernünftige Gewinnzone. Während der Pandemiejahre wurde der Zugang stark eingeschränkt, zeitweilig mussten auch Baumärkte schließen. Als danach die Inflation und der Ukrainekrieg alle Bau- und Brennstoffe extrem verteuerte und gleichzeitig dafür sorgte, dass die Kaspers mehrere Mieterhöhungen hinnehmen mussten, waren die Rücklagen für schlechte Zeiten bereits aufgebraucht.

„Wir haben einen Indexmietvertrag“, Uwe Kasper, „der ist an die Inflation gekoppelt. Unser Vermieter hat jede Gelegenheit systematisch zur Erhöhung der Miete genutzt.“ Seit ungefähr zwei Jahren besitzt ein börsennotiertes Immobilienunternehmen das Gebäude. „Mit der Vorbesitzerin sind wir super klargekommen, mit ihr konnten wir vieles besprechen. Aber jetzt: Keine Investitionen, und hier ist nix isoliert. Dafür zahlen wir mittlerweile 5.000 Euro monatlich.“

Börsennotiertes Immobilienunternehmen erhöht die Miete

Konkret habe Uwe Kasper 12.000 bis 13.000 Euro monatliche Fixkosten, „und in diesem Januar haben wir nur 15.000 Euro Umsatz gemacht.“ Von Ende 2022 bis Ende 2023 sei der Umsatz um 60.000 Euro gefallen: „Die Leute kaufen heute nur noch einzelne Teile zur Instandhaltung, das reicht nicht.“ Auch diese Entwicklung wäre der Inflation geschuldet: „Heutzutage weiß keiner: Kaufe ich mir jetzt die neue Heizung oder spare ich lieber erstmal? Fange ich jetzt an mit der Sanierung oder warte ich erst mal ab?“

„Für mich und meine Frau als Betreiber des Baumarktes ist es eine sehr schwierige und schmerzliche Entscheidung, den Baumarkt zu schließen“, schreibt er in der Pressemitteilung, mit der er den Räumungsverkauf ankündigt. An dem Gebäude sei derzeit ein Nachmieter interessiert, der allerdings nichts mit Einzelhandel zu tun haben wird. „Aber der muss sich erst noch mit dem Vermieter einigen“, sagt er. Er und seine Frau wollen nach dem Räumungsverkauf erst mal in den Urlaub fahren. „Dann sehen wir weiter.“ Den Altenbergern bleibt in Zukunft noch der Teamwork-Baumarkt auf der Dresdner Straße in Geising.

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