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Deshalb schließt dieses Unternehmen nach 33 Jahren in Pirna

Zum Jahresende geht Firmeneigner Gerhard Kaßmann mit seinem Steinsetz- und Straßenbaubetrieb in den Ruhestand. Die kreative Arbeit wird ihm fehlen.

Lesedauer: 3 Minuten

Gerhard Kaßmann, Besitzer eines Gerhard Kaßmann steht vor seinem Steinsetz- und Straßenbaubetrieb.
Gerhard Kaßmann geht in den Ruhestand und schließt seinen Steinsetz- und Straßenbaubetrieb. © Matthias Rietschel

Von Mareike Huisinga

Steine, große und kleine, sind sein Geschäft. „Ja, das kann man wirklich so sagen“, schmunzelt Gerhard Kaßmann aus Pirna. Allerdings nicht mehr lange, denn zum Jahresende löst er seinen gleichnamigen Steinsetz- und Straßenbaubetrieb auf. Dafür hat er gute Gründe. „Im Oktober werde ich 73 Jahre alt, nun möchte ich kürzertreten. Der Zeitpunkt ist gekommen, um aufzuhören“, sagt er. Vor fast 33 Jahren gründete er den Betrieb.

Großes Lob an das Team

Ganz leicht fällt ihm dieser Schritt allerdings nicht. „Die Firma ist mein Herzblut“, stellt er fest. Etwas Wehmut klingt mit. Was er am meisten vermissen wird? Für eine Antwort auf diese Frage muss er nicht lange überlegen. „Das kreative Schaffen“.

Allerdings werden ihm auch das gute Miteinander mit den Kollegen und den Auftraggebern fehlen. In den 90er-Jahren zählten rund 35 Angestellte zu seinem Betrieb. „Ich konnte mich auf meine Mitarbeiter immer verlassen“, sagt Kaßmann. Genauso konnte er auf seine Ehefrau Regina zählen. Die übernahm gleich zu Beginn der Firmengründung unter anderem die Buchhaltung und die komplizierte Lohnrechnung. „Der Rückhalt in der Familie war sehr groß“, resümiert Gerhard Kaßmann. Er hofft, dass er zu seinen Mitarbeitern, aber auch zu einigen Auftraggebern, Kontakt halten wird, trotz Ruhestand.

Kein Wunder, denn zu den Höhepunkten in seinem Arbeitsleben als selbstständiger Unternehmer zählen die Aufträge namhafter Firmen. Unter anderen die Uhrenfirmen A. Lange&Söhne aus Glashütte fragten ihn und sein Team für Steinsetzarbeiten an. Ebenso das Unternehmen Ardenne in Dresden. Weitere Höhepunkte in der Auftragsliste seiner Firma waren Natursteinpflasterarbeiten vor dem Friedrichschlösschen auf der Festung Königstein sowie Mosaikarbeiten vor der Semperoper und an der Zufahrt der Tiefgarage zur Frauenkirche. Viel Freude bereiteten ihm aber auch dekorative Aufträge im Privatsektor, wie zum Beispiel das Setzen einer stilisierten Rose oder einer Windrose.

Hauptsächlich erfolgten die Steinarbeiten im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Stadt Dresden. „Das weiteste waren Pflasterarbeiten in Zentrum von Chemnitz“, sagt Kaßmann.

Freude über das langfristige Ergebnis

Er überlegt einen Moment und stellt fest: „Unsere Arbeit macht soviel Freude, weil wir etwas schaffen, das langfristig bleibt. Über das Ergebnis freuen sich nicht nur die Auftraggeber, sondern auch die zahlreichen Passanten, die darüber gehen“, resümiert der Pirnaer.

Eine familiäre Vorbelastung für das Steinsetzen gibt es bei ihm nicht. „Nein, mein Vater war Stellmachermeister und eine Mutter arbeitete im Gartenbereich.“

Gerhard Kaßmann wurde in Dohna geboren und wuchs in Pirna-Birkwitz auf, wo er heute in seinem Elternhaus lebt. In Pirna ging er zur Schule und entschied sich danach für einen Bauberuf, den er im Hoch- und Tiefbaukombinat Pirna erlernte. Gerhard Kaßmann wollte mehr; er absolvierte ein Studium zum Diplom-Ingenieur für Tiefbau in Cottbus. Unter anderem arbeitete er in seinem Metier in Heidenau und in Pirna, wo er schließlich die Kreisdirektion Straßenwesen übernahm.

Viel Bürokratie erschwert die Arbeit

Nach der Friedlichen Revolution von 1989 hätte er sich auch verbeamten lassen können. Doch er entschied sich für die Selbstständigkeit und gründete im März 1991 das Unternehmen Gerhard Kaßmann Steinsetz- u. Straßenbaubetrieb, mit Sitz in Pirna-Copitz.

Bereut hat er diesen Schritt niemals. „Ich hatte immer Rückhalt von der Familie und von meinen Mitarbeitern“, betont der Unternehmer erneut. Auch die Coronazeit hat die Firma gut überstanden und konnte ohne Einschränkung die Aufträge ausführen. Keiner im Team erkrankte.

Obwohl sein jüngster Sohn Straßenbaumeister ist, wollte er den Betrieb nicht übernehmen. „Die bürokratischen Hürden sind enorm“, weiß der Vater aus eigener Erfahrung und hat Verständnis für die Entscheidung seines Filius.

Zeit für die Enkelin

So ganz verwaisen wird das Firmengrundstück an der Pratzschwitzer Straße allerdings nicht, denn geplant ist die Vermietung von Maschinen und Geräten. Auch wollen er und seine Frau Leistungsverzeichnisse sowie Abrechnungen für anderen Baufirma in bescheidenem Rahmen übernehmen. „Aber die Firma als Bauausführende wird es nicht mehr geben“, so Kaßmann.

Angst vor Langeweile? Mitnichten! Denn da gibt es noch Haus, Hof und den großen Garten in Birkwitz. Und die Enkeltochter, die mit ihrer Familie weiter weg wohnt. „So werden wir künftig mehr Zeit für Besuche haben“, freut sich Gerhard Kaßmann.

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