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Die Lausitz braucht mehr Wasser: Wo die Menge künftig herkommen könnten

Die Region zwischen Spreewald und Oberlausitz bekommt ein einzigartiges Grundwassermodell. Doch was bringt das? Ganz einfach: Es ist für die Zukunft und den Strukturwandel extrem wichtig. Ein besonderes Detail bleibt aber weiter ungeklärt.

Lesedauer: 3 Minuten

Sascha Klein

Hoyerswerda. Der Anfang vom Ende hat längst begonnen: In 25 Jahren gibt es laut aktueller Planungen keinen aktiven Braunkohletagebau in der Lausitz mehr. Dann sollten auch die beiden sächsischen Standorte Nochten und Reichwalde keine Rohbraunkohle mehr aus der Erde holen.

Das bedeutet auch: In der Lausitz steht deutlich weniger Wasser zur Verfügung als zurzeit noch. Denn für die Tagebaue ist in den vergangenen Jahrzehnten das Grundwasser teils flächendeckend abgesenkt und gehoben worden – wovon unter anderem die Spree und damit der Spreewald profitiert haben. Jetzt stehen die Verantwortlichen vor dem Problem: Woher soll die Lausitz dann das Wasser in Zukunft bekommen?

Die Lausitz braucht mehr Wasser

Weshalb das für die Lausitz wichtig ist: Drei wichtige Argumente sind der Strukturwandel, der Tourismus und möglicher Zuzug. Beim Strukturwandel geht es darum, mit innovativen Lösungen neue Firmen anzusiedeln. Besonders wünschenswert ist produzierendes Gewerbe. Jede Firma benötigt Wasser, um tätig werden zu können.

Auch der Tourismus benötigt Wasser. Zum einen sollen die Lausitzer Bergbaufolgeseen immer ausreichend gefüllt sein, zum anderen besteht die Hoffnung auf mehr Tourismus durch mehr Anbieter – wie am Hoyerswerdaer Scheibe-See. Dort entstehen am Westufer Ferienwohnungen. Gewünscht ist auch ein Hotel. All diese Anbieter benötigen Wasser – viel Wasser. Letztlich will die Lausitz Zuzug – um zumindest den Bevölkerungsverlust der vergangenen Jahrzehnte aufzuhalten. Je mehr Menschen es sind, umso mehr Wasser wird gebraucht.

Die Herausforderung

Doch wie kommt die Region zu mehr Wasser? „Wir haben in der Lausitz schon immer ein Wasserdefizit gehabt“, sagt Dr. Christin Jahns. Sie ist beim sächsischen Umweltministerium auch mit dem Thema Wasser befasst. Die Lausitz hat das Problem jedoch ganz besonders. Durch den Bergbau und die dauerhafte Ableitung von Wasser hat sich über Jahrzehnte ein „Grundwasserabsenkungstrichter“ gebildet. Bis dieses „Loch“ natürlich wieder gefüllt ist, dauert es Jahrzehnte.

Also muss Wasser von außen in die Lausitz gepumpt werden – das ist unter Experten nahezu Konsens. Es gibt zwei Möglichkeiten, die bereits funktionieren – und eine lang diskutierte, die noch Zukunftsmusik ist. Was funktioniert: die Neiße- und die Oderüberleitung. Ganz vereinfacht heißt das: An diesen Flüssen an der Staatsgrenze wird Wasser abgezweigt und über spezielle Wege Richtung Spree und Schwarze Elster gebracht. Nach diesem Prinzip hat auch die Speisung der Lausitzer Bergbaufolgeseen funktioniert.

Der Wunsch: die Elbe anzapfen

Aber was ist, wenn Oder und Neiße nicht genügend Wasser hergeben? Seit mehr als 20 Jahren gibt es das Thema „Elbewasserüberleitung“. Die Grundidee: Wasser wird in der Sächsischen Schweiz aus der Elbe abgezweigt – und Richtung Hoyerswerda gepumpt. Zur Einordnung: Zwischen Bad Schandau und Hoyerswerda liegen 85 Kilometer – und jede Menge Grundstückseigentümer.

Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie für eine Elbewasserüberleitung. Sie soll laut Christin Jahns etwa Ende 2026 fertig sein – und Aufschluss geben, ob solch ein Vorhaben generell machbar wäre, wie lange ein Bau dauern könnte und wie viel Wasser das der Lausitz bringen könnte.

Umsetzung kann Jahrzehnte dauern

Die Angst bei den Elbanrainern bekommt die Verantwortliche auch zu spüren und sagt: „Es soll dort natürlich nicht Wasser entnommen werden, wenn wenig Wasser in der Elbe ist“, so Christin Jahns. Am Pegel Schöna, direkt an der deutsch-tschechischen Grenze, solle es einen Mindestabfluss geben, damit die Elbe weiterhin genügend Wasser führt.

Doch ab wann könnte die Elbe der Lausitz helfen? Selbst wenn sich die Verantwortlichen für eine Elbewasserüberleitung für die Lausitz entscheiden, klappt das nicht zeitnah. „Der Prozess dürfte einige Jahrzehnte dauern“, sagt etwa Simon Henneberg vom Brandenburger Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV).

Doch einige Jahrzehnte hat die Lausitz nicht Zeit. In den kommenden zehn Jahren soll der Strukturwandel gelingen. Um mehr Gewerbe und Industrie anzulocken, ist das Thema Wasser eines der entscheidenden. Parallel gibt es ein Millionen-Projekt in der Lausitz, um alle Wasserversorger miteinander zu vernetzen und fit für die Zukunft zu machen.

Was zurzeit passiert: Für die gesamte Region – quasi vom Rand Berlins bis in die Oberlausitz – wird ein Grundwassermodell erstellt. Ziel der Mammut-Aufgabe ist: eine rund 7500 Quadratkilometer große Fläche so abzubilden, damit möglichst genau zu sehen ist, wie der Untergrund beschaffen ist. Mitentscheidend ist das für Erkenntnisse zum Grundwasser. Professor Christoph Neukum von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zeigt das Problem auf: „Wir müssen Millionen von Einzeldaten zusammenbringen.“

Viele Familien nutzen die kilometerlangen Radwege an den Lausitzer Bergbaufolgeseen. Dies ist ein Foto vom Dreiweiberner See nahe Lohsa.
Viele Familien nutzen die kilometerlangen Radwege an den Lausitzer Bergbaufolgeseen. Dies ist ein Foto vom Dreiweiberner See nahe Lohsa.
Quelle: Nada Quenzel / Tourismusverband Lausitzer Seenland

Durch dieses neue geologische Modell soll es möglich werden, alle Grundwasserleiter zu modellieren und damit ein genaues Bild zu bekommen, wie es unter der Lausitz aussieht, sagt Sophia Rütters vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) aus Brandenburg. Allerdings: Dieses neue Modell, auf das alle weitere Vorhaben fußen sollen, wird nicht vor 2029 fertig. Die Erstellung kostet etwa neun Millionen Euro.

SZ

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