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Dresdnerin wird Chefin mit 25: Bauen für Porsche und Infineon

Die 25-jährige Antonia Bartsch hat 70 Prozent der Firmenanteile an der TGA Gebäudetechnik GmbH von ihrem Vater übernommen. Doch statt voller Auftragsbücher muss sie nun aktiv nach Aufträgen suchen. Mit einer Postkarten-Aktion will sie Neukunden gewinnen – und die Mitarbeiter fahren inzwischen bis nach München.

Lesedauer: 3 Minuten

Kai-Uwe Bartsch hat seine Tochter Antonia schon als kleines Kind mit auf Baustellen genommen. Nun leitet sie seine Firma. Quelle: FOTO: PRIVAT

Kay Haufe

Dresden. Soweit sie zurückdenken kann, sieht sich Antonia Bartsch mit ihrem Vater auf einer Baustelle. Schon als kleines Mädchen hat sie sich mehr für Rohre und andere Bauteile interessiert als für Puppen. Die Firma TGA Gebäudetechnik GmbH, die seit mehr als 30 Jahren von ihrem Vater geführt wird, kümmert sich um die technische Ausrüstung von Neu- und Bestandsbauten und installiert Heizungs- und Lüftungsanlagen sowie Sanitär- und Regeltechnik. Bereits auf dem Gymnasium war Antonia klar, dass sie beruflich auch in diese Richtung gehen möchte.

Arbeit im Büro und auf Baustellen

Das Studium in Zittau hat sie genau danach ausgesucht: Es hat ingenieurwissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Inhalte verbunden. Inzwischen ist die 25-Jährige Diplom-Wirtschaftsingenieurin. Und nicht nur das. Seit Januar steht sie an der Spitze des Unternehmens TGA. Ihr Vater hat ihr 70 Prozent der Firmenanteile überschrieben. „Wir waren schon immer ein gutes Team. Und ich wollte ihr auch von Anfang an Verantwortung für die Firma übertragen“, sagt Kai-Uwe Bartsch. „Außerdem haben wir so Zeit, die Übergabe in Ruhe vorzunehmen und ich ihr auch viel vermitteln kann.“

Sieben Mitarbeiter sind auf den TGA-Baustellen unterwegs. Aktuell bauen sie für Infineon eine 3000 Meter lange sogenannte Nullpunktleitung, die zum Druckausgleich dienen soll, auch für Reinräume. Für das Leipziger Porsche-Werk hat die Firma Leitungen für technische Gase verlegt, die für die Schweiß-Roboter benötigt werden.

Regionale Aufträge werden seltener

„Allerdings wird es immer schwerer, regionale Aufträge zu bekommen“, sagt Antonia Bartsch. Seien die Auftragsbücher vor zwei, drei Jahren noch bis obenhin voll gewesen, müsse sie jetzt verstärkt bei Partnerfirmen nachfragen und mehr in die Werbung investieren, um Arbeit heranzuholen. Bald startet eine Postkarten-Aktion, mit der um Neukunden geworben wird, die zehn Prozent des Preises sparen können.

Am meisten Spaß macht mir das Verlegen von Rohren für die Fußbodenheizung. Da bekommt man wunderbar den Kopf frei. – Antonia Bartsch, Geschäftsführerin TGA Gebäudetechnik GmbH

Einen Grund für die aktuell schwierige Lage sieht Kai-Uwe Bartsch darin, dass die Bevölkerung von den Krisen und Kriegen in der Welt zunehmend verunsichert ist. Dazu komme die Inflation. „Die Leute halten ihr Geld zusammen und lassen nur das Allernötigste machen.“ Auch Bauträger hätten aufgrund hoher Baupreise ihre Aktivitäten heruntergefahren. „Und das Hin und Her der Politik in Bezug auf Heizungen setzt noch eins obendrauf.“

Weitere Wege für Projekte

Trotzdem ist Antonia Bartsch zuversichtlich, die Auftragsbücher auch dieses Jahr wieder vollzubekommen. „Ich habe Hausverwaltungen und Bauträger angeschrieben, telefoniere viele Kontakte ab. Es kommen Aufträge herein. Aber heute müssen die Mitarbeiter dafür auch schon wieder weit fahren, wie beispielsweise nach München.“

Nur im Büro zu sitzen, das ist nichts für die blonde junge Frau. Wann immer es geht, arbeitet sie auch auf Baustellen mit. „Am meisten Spaß macht mir das Verlegen von Rohren für die Fußbodenheizung. Da bekommt man wunderbar den Kopf frei.“ Immer mal wieder kommt es vor, dass Material nachgeliefert oder ein Problem vor Ort geklärt werden muss. Das ist dann ihre Sache, das auf Baustellen zu regeln.

Trotzdem bleibt genügend Arbeit im Büro zu erledigen. Antonia Bartsch schreibt Dienstpläne, erledigt die Abrechnungen, führt Kundengespräche und sucht neue Auftraggeber. Die Kalkulation der Angebote übernimmt Handwerksmeister Kai-Uwe Bartsch. Dafür sowie für die Erstellung von Bauablaufplänen ist Erfahrung nötig, die der 53-Jährige seit mehr als 30 Jahren gesammelt hat.

Die 25-jährige Antonia Bartsch ist in doppelter Weise eine Ausnahme, was die Übergabe von Firmen anbelangt, weiß Lars Fiehler von der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK). „Das durchschnittliche Alter von Übernehmern bei Unternehmensnachfolgen in Deutschland liegt seit mehreren Jahren konstant bei 38 bis 39 Jahren.“ Die meisten Nachfolger würden einen Betrieb im Alter zwischen 30 und 40 Jahren übernehmen, gefolgt von der Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen. „Von daher sind die genannten 25 Jahre doch vergleichsweise jung.“

Außerdem liege der Frauenanteil unter den Nachfolgern im deutschlandweiten Schnitt lediglich bei 21 bis 23 Prozent. „Das ist deutlich weniger als bei Existenzgründungen, wo in etwa vier von zehn Gründungen auf Frauen entfallen“, sagt Fiehler.

SZ

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