Dresden. In vielen Dresdner Restaurants bedienen sie Gäste, in Krankenhäusern kümmern sie sich beispielsweise um die Essensversorgung, auch in Supermärkten sind mehr und mehr Mitarbeiter beschäftigt, die ausländische Wurzeln haben. In vielen Branchen, aber insbesondere in der Dresdner Gastronomie, wäre ohne sie die Arbeit kaum noch zu bewältigen.
Die Zahl der beschäftigten Ausländer in Dresden wächst weiter, ihr Anteil ist bis Mitte 2025 auf 10,1 Prozent gestiegen, wie die Chefin der Dresdner Agentur für Arbeit, Gerlinde Hildebrand, in einem Interview erklärte. Mittlerweile hat in Dresden fast jeder dritte Betrieb Mitarbeiter mit ausländischem Pass.
Auch bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) und ihrem Tochterunternehmen DVS mbH sind inzwischen Mitarbeitende aus 28 Nationen im Einsatz. Sie fahren Busse und Bahnen, übernehmen aber auch andere Aufgaben. Während bei den DVB der Anteil mit 58 ausländischen Kollegen gegenüber 2064 deutschen noch relativ gering ist, kommt bei der DVS mehr als jeder vierte der insgesamt 171 Mitarbeiter nicht aus Deutschland.
Iranischer Busfahrer als Quereinsteiger
Einer davon ist Ashkan Hessami. Der 34-jährige Iraner kann sich noch genau an seine erste Fahrt am 4. Dezember 2019 erinnern. „Es war die Linie 66 in Richtung Nickern, als ich um 14.26 Uhr einen Kollegen abgelöst habe. Das vergesse ich nie“, sagt er und lächelt. Gerade mal zwei Monate war er da als Quereinsteiger bei der DVS. „In dieser Zeit habe ich enorm viel gelernt, es war eine harte, sehr intensive Zeit.“
Eigentlich hatte sich Hessami als Straßenbahnfahrer beworben, wurde aber abgelehnt. Kurz danach fragten ihn die Verantwortlichen bei der DVS, ob er sich vorstellen könnte, Bus zu fahren. „Ich war so aufgeregt vor dem Bewerbungsgespräch. Aber dann verlief es in so lockerer Atmosphäre, so etwas hatte ich noch nie erlebt.“
Deutsch ist Amtssprache und Integration ist für mich, dass ich mich anpasse und keine deutschen Kollegen von der Unterhaltung ausschließe. – Ashkan Hessami, Busfahrer bei der DVS
Inzwischen sitzt Ashkan Hessami nur noch selten hinter dem Lenkrad, sondern viel öfter im Büro an der Tiergartenstraße. Er ist als Fahrerbetreuer bei der DVS für die Dienstbesetzung verantwortlich und fungiert als Ansprechpartner für die Fahrer. In der anderen Hälfte seiner Arbeitszeit ist der Iraner Integrationsbeauftragter. Und hat sich dabei auch schon wundern müssen.
„Vor etwa einem Jahr habe ich eine Mail an unsere ausländischen Kollegen geschrieben, dass es doch schön wäre, wenn sie sich bei der Ablösung und in den Pausenräumen auf Deutsch unterhielten.“ Das kam leider gar nicht gut an. Unverständlich für ihn. „Deutsch ist Amtssprache und Integration ist für mich, dass ich mich anpasse und keine deutschen Kollegen von der Unterhaltung ausschließe.“ Auch für die Kommunikation mit Fahrgästen sei es enorm wichtig, Deutsch zu sprechen.
Deutsche Sprache als Grundlage
Das gute Beherrschen der deutschen Sprache ist eines der Hauptkriterien für die Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter. Nicht nur bei den Dresdner Verkehrsbetrieben und ihren Tochterfirmen müssen Bewerber einen Sprachnachweis auf dem Niveau B2 erbringen. Auch in den beiden bekannten Dresdner Hotels Occidental Newa und Bilderberg Bellevue ist das der Mindeststandard.
Wie sollte es auch anders gehen, arbeiten doch in beiden Hotels rund 19 Prozent Kollegen, die nicht aus Deutschland stammen. Im Newa sind es vor allem Venezolaner, die Arbeit in der Küche, im Service und an der Rezeption gefunden haben. Weitere Mitarbeiter stammen aus Simbabwe, Algerien, der Türkei, Russland, Vietnam, Brasilien, Spanien und Indonesien.
„Damit sich alle verstehen, haben die deutschen Kollegen ein offenes Ohr und integrieren die Kollegen sehr gut“, sagt General Manager Eckart Pfannkuchen. Aber er weiß auch, dass Sprache die größte Herausforderung beim gemeinsamen Arbeiten ist.
Im Hotel Bilderberg Bellevue helfen sich die ausländischen Beschäftigten aus zehn verschiedenen Ländern, darunter Nepal, Albanien, Marokko oder Tschechien, durchaus auch mal auf Englisch, wenn es nicht weitergeht. „Die ausländischen Kollegen arbeiten in allen operativen Bereichen am Gast – Küche, Housekeeping, Front Office sowie in Services wie Frühstücks- sowie Bankettservice und Bar“, sagt Hotelchef Sebastian Klink. „Sie bereichern das Miteinander im Team und fördern unsere interkulturelle Kompetenz.“
Mitarbeitende aus 98 Nationen am Uniklinikum
Eine besondere Vielfalt Beschäftigter mit ausländischen Wurzeln gibt es am Uniklinikum Dresden. Dort arbeiten, forschen und lehren Menschen aus 98 Nationen. Während von den 7462 Mitarbeitenden im Klinikum fünf Prozent eine andere Nationalität haben, liegt der Anteil an der Medizinischen Fakultät bei knapp 20 Prozent. „Im Klinikum sind ausländische Beschäftigte in nahezu allen Bereichen tätig – Patientenversorgung, Pflege, Medizin, Verwaltung“, sagt eine Sprecherin.
Für potenzielle Pflegekräfte bietet das Klinikum eine Unterstützung in Form von Anerkennungskursen und Kenntnisprüfungen an. Dies betrifft Pflegekräfte, die bereits hier in Sachsen sind. Sie müssen einen Defizitbescheid vom Kommunalen Sozialverband haben und die berufliche Anerkennung absolvieren.
Arbeitsmarkt auf Zuwanderung angewiesen
Ashkan Hessami hat als Busfahrer seinen Traumjob gefunden, wie er sagt. „Du bist King of the Road. Bei schönem Wetter mit der Linie 61 über den Schillerplatz und die Grundstraße weiter zum Fernsehturm – etwas Besseres gibt es nicht.“
Und auch die Verantwortlichen bei den Dresdner Verkehrsbetrieben haben gute Erfahrungen mit den Mitarbeitenden aus anderen Ländern gemacht. In der Vergangenheit habe es Patenschaften für neue Mitstreitende gegeben. „Das kam gut an und hat das gegenseitige Verständnis im Job, aber auch im täglichen Leben erhöht“, sagt ein Sprecher.
Ohne Arbeitskräfte mit ausländischen Wurzeln wird es künftig in fast allen Bereichen nicht mehr gehen. Der sächsische Arbeitsmarkt sei auf Zuwanderung angewiesen, hatte erst vor wenigen Tagen der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Klaus-Peter Hansen, gesagt.
In Sachsen scheiden mehr Menschen altersbedingt aus dem Berufsleben aus, als junge Arbeitskräfte nachwachsen. Laut der Regionaldirektion könne in den kommenden fünf Jahren jeder Dritte der rund 180.000 Altersabgänge wegen fehlenden Nachwuchses nicht nachbesetzt werden.
SZ


