Leipzig. Wer in den „Götterflug“ steigt, sollte schwindelfrei sein – und die Rotation lieben. Immerhin geht es im Fahrgeschäft 22 Meter in die Höhe, und wer will, kann seinen Sitz bis zum Überschlag steuern. Doch genau darauf müssen Belantis-Fans nun verzichten: Der Freizeitpark schließt die Attraktion vorübergehend und kündigt das Comeback erst für 2027 an. Der Grund dafür markiert den Beginn einer neuen Ära im Leipziger Neuseenland: An dieser Stelle entsteht eine neue Achterbahn. Die Transformation des Parks nimmt an Fahrt auf – und befeuert die Spekulationen: Was wird das für eine Anlage? Und was verrät sie über die Zukunft des Parks?
Fest steht: Für Belantis hat seit der Übernahme durch den französischen Park-Giganten Compagnie des Alpes (CdA, Umsatz 2025: 1,4 Milliarden Euro) eine neue Zeitrechnung begonnen. Jahre des Stillstands? Vergessen – plötzlich herrscht Euphorie. Fabian Richter, Geschäftsführer des Unternehmens Freizeitpark Consulting und bestens vernetzt in der Branche, bringt die Stimmung auf den Punkt: „CdA legt direkt los: Belantis investiert und startet mit dem ersten, kleinen Bereich. Und so wird es weitergehen. Bis 2030 wird der Park umgekrempelt – es geht Schlag auf Schlag. Das ist schon beeindruckend.“

Quelle: Kempner
Belantis Leipzig: Neue Ära beginnt
Dann soll auch der Name fallen. CdA-Deutschlandchef Filip De Witte hat das Ziel klar formuliert: „Klar ist, dass wir Belantis 2030, spätestens 2031 in Asterix Park Deutschland umbenennen werden.“
Damit wird aus Belantis der erste Park Asterix außerhalb Frankreichs – bis zu 100 Millionen Euro will CdA in den kommenden Jahren investieren. Branchenberater Fabian Richter betont: „Es gibt auch keine Alternative zu dieser Investitionsoffensive: Wenn man das Besucherziel erreichen will, muss etwas passieren – anders geht es nicht.“ Der neue Eigentümer will die Ticketverkäufe von zuletzt rund 300 000 auf 900 000 bis zu einer Million Besucher pro Jahr hochschrauben.
Die neue Achterbahn bildet auf diesem Weg die entscheidende Weichenstellung. Zeichnungen und Animationen, die in der Freizeitparkszene kursieren, zeigen den Bahnverlauf. Belantis selbst will sich auf Anfrage nicht zur Achterbahn und zu weiteren Fragen äußern. Die Grafik hat CdA nach Recherchen dieser Zeitung Investoren im Zuge einer Präsentation in Frankreich gezeigt.

Quelle: Compagnie des Alpes
Kommt der Multi-Launch-Coaster?
Der Blick auf die Grafik zeigt, dass die neue Achterbahn rund um den vorübergehend gesperrten „Götterflug“ im östlichen Teil des Parks verläuft. Branchenkreise gehen davon aus, dass es sich um einen sogenannten Multi-Launch-Coaster handelt – eine Anlage, die ihre Züge wie aus dem Katapult mehrfach auf der Strecke beschleunigt. Aus Sicht von Freizeitpark-Fans wäre es eine Investition, die den Park auf ein neues Level hebt.
Freizeitpark-Experte Fabian Richter hält das für glaubwürdig. Es sei absolut realistisch, dass dieser Achterbahntyp in Belantis gebaut werde, sagt er. „In der Branche gibt es Gerüchte, dass Gerstlauer die Achterbahn liefert – also ein bekannter deutscher Hersteller. Multi-Launch-Coaster sind aus anderen Parks bekannt und absolut zeitgemäß.“
Bis 2030 wird der Park umgekrempelt – es geht Schlag auf Schlag. Das ist schon beeindruckend. – Fabian Richter, Unternehmensberater und Branchenexperte
Neuer Themenbereich schon in diesem Jahr
Da der Wagen immer wieder angeschossen wird, brauche es zudem keinen Lift mit 30 oder 40 Metern Höhe. Das Unternehmen Gerstlauer, das als möglicher Hersteller der Achterbahn kursiert, äußerte sich auf Anfrage nicht. Der französische Mutterkonzern peilt nach Angaben aus dem Dezember jedoch noch für dieses Jahr den Baubeginn an, 2027 sollen die ersten Passagiere einsteigen.
Im Frühjahr eröffnet zunächst der neue Themenbereich „Idefix’ Abenteuerland“. Zum Start in die Saison am 28. März, so geht aus der Belantis-Website hervor, ist der Bereich aber nicht sofort zugänglich.

Quelle: Wolfgang Sens
Vier Attraktionen hat der neue Parkbereich, hinzu kommt ein Restaurant. Unter den Attraktionen ist eine 86 Meter lange Mini-Wasserbahn, wie das Unternehmen auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben hat. Bei einem weiteren Fahrgeschäft können Kinder durch Treten in die Pedale rund um einen Hinkelstein an Höhe gewinnen. Ein Spielplatz und ein Foto-Point sind ebenfalls angekündigt – alles im Asterix-Stil. Weitere Details nennt Belantis bisher nicht.
Die Stadt Leipzig bestätigt, dass die Baugenehmigung für „mehrere neue Fahrgeschäfte in Belantis“ im Februar erteilt worden ist. Für die neue Achterbahn allerdings liegt in Leipzig bisher kein Antrag vor.
Experte: „Tempo ist beeindruckend“
Dass die Transformation mit „Idefix’ Abenteuerland“ beginnt, ist kein Zufall: Große Hersteller brauchen zwei bis drei Jahre Vorlaufzeit – schnell lieferbare Fahrgeschäfte kommen zuerst. Branchenkenner Richter ordnet ein: „Insofern ist es schon beeindruckend, dass die Bauarbeiten für die neue Achterbahn scheinbar schon in diesem Jahr starten.“
In der neuen Saison dreht Belantis zudem an den Öffnungszeiten. In der Hauptsaison soll der Park demnach durchgehend öffnen, in der Nebensaison an fünf Tagen in der Woche statt an drei Tagen – und jeweils länger als bisher: bis 17 Uhr in der Nebensaison, bis 18 Uhr in der Hauptsaison. CdA-Manager De Witte begründete das schlicht: „Uns ist Einheitlichkeit wichtig, der Kunde möchte das.“ In der Branche wird das als klare Investition in Belantis gewertet: Eigentlich ist der Trend ein anderer, führen viele Parks Schließtage ein.

Quelle: Belantis
Mehr Jobs bei Belantis erwartet
Doch ein Selbstläufer ist die Park-Transformation nicht. Die größte Herausforderung sieht Branchenberater Richter darin, „das Personal auf das Niveau zu heben, das sich CdA wünscht. Man sieht jetzt schon, dass überall Stellen ausgeschrieben sind.“ Denn wer bis zu eine Million Besucher bewältigen will, benötigt massiv Personal. Wie viel, zeigt ein Blick in die Branche: Der Heide-Park in Niedersachsen beispielsweise beschäftigt in der Hauptsaison rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für Belantis sind keine aktuellen Zahlen bekannt, gemessen an der Besucherzahl dürften es aber weniger Menschen sein. „Anlagen zu bauen, kann jeder, der das Geld hat – aber sie in hoher Qualität zu betreiben, ist die schwierige Aufgabe“, betont Richter.


