Leipzig. Bestandskunden von EnviaM können etwas durchatmen: Trotz des Angriffs auf den Iran, blockierter Seewege und gestiegener Kosten will Ostdeutschlands größter Energieversorger die Preise für Gas und Strom nicht erhöhen. Das gelte bis Jahresende, so Vertriebsvorstand Wolfgang Wirtnik. Möglich sei das, da man Energie an den Märkten für drei Jahre im Voraus eingekauft habe.
Anders sehe es bei Neukunden aus. Für Gas müssten sie derzeit mit 10 bis 15 Prozent höheren Preisen rechnen. EnviaM beliefert rund 1,1 Millionen Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg sowie Thüringen mit Strom, Gas, Wärme und schnellem Internet.
Anschlussboom von Photovoltaikanlagen
Die Energiekrise beflügelt den Ausbau der Erneuerbaren. Laut EnviaM-Vorstandschef Stephan Lowis verzeichnet man derzeit einen regelrechten Anschlussboom. Täglich gingen bei dem Tochterunternehmen Mitnetz mehr als 100 Anfragen zu Netzanschlüssen ein. Vor fünf Jahren hatte man so viele Anfragen in einem Monat. „Das reicht von kleinen Photovoltaikanlagen auf dem Dach bis zu großen Rechenzentren.“ Mitunter müssen Kunden Monate bis Jahre warten, bis sie angeschlossen werden können.
Lowis kündigte in diesem Zusammenhang Rekordinvestitionen in den Ausbau der Netze an, um mit der wachsenden Nachfrage Schritt halten zu können. Zugleich begrüßte er Vorhaben der Bundesregierung, die Energiewende besser zu steuern und so die Kosten für die Verbraucher zu senken.
In einigen Gebieten macht es keinen Sinn, weitere Windkraft- und Solaranlagen aufzustellen, denn schon jetzt wissen wir, dass sie abgeregelt werden müssen. – Stephan Lowis, EnviaM-Vorstandschef
„In einigen Gebieten macht es keinen Sinn, weitere Windkraft- und Solaranlagen aufzustellen, denn schon jetzt wissen wir, dass sie abgeregelt werden müssen“, sagte Lowis. Das dürfe nicht sein. Deshalb stehe er hinter dem Plan von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die das ändern wolle.
Mehr Verbrauch sorge ebenfalls für eine Entlastung der Netze. Deshalb begrüße man bei EnviaM die Anfragen von Großverbrauchern, im Versorgungsgebiet Rechenzentren und Industrieanlagen zu errichten. Konkret nannte Vorstandschef Lowis die Neuansiedlung von zwei großen Datenzentren von Amazon und der Schwarz-Gruppe in Brandenburg. Zu vier weiteren Großprojekten liefen Verhandlungen.
Projekte zum Bau neuer Stromspeicher gebe es ebenso. Das entlaste gleichfalls die Netze, so der EnviaM‑Chef. Allerdings führe derzeit kein Weg an der Errichtung neuer Gaskraftwerke vorbei, um die Stromversorgung in Deutschland sicherzustellen. Die neuesten Batterien würden Strom für maximal acht Stunden speichern können. Es gebe allerdings Dunkelflauten, in denen Wind- und Solaranlagen kaum Strom produzieren, von mehreren Tagen. Da helfe keine Batterie.
EnviaM und das Tochterunternehmen Mitgas haben 2025 deutlich mehr Gas abgesetzt: 8450 Gigawattstunden (2024: 7300 GWh). Bei Strom ging die Menge dagegen von 7803 auf 6717 Gigawattstunden zurück. Da das Geschäftsergebnis auf 363,7 Millionen (2024: 353,3 Millionen Euro) gestiegen ist, könne man den Aktionären, darunter 650 ostdeutsche Kommunen, eine erhöhte Dividende von 0,72 Euro pro Aktie auszahlen.


