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Ermittlungen gegen Berliner Staatssekretär in Dresden: Matthias Hundt bittet um Entlassung

Er war Manager bei Dresden-Information und wollte Digitalchef in Sachsen werden. Jetzt ist er es in Berlin, doch Matthias Hundt hat juristische Probleme in seiner alten Heimat. Nun bat der Staatssekretär für Digitalisierung um seine Entlassung.

Lesedauer: 3 Minuten

Ein Bild aus früheren Zeiten: Matthias Hundt, Ende der 2010er-Jahre noch als Prokurist der Dresden-Information tätig, wirbt mit einem übergroßen Striezeltaler für den Striezelmarkt. Quelle: imago stock&people

Ulrich Wolf und Deutsche Presse-Agentur dpa

Dresden/Berlin. Der erst seit Mitte März amtierende Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung beim Berliner Senat, der gebürtige Dresdner Matthias Hundt, tritt zurück. Er habe den Regierenden Bürgermeister gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, teilte er am Dienstag mit. Eine Senatssprecherin sagte, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) werde der Bitte entsprechen.

Er habe sein Amt angetreten, um in Berlin etwas zu verändern, erklärte Hundt. „Die aktuelle Medienkampagne lässt mir hierzu keine Chance.“ Er sprach von einer unerträglichen Belastung für sich und seine Familie.

Zuvor war der ehemalige Prokurist bei der Tourismuszentrale Dresden Information GmbH durch Berichte von MDR und RBB unter Druck geraten. Die Staatsanwaltschaft Dresden bestätigte die Recherchen der Rundfunkanstalten, wonach man nach der Pleite einer früheren Hundt-Firma „wegen verschiedener Insolvenzstraftaten“ ermittle. Weitere Details nannte die Behörde nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

In dem Verfahren geht es um die SDC Sachsen Digital Consulting GmbH, deren Geschäftsführer und Mitgesellschafter Matthias Hundt war. Über das Vermögen der SDC Consulting hatte das Amtsgericht Dresden am 25. November 2025 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Es bestimmte den Wirtschaftsanwalt Tim Brune von der Großkanzlei White & Case zum Verwalter. Der Jurist sagte, es sei ein nicht öffentliches Verfahren, er äußere sich deshalb nicht.

Hundts Anwalt sagte, sein Mandant habe sich mit allen wesentlichen Beteiligten, die von der Insolvenz betroffen sind, geeinigt. „Weshalb und gegen wen die Staatsanwaltschaft ermittelt, erfahren wir leider nicht. Mein Mandant hat sich jedenfalls nichts zuschulden kommen lassen.“

Der 57-jährige Dresdner ist seit wenigen Monaten Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung in Berlin. Dass ein Staatssekretär nach nur gut zwei Monaten im Amt zurücktritt, kommt fast nie vor. Schule und Studium absolvierte Hundt in Dresden. Auf seinem Instagram-Account zeichnet er das Bild eines polyglotten Machers, mit US-Militärs, Scheichs und Politikern wie Michael Kretschmer, Mario Voigt, Jens Spahn oder Philipp Amthor.

Kein Spitzenjob in Sachsen

Von 2013 bis 2018 arbeitete er bei der Dresden Information GmbH als Prokurist. Im Herbst 2019 übernahm er 50 Prozent an der SDC Consulting sowie den Geschäftsbetrieb. Vom Herbst 2023 gehörte ihm die Firma über eine gemeinsam mit einer Unternehmerin gegründete Beteiligungsgesellschaft. Zwei Jahre später erfolgten Insolvenz und Liquidation.

Zwischenzeitlich wollte Hundt, der an der TU Dresden Betriebswirtschaft studierte, Chef der staatlichen Digitalagentur Sachsen (Dias) werden. Der Freistaat schloss ihn jedoch vom Bewerbungsverfahren aus. Er klagte dagegen, verlor aber das Eilverfahren im Juli 2022 vor dem Verwaltungsgericht Dresden. Er habe weder ein Arbeitszeugnis vorweisen noch belegen können, dass er die englische Sprache sicher beherrscht, hieß es. Beides war jedoch Voraussetzung für den Posten. Hundts Berufung wies das Oberverwaltungsgericht zurück.

Mein Mandant hat sich nichts zuschulden kommen lassen. – Anwalt von Matthias Hundt

Nach Angaben von MDR und RBB hatten zwei Krankenkassen wegen ausbleibender Sozialabgaben den Insolvenzantrag bei der SDC Sachsen Digital Consulting GmbH gestellt. Jedoch lag offensichtlich bereits im Jahresabschluss 2021 eine Überschuldung in Höhe von fast 340.000 Euro vor, die durch einen entsprechenden Gewinn 2022 ausgeglichen wurde. Wörtlich heißt es: „Die Ergebnisverwendung ist gemäß Gesellschaftsvertrag von einem Beschluss der Gesellschafter abhängig. Da dieser Beschluss noch nicht vorliegt, wurden 391.327,44 € als Gewinnvortrag im Eigenkapital ausgewiesen.“ Die Offenlegung erfolgte im August 2024. Neuere Abschlüsse sind nicht veröffentlicht.

Mit einer Firma in Sachsen noch aktiv

Hundt ließ MDR und RBB über seinen Anwalt mitteilen, es habe „Uneinigkeit über die Berechtigung relativ geringfügiger Krankenversicherungsbeiträge“ bestanden. Inzwischen habe man sich mit den Krankenkassen geeinigt. Ursache der Insolvenz sei vielmehr der Konkurs eines Großkunden gewesen.

Die von dem Spitzenbeamten gemeinsam mit einer Dresdner Unternehmerin gehaltene Beteiligungsgesellschaft HubroCo GmbH ist seit Januar dieses Jahres ebenfalls bankrott. Dort reichte das Vermögen nicht aus, um die Verfahrenskosten zu decken.

Im Jahr 2020 präsentierte Hundt als Geschäftsführer der Sachsen Digital Consulting GmbH in Döbeln einen Laserscanner zur Vermessung von Klassenräumen.
Im Jahr 2020 präsentierte Hundt als Geschäftsführer der Sachsen Digital Consulting GmbH in Döbeln einen Laserscanner zur Vermessung von Klassenräumen.
Quelle: Dietmar Thomas

Zudem läuft seit Juni 2025 beim Amtsgericht Leipzig eine Insolvenz über das Vermögen des inzwischen liquidierten IT-Unternehmens Humboldt Capture Germany GmbH, an dem Hundt ebenfalls beteiligt war und dessen Geschäfte er bis November 2024 geführt hatte.

Aktiv ist der Staatssekretär in Sachsen lediglich noch mit der ebenfalls 2019 gegründeten SDC Sachsen Digital Solutions GmbH. Dort ist Hundt alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer.

Der Zweck der Firma lautet: „Planung, Errichtung und Vertrieb von Breitband-Infrastrukturen“. Ein Hinweis auf diese sowie auf die insolvente SDC-Consulting-Firma fand sich im von der Senatskanzlei veröffentlichten Lebenslauf zu ihrem kurze Zeit tätigen Spitzenbeamten nicht.

SZ

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