Görlitz. „Das ist doch der geilste Arbeitsplatz, den es gibt, oder?“ Younes Polenz hat eines der Ausgabefenster seiner neuen Strandbar Berzi Beach geöffnet. Von hier aus hat man den direkten Blick auf Strand und Berzdorfer See.
Anfang Mai öffnete das Berzi Beach. Der Start in seine erste Gastro-Saison am Nordsoststrand des Berzdorfer Sees sei gut gelaufen, erzählt Polenz. „Am besucherstärksten waren bislang die Pfingsttage, da hatten wir beim besten Willen keine Zeit für den schönen Ausblick.“ Nach der Vorgeschichte, dem „Strandbar-Streit“ im Frühjar, ist er darüber aber auch erleichtert.
Für Urlaubsgefühle: So sieht die neue Strandbar aus

Quelle: Martin Schneider
Younes Polenz steht hinter dem Unternehmen NY One, mit welchem er unter anderem auch das Restaurant „Blaue Lagune“ im Süden des Berzdorfer Sees betreibt. Ende vorigen Jahres hatte er den Zuschlag erhalten für den von der Stadt Görlitz ausgeschriebenen Betrieb einer Strandbar am Norddoststrand des Berzdorfer Sees. In den vergangenen Wochen und Monaten liefen die Aufbauarbeiten.
Die Küche und Technik sind in zwei großen Containern untergebracht, die für die schönere Optik mit Folie umspannt sind. Davor, in Richtung Wasser, erstreckt sich die Terrasse. In einem Teil sind Stehtische und Barhocker aufgestellt. Teils stammen sie von Brauereien, „die ich mit Urlaub verbinde. Ich hatte ihnen mein Konzept vorgestellt und sie haben es unterstützt.“

Quelle: Martin Schneider
In einem zweiten Teil stehen Holzsessel und Holzbänke mit blauen Kissen – sie wurden extra für die Strandbar von einem Holzbauer aus dem Bautzener Raum angefertigt.
Neuerung am Nordoststrand: Strandbetten
Die Möbel, die großen Sonnenschirme, die Palmen am Rand der Terrasse – ein rustikal-mediteranes Flair hatte Polenz sich für die Strandbar vorgestellt. „Das Gewicht der Sessel verleitet auch nicht so dazu, großartig umzuräumen und womöglich Wege für das Personal zu verstellen“, erklärt er. „Aber wenn es jemand schafft, einen Sessel zum Wasser zu schleppen, dann hat er sich auch verdient, dort zu sitzen“, scherzt er.

Quelle: Martin Schneider
Eine Neuerung am Nordoststrand: Vor der Strandbar stehen Bettgestelle, auch diese stammen von dem Möbelbauer. Die Auflagen fehlen noch, aber künftig gedacht sind die Strandbetten für Besucher, die den ganzen Tag am See verbringen und ein eigenes Fleckchen wollen. „Wir dachten vor allem an Familien, Paare oder kleine Freundeskreise als Nutzer“, erzählt Polenz. Für 20 Euro pro Tag kann man ein Strandbett anmieten.
Fertig sind inzwischen die Toiletten. Zu wenige und zu störanfällige Toiletten am See – das ist schon lange ein Thema. Wenn in zwei Jahren die Strandpromenade umgestaltet wird, ist auch ein festes Gebäude unter anderem mit einer WC-Anlage vorgesehen. Bis dahin aber war eine andere Lösung nötig. So war eine größere Toilettenanlage eine der Bedingungen in der Strandbar-Ausschreibung der Stadt.
Polenz bestellte einen Container mit drei Damen- und zwei Herrentoiletten. Das Problem: Es gibt an dem Standort keinen Wasseranschluss, das war auch bei den früheren Strandbarbetreibern immer ein Thema. Deshalb stehen neben dem WC-Container große Wasserbehälter, die mit einem Pumpsystem mit der Toilettenanlage verbunden sind. Zum Strandbar-Bild passt dieser Aufbau zwar nicht so recht, „aber er hat sehr hohe Kapazitäten.“ Allerdings wurde am vergangenen Wochenende ein Teil der Pumpe gestohlen.
Am besucherstärksten waren bislang die Pfingsttage, da hatten wir beim besten Willen keine Zeit für den schönen Ausblick. – Younes Polenz, Betreiber der Strandbar
Auch in dem Gastro-Container der Strandbar arbeitet Polenz für eine kleine Spüle und die Zubereitung von Getränken mit Wassercontainern und verschiedenen technischen Systemen. „Teils haben wir ganz schön getüftelt.“ Gerne hätte Polenz eine Spülmaschine eingebaut, um statt Einweggeschirr Mehrweggeschirr anbieten zu können, „aber leider haben wir nicht genug Raum für die nötigen Wassertanks und Technik.“
„Das Thema Müll habe ich unterschätzt“
Dass kein Wasseranschluss da ist, wusste Polenz vorher. „Unterschätzt hatte ich dagegen das Thema Müll.“ Zunächst erzählt er, dass er für die Strandbar das „Mülltonnen-Standard-Repertoire“ bestellt hatte. „Aber wenn viel los ist, reicht das bei Weitem nicht.“ Denn nicht nur Strandbar-Besucher, sondern auch andere Seegäste nutzen die Mülltonne des Berzi Beach, hat Polenz rasch festgestellt.
Immer wieder kam in den vergangenen Jahren Kritik auf, es gebe entlang des Nordoststrandes zu wenig Mülleimer. Polenz ist geneigt, der Kritik zuzustimmen. Die andere Seite: Früher gab es große Müllcontainer am Nordoststrand – die dann jedoch immer wieder genutzt wurden, um beispielsweise Sperrmüll zu entsorgen. Polenz hat jetzt erst mal die Mülltonnen zu Müllcontainern aufgerüstet.
Insgesamt blickt er positiv auf den Start. „Das Gästeaufkommen ist sehr gut, besonders natürlich bei schönem Wetter.“ Geöffnet ist die Strandbar unter der Woche von 14 bis 19 Uhr und am Wochenende von 11 bis 20 Uhr. Unter der Woche „kommen oftmals Görlitzer nach dem Feierabend zu uns, am Wochenende sehen wir viele Gäste von außerhalb.“
Wie angekündigt gibt es regelmäßig Mini-Veranstaltungen, zum Beispiel mit DJs. „Bei der Speisekarte sind wir noch variabel und schauen, was angenommen wird und was nicht“, schildert Younes Polenz. „Ein paar Anlaufschwierigkeiten hatten wir allerdings leider bei den Abläufen“, räumt er ein.
War viel los, seien am Anfang vereinzelt Warteschlangen und auch Ärger bei Gästen aufgekommen. Im Berzi Beach arbeiten Mitarbeiter von der Blauen Lagune sowie Mitarbeiter, die neu in der Gastro-Branche sind. „Wir mussten uns erst ein bisschen einspielen.“
Strandbar-Streit hat noch Auswirkungen
Bei all der Arbeit ist der Streit von Jahresbeginn beinahe vergessen. Bei der alle drei Jahre stattfindenden Ausschreibung für den Strandbarbetrieb hatten sich auch die früheren Betreiber erneut beworben, aber dieses Mal nicht den Zuschlag erhalten. Sie wollten das nicht hinnehmen, versuchten juristisch gegen die Vergabe vorzugehen. Die Strandbar wurde zum Politikum. Ende März bauten die früheren Betreiber ihre Strandbar am Nordoststrand ab und zogen auf ein Privatgelände am Nordstrand.
„Ich denke nicht, dass wir uns gegenseitig etwas wegnehmen“, sagt Younes Polenz. Dafür sorgen schon die unterschiedlichen Standorte der beiden Strandbars. „Zumindest teils sprechen wir auch ein unterschiedliches Publikum an.“
Allerdings sorgte der „Strandbar-Streit“ für Verzögerungen bei Polenz. Termine mit Handwerkern und Lieferanten musste er verschieben. „Das war oft schwierig, weil die Gewerke natürlich später andere Aufträge in ihren Büchern stehen hatten. Daher ist noch nicht alles fertig.“ Ein wenig wird sich das Bild des Berzi Beach noch ändern, zum Beispiel: Eine Dachterrasse ist auf den Strandbar-Containern vorgesehen. Dort könnte der Ausblick noch besser sein.
SZ


