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Lösung für die Baukrise? In Dresden entsteht ein Haus aus Holzbausteinen

Die Familie wächst, der Wohnraum wird zu klein und ein Umzug ist zu teuer: Eine Familie in Dresden-Pieschen hat ein Problem, das viele kennen. Auf ihr Haus bauen sie mit einem neuen Bausystem eine Etage darauf – in wenigen Wochen. Ein Modell der Zukunft?

Lesedauer: 4 Minuten

Sie haben die Holzbausteine verbaut: Moritz Lantzsch, Ludwig Jüschke, Dirk Hengst und Isabel Busch. Quelle: Matthias Rietschel

Moritz Schloms

Dresden. Für Till und seine Familie beginnt die Suche, die bei den nachhaltigen Holzbausteinen eines Start-ups endet, zunächst ganz pragmatisch. Ein drittes Kind ist unterwegs, die bisherige Wohnfläche von 80 Quadratmetern in einem Einfamilienhaus in Pieschen wird der Familie zu eng. Aber umziehen? Eigentlich wollen sie das schöne Haus und die Lage in Pieschen nicht aufgeben. „Wir haben zwar auch nach Häusern am Stadtrand gesucht, aber finden Sie in Dresden mal was“, sagt der 39-Jährige.

Die hohen Preise für Häuser und der Umzugsstress kommen hinzu. Also soll das bestehende Haus erweitert werden. Das Problem: Das Haus steht in einem Hinterhof. Um noch eine Etage draufzubauen, braucht es einen Kran, der die Baumaterialien über das Haus hebt. Und so kommt das Team rund um Projektleiter Dirk Hengst auf das deutsche Start-up Triqbriq.

Warum die Holzbausteine auf der Baustelle zum Einsatz kommen

Deren Ansatz ist simpel: Vorgefertigte Holzbausteine werden angeliefert und auf der Baustelle zusammengesteckt. So entstehen die Außenwände. Das System erinnert an Lego. „Bei einer anderen Bauweise hätten wir einen Kran vorn auf die Straße stellen müssen, die wäre gesperrt worden und wir hätten alles über das Vorderhaus heben müssen“, erklärt Dirk Hengst von der Dresdner Firma denk.mal.bau.

Doch für Hausbesitzer Till und seine Frau überzeugt auch die Klimabilanz des Unternehmens. „Ich wollte den Aufbau ohnehin aus Holz machen, weil man dann ein schöneres Raumklima hat“, sagt der 39-Jährige. „Natürlich mussten wir auf die Kosten schauen, aber der ökologische Aspekt ist natürlich ein Pluspunkt.“

Dirk Hengst auf der Baustelle in Dresden-Pieschen. Die Holzbausteine können vom Innenhof aus auf das Haus verladen werden.
Dirk Hengst auf der Baustelle in Dresden-Pieschen. Die Holzbausteine können vom Innenhof aus auf das Haus verladen werden.
Quelle: Moritz Schloms

Baubranche hat ein Klimaproblem

Angesprochen auf die Nachhaltigkeit sprudeln die Worte aus Triqbriq-Pressesprecher nur so heraus. „Die Baubranche hat ein riesengroßes Klimaproblem. Wenn wir so weiterbauen wie bisher, sprengen wir die Grenzen des Planeten“, sagt er und führt gleich aus, was er meint. „Wenn Beton ein Land wäre, dann wäre dieses Land nach China und den USA auf Platz drei der weltweiten Emittenten.“ Die Zementindustrie verursacht etwa acht Prozent der Treibhausgasemissionen.

Deswegen spielt der Holzbau eine zentrale Rolle in der Zukunft der Baubranche. „Unser mikro-modulares System ist nachhaltig, kreislauffähig und ermöglicht es erstmalig, Industrie- und Kalamitätsholz im mehrgeschossigen Rohbau verwendbar zu machen“, lässt sich der Vorstand des Unternehmens, Maximilian Wörner, zitieren. Etwa 40 Häuser wurden mit dem System des kaum fünf Jahre alten Unternehmens gebaut.

So funktioniert das Triqbriq-System

Laut Unternehmensangaben bestehen die Bausteine aus Massivholzelementen, die durch Buchenholzdübel verbunden werden und dabei vollständig auf künstliche Verbindungsmittel, wie Kleber oder Schrauben, verzichten. Der Aufbau gehe auch deshalb schneller, weil es anders als bei Beton keine Trocknungszeiten gebe.

Der Kreislaufgedanke des Unternehmens ist dabei folgender, wie Fricke auf der Baustelle erklärt: „Man kann die Wände hier komplett zurückbauen, wir nehmen die Holzbausteine zurück und diese können in einem weiteren Gebäude verbaut werden.“ Zwar stehe diese Form des Bauens noch ganz am Anfang, sei aber für die Zukunft ein wichtiger Faktor, ist er überzeugt.

Die Holzbausteine von Triqbriq.
Die Holzbausteine von Triqbriq.
Quelle: Matthias Rietschel

Ein Quadratmeter Holzbausteine kostet etwa 250 Euro netto. Auf der Baustelle kommen für die mehr als 600 Steine Kosten von etwas mehr als 20.000 Euro zusammen. Dafür spart sich das Team den Kran – und Zeit. „Wir haben Anfang Mai die Lieferung bekommen und einen Monat später bauen wir schon die Fenster ein“, sagt Dirk Hengst. Triqbriq wirbt mit einer „unkomplizierten und äußerst effizienten“ Montage.

Handwerker in Dresden mit Start-up zufrieden

Auch Zimmerermeister Ludwig Jüscke ist mit dem Tempo auf seiner Baustelle zufrieden: „In acht Wochen bauen wir hier 60 Quadratmeter neue Wohnfläche.“ Die Triqbriq-Bauweise hat er zuvor noch nie verwendet – ist aber überzeugt. „Das ist eine gute Sache“, lobt er.

Weil in dem Haus nicht alles rechtwinklig ist, musste sein Team für die Ecken sägen. „Da habe ich schon einen Verbesserungsvorschlag an das Unternehmen geschickt“, sagt er. Den hört sich auch Pressesprecher Lewin Fricke auf der Baustelle an.

Pressesprecher von Triqbriq: Lewin Fricke.
Pressesprecher von Triqbriq: Lewin Fricke.
Quelle: Matthias Rietschel

Die Baustelle hat an diesem Tag noch einen Besucher. Der Dresdner Bundestagsabgeordnete und gelernte Bauingenieur Kassem Taher Saleh (Grüne) lässt sich das Triqbriq-System zeigen und ist anschließend voller Lob: „Das ist die Zukunft des Bauens, und ich kann nur an die Baubranche appellieren, mehr von solchen Innovationen zu wagen.“ Für ihn ist vor allem das Nachverdichten und Bauen im Bestand ein wichtiges Thema, auch für Dresden, wo Wohnraum fehlt.

In Zukunft, glaubt er, wird immer mehr wie bei Triqbriq in großen Lagerhallen von Robotern vorgefertigt und auf der Baustelle verschraubt. Auch die Politik müsse den Weg dafür schaffen, indem der Rahmen für solche Bauweisen geschaffen werde. „Ich freue mich, wenn auch meine Heimat Dresden vorangeht und solche Projekte Praxis werden.“

SZ

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