Lohsa. Dunkle Regenwolken ziehen über der Straußenfarm auf. Die Tiere krallen sich in den Erdboden. „Je weiter weg das Gewitter ist, umso höher tragen sie den Kopf. Rückt es näher, ducken sie sich und rücken eng zusammen. Strauße sind empfindsame Wetteranzeiger“, sagt Enrico Gabel.
Der 52-Jährige ist Berufskraftfahrer und im Nebenerwerb Inhaber der „Straußenfarm an der Spree“ in Lohsa. Sie besteht seit 2005. Vor Ort leben heute 50 bis 60 Strauße. Den Grundstamm bilden die beiden Hähne Gustav und Paul sowie verschiedene Hennen. Die gezeugten Jungen verbleiben bis zum Alter von maximal 24 Monaten auf der Farm.
Robuste Weidetiere als Nischenprodukt
„Die Aufzucht und Fütterung verläuft ganz natürlich – ohne Hormone, ohne Leistungssteigerer, Tiermehl oder Antibiotika. Auch die Schlachtung der Tiere im Alter von zwei Jahren ist weitgehend stressfrei, direkt am Weidezaun, gleich im Freien“, sagt Enrico Gabel.
Seit früher Kindheit liebt der Lohsaer Tiere. Zu Hause hielt die Familie zunächst Kaninchen. Später kamen Enten, Hühner und Ziegen dazu. Vor rund 21 Jahren fing die Familie mit der Zucht von Straußen an. „Wir suchten damals ein Nischenprodukt“, erzählt Enrico Gabel. „Dafür eigneten sich Strauße als robuste Weidetiere.“
Strauße können bis 70 Jahre alt werden
Bis zu 70 Kilometer pro Stunde schnell können sie laufen. Strauße gehören – wie Haie, Krokodile und Schildkröten – zu den ältesten Tierarten in der Geschichte der Menschheit. Ihr Fleisch ist zart und wenig fetthaltig. Benediktinerin und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen (1098–1179) schrieb ihm sogar heilende Wirkung zu. Bis zu 70 Jahre alt kann ein Strauß werden. „Sowohl in freier Wildbahn als auch in der Obhut des Menschen“, sagt Enrico Gabel. „Strauße sind genügsame Tiere. Sie fressen vor allem Gras und Körner von Weizen, Hafer, Mais und weiteren Getreidearten.“
Strauße sind genügsame Tiere. Sie fressen vor allem Gras und Körner von Weizen, Hafer, Mais und weiteren Getreidearten. – Enrico Gabel, Chef der Straußenfarm in Lohsa
Bei der Aufzucht der Strauße bringt sich die gesamte Familie mit ein. Vater Wilfried (75) sorgt für die tägliche Fütterung. Er verantwortet viele kleine Bauarbeiten. Derzeit baut er einen weiteren Stall. Auch Hühner und Vögel gehören zur Farm. Seine Frau Barbara (73) hilft tatkräftig mit. Enrico Gabels Frau Manuela (55) ist gelernte Verkäuferin. Heute ist sie auf der Straußenfarm die einzige festangestellte Mitarbeiterin.
Die Familie hilft entscheidend mit
Enrico Gabels Tochter Kim-Laura (28), von Beruf Polizistin, unterstützt die Farm ebenfalls. Vor Ort sorgt sie zusammen mit Freund Melwyn (30), von Beruf auch Polizist, für die Ordnung, Sauberkeit und Fütterung. Ebenso bringt sich Enrico Gabels Sohn Philipp (33), von Beruf Disponent, tatkräftig ein. Dessen Frau Monique (41), von Beruf Büroangestellte, hilft ebenfalls mit, so oft sie kann.
Der Hof hat auch Einschränkungen zur Folge: „Auf große Urlaube verzichten wir. Denn stets muss jemand vor Ort auf der Farm sein“, sagt Enrico Gabel. „Dank unserer Familie können wir uns gegenseitig unterstützen und immer wieder abwechseln. Strauße prägen unser Familienleben.“
Führungen durch die Straußenfarm möglich
Oft rasten Radwanderer auf der Farm. Sie erfreuen sich an den Straußen und halten staunend inne. „Je nach Wunsch und Anmeldung organisieren wir Führungen“, sagt Enrico Gabel. „Urlauber, die hier Station machen, kommen bis aus Polen und Tschechien.“
Die Gäste wertschätzen den Service vor Ort. Straußenfleisch, Straußeneier und Straußen-Wurstwaren gibt es im Hofladen. Die Straußenfarm beliefert Gaststätten wie den „Speicher“ in Hoyerswerda und „Herzog’s Restaurant“ in Lohsa. Schwierige Zeiten wie die Corona-Pandemie und die Sperrung der Ortsdurchfahrt Lohsa hat die Straußenfarm gut überstanden. „Unsere Farm ist unser Beitrag zum Tourismus im Lausitzer Seenland“, sagt Manuela Gabel.
SZ


