Florian Reinke
Leipzig/Dresden . Weniger Ziele, weniger Abflüge, weniger Sitze – der Sommerflugplan 2026 beschert den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden den nächsten Rückschlag. Ausgerechnet in der Hauptreisezeit des Jahres bricht das Angebot nach Informationen von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung ein: Im Vergleich zur Vorsaison gibt es ab Leipzig acht Ziele weniger, und auch Dresden verliert eine Destination. Die von vielen ersehnten neuen Verbindungen? Fehlanzeige. Was Reisende mit Start des Flugplans Ende März erwartet – der Überblick.
Leipzig/Halle: Weniger Ziele und Sitzplätze
Ab Leipzig/Halle steuern die Airlines in der Zeit vom 29. März bis 24. Oktober regulär 21 Ziele an – 2025 waren es noch 29. Der Flugplan umfasse Ziele „in den gefragtesten Urlaubsregionen rund um das Mittelmeer, im Atlantik sowie am Schwarzen und Roten Meer“, erklärt Uwe Schuhart, Sprecher der Mitteldeutschen Flughafen AG.
Doch auch die Zahl der durchschnittlichen Abflüge pro Woche bricht voraussichtlich ein: In der kommenden Saison werden im Schnitt 159 erwartet, im Vorjahr waren es noch 187 – macht ein Minus von 15 Prozent. Wichtig ist: Es handelt sich um Planungsstände, die der Flughafenbetreiber vergleicht. Wie groß das Minus am Saisonende tatsächlich ausfällt, steht erst fest, wenn die realen Flugzahlen vorliegen. Der Flughafen betont daher, dass das reale Minus am Saisonende deutlich geringer ausfallen könnte, als die Planungsstände nahelegen.
Auch bei den Sitzplätzen, die Airlines im Schnitt pro Woche anbieten, steht ein Minus von 14 Prozent in der Bilanz: Rund 27.450 Sitze sind es im Schnitt pro Woche, im Vorjahr waren es rund 31.990.
Die Richtung deckt sich mit den Branchendaten: Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft weist beim Angebot für Leipzig zwischen Februar und Juli 2026 nur 72 Prozent des Vorkrisenniveaus aus. Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Erholung bei 91 Prozent. Leipzig fliegt dem schwachen deutschen Trend hinterher.
Welche Verbindungen ab Leipzig wegfallen – und was Neues kommt
Die Streichliste ist lang: Wizz Air fliegt nicht mehr nach Tirana und Bukarest. Freebird streicht Skopje und Enfidha, Marabu das portugiesische Faro – und auch Debrecen in Ungarn steht nicht mehr im Flugplan, wie Airport-Sprecher Schuhart bestätigt.

Der Neuzugang: Ab Ende Juni fliegt die türkische Ajet samstags nach Bodrum. Außerdem bauen Airlines ihr Angebot nach Hurghada, Gran Canaria und Griechenland aus. Der Veranstalter „momento“ by SZ Reisen* bietet zudem Sonderreisen nach Sizilien, Santorin und auf die Liparischen Inseln an.
Für Reisende bedeutet das: Leipzig/Halle entwickelt sich immer stärker zum Urlaubsflughafen. Wichtige Städteverbindungen sind zuletzt weggefallen – darunter Eurowings nach Düsseldorf, Ryanair nach London, Lufthansa nach München.
Die gute Nachricht ist aber: Die Anbindung an die Drehkreuze bleibt im Sommer 2026 stabil. Die Lufthansa fliegt viermal täglich nach Frankfurt, die Konzerntochter Austrian Airlines nach Wien – und Turkish Airlines in der Regel täglich nach Istanbul. Von dort aus erreichen Reisende Ziele weltweit.
Flughafen Dresden: Kaum Dynamik, aber mehr Mallorca
Eine echte Dynamik fehlt weiterhin am Flughafen der Landeshauptstadt: Im kommenden Sommer brechen die durchschnittlichen wöchentlichen Abflüge im Vergleich zum Planungsstand des Vorjahres von 101 um 18 Prozent auf 83 ein, das Sitzplatzangebot schrumpft um sieben Prozent. Die Zahl der regulären Ziele sinkt von 14 auf 13 – Air Cairo hat sich zurückgezogen, damit fällt Hurghada weg. Neu im ist Sommerflugplan sind hingegen Flüge nach Bozen, die laut Airport mittwochs und sonntags stattfinden.

Für Spanien-Urlauber gibt es immerhin eine gute Nachricht: Die Kapazitäten auf der beliebten Mallorca-Route wachsen. Ziele wie Antalya, Kos, Heraklion oder Rhodos bleiben erhalten, an den Drehkreuzen Frankfurt, München und Zürich sowie der Verbindung nach Düsseldorf ändert sich nichts. Sonderreisen des Anbieters „momento“ by SZ Reisen nach Barcelona, Zypern oder Sardinien federn den Angebotsrückgang etwas ab.
Anders als in Leipzig spielen Geschäftsreisende in Dresden eine größere Rolle. Doch gerade der Einbruch im innerdeutschen Verkehr hat den Standort hart getroffen. Die Zahlen sprechen für sich: Vor der Pandemie gab es bis zu drei tägliche Flüge nach Köln/Bonn und bis zu zwei nach Stuttgart – beide Strecken sind ersatzlos gestrichen. Nach Düsseldorf fliegen statt drei Maschinen am Tag noch sechs pro Woche.
Die Gründe und der Ausblick
Beide Flughäfen kämpfen mit denselben großen Problemen. Fliegen ab Deutschland ist für Airlines in den vergangenen Jahren drastisch teurer geworden: Vor allem Luftverkehrssteuer und die staatlichen Luftsicherheitsgebühren treiben die Kosten nach oben.
Für Billiganbieter wie Ryanair ist das eine schlichte Rechnung: Wer seine Maschinen günstiger in Polen oder Spanien stationieren kann, tut das. Leipzig und Dresden trifft das härter als andere, hing ihr Passagieraufkommen vor der Pandemie doch stark von genau diesen Billigfliegern ab. In Dresden ist deren Anteil von über 40 auf rund 6 Prozent eingebrochen, hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt analysiert.
Dazu kommt ein struktureller Nachteil der Landeshauptstadt: Wer ab Dresden fliegen will, kann nach Prag fahren. Am tschechischen Hauptstadtflughafen können Airlines deutlich günstiger operieren. Branchenberechnungen zeigen: Für einen Spanien-Flug ab Sachsen zahlen Airlines rund 4700 Euro an Abgaben und Steuern. Startet die Maschine in Prag, sind es 500 Euro.
Ryanair und easyJet: Rückkehr gerade nicht geplant
Eine schnelle Wende? Zeichnet sich in diesem Jahr nicht ab. Europas größter Billigflieger Ryanair erteilt einer schnellen Rückkehr nach Sachsen eine Absage: Es gebe keine konkreten Pläne für Leipzig oder Dresden, sagt Country-Manager Marcel Pouchain Meyer dieser Zeitung. Die angekündigte Senkung der Luftverkehrsteuer? „Ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Am Mittwoch will das irische Unternehmen aktuelle Pläne für Deutschland bekannt geben, „jedoch gibt es keine Neuigkeiten für Dresden und Leipzig“, betont Meyer.
Auch easyJet winkt ab. Country-Manager Stephan Erler teilt mit, dass es seit dem vergangenen Jahr keine neuen Planungen für Leipzig/Halle gebe. Nach Informationen dieser Zeitung aus Airlinekreisen sind beide sächsischen Airports derzeit kein Fokusthema – eher bauten Billigflieger an anderen Standorten neue Verbindungen auf.
Die Bundesregierung hat zwar beschlossen, die Luftverkehrsteuer zum 1. Juli 2026 zu senken. Die Mitteldeutsche Flughafen AG spricht von einem „guten ersten Schritt“, warnt aber: „Dieser Beschluss darf kein Endpunkt sein, sondern der Startschuss.“ Den laufenden Sommerflugplan rettet das ohnehin nicht mehr.
*Transparenzhinweis: „momento“ by SZ-Reisen gehört wie diese Zeitung zur Madsack-Mediengruppe.
Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, das Ziel Chania werde im Sommerflugplan nicht mehr angeflogen. Inzwischen hat der Flughafen klargestellt, dass das Ziel doch im Flugplan bleibt. Wir haben die entsprechende Stelle im Text korrigiert.


