Leipzig/Dresden. Ein Jahr nach dem Rekordverlust die Kehrtwende: Die Mitteldeutsche Flughafen AG hat nach Informationen von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung im vergangenen Jahr erstmals einen Gewinn erzielt. Unter dem Strich stand ein Überschuss in Höhe von 10,5 Millionen Euro – nach Jahren tiefer Verluste und harter Einschnitte an den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden.
2024 hatte die MFAG mit einem Verlust in Höhe von 53,5 Millionen Euro noch ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Jetzt folgt der Turnaround – und auch im laufenden Betrieb legte die Airport-Holding 2025 deutlich zu.
Trendwende eingeleitet – aber nicht abgeschlossen
„Wir haben zwei Drittel des operativen Sanierungswegs aus eigener Leistung erreicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende Götz Ahmelmann. „Die Trendwende ist damit eingeleitet – abgeschlossen ist sie aber erst mit der vollständigen Erreichung unseres Sanierungsziels.“
Zur Einordnung: Im Jahresüberschuss stecken 41,2 Millionen Euro Erstattungen des Freistaats Sachsen für Aufgaben wie Feuerwehr und Sicherheit. Für die Flughäfen sind es gesetzliche Pflichtaufgaben, aber kein Einnahmegeschäft. Der Freistaat übernahm 2025 die Kosten für die Jahre 2022 und 2023. Ohne diese Zahlung stünde unter dem Strich ein Verlust.

Quelle: Mayla Lüst
Tiefgreifende Sanierung – schwieriger Markt
Ahmelmann betonte, diese hoheitlichen Sicherheitsaufgaben seien staatliche Aufgaben. „Unsere operative Verbesserung haben wir unabhängig davon aus eigener Kraft erwirtschaftet.“
Die Trendwende ist eingeleitet – abgeschlossen ist sie aber erst mit der vollständigen Erreichung unseres Sanierungsziels. – Götz Ahmelmann, Vorstandsvorsitzender Mitteldeutsche Flughafen AG
Die Mitteldeutsche Flughafen AG steckt in einer tiefgreifenden Sanierung. Nachdem sich die finanzielle Situation vor rund zwei Jahren zugespitzt hatte, verlangten Banken ein Sanierungsprogramm. Sachsen und Sachsen-Anhalt sicherten als größte Anteilseigner zudem ihre finanzielle Hilfe zu.
Überdimensionierte Terminals, zwei Flughäfen in einem Bundesland mit unterdurchschnittlicher Kaufkraft und ein kriselnder deutscher Luftfahrtmarkt: Die Ausgangslage bleibt weiterhin schwierig.
Umsatz steigt – trotz sinkender Passagierzahlen
Dass die Sanierungsmaßnahmen wirken, zeigen die Zahlen. Im vergangenen Jahr stieg der bereinigte operative Überschuss vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – kurz EBITDA – von 6,5 auf 27,1 Millionen Euro. Diese Kennzahl zeigt, was der laufende Betrieb aus eigener Kraft erwirtschaftet. Das Ziel: eine operative Verbesserung von insgesamt rund 30 Millionen Euro. Zwei Drittel hat die MFAG nach eigenen Angaben erreicht.
Der Umsatz stieg um 8,2 Prozent auf 201,5 Millionen Euro – obwohl 2,5 Prozent weniger Menschen als im Vorjahr flogen. Maßgeblich sind der bis 2053 verlängerte DHL-Vertrag zu neuen Konditionen – und höhere Erlöse aus Luftverkehr, Vermietung und Parken. Passagiere spüren das direkt: Die Parkgebühren stiegen.
172 Stellen gestrichen
Der Großteil der Einsparungen passierte nach Konzernangaben im Hintergrund: Die MFAG verhandelte etwa Lieferanten- und Dienstleisterverträge neu und senkte Sachkosten. Wer fliegt, könnte den Sparkurs aber direkt bemerken: Die Flughäfen veränderten etwa Passagierwege und öffneten weniger Toiletten. Auch das Sponsoring pausiert – in den Anliegerkommunen des Flughafens Leipzig/Halle sorgte das für Ärger.
Harte Einschnitte gab es vor allem für die Beschäftigten: 172 Stellen hat die MFAG gestrichen, rund 60 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt. Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter kritisierten dies scharf und warnten vor steigender Belastung der verbleibenden Belegschaft.
Die MFAG will die Sanierung in diesem Jahr abschließen – vorausgesetzt, Wirtschaftsprüfer und Banken bestätigen die Fortschritte.
Zugleich übt sich die Vorstandsspitze in Erwartungsmanagement: „Sanierung ist kein Endpunkt. Auch nach ihrem formalen Abschluss müssen wir unser Unternehmen weiterentwickeln, um dauerhaft resilient und wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Ahmelmann.
Weniger Passagiere 2026 erwartet
Wie schwierig die Lage bleibt, zeigen die revidierten Prognosen für dieses Jahr. Für 2026 hatte das Management zuletzt mit 2,04 Millionen Passagieren in Leipzig/Halle und 0,85 Millionen Passagieren in Dresden geplant – bereits rund fünf Prozent weniger als im Vergleich zu 2025.
Doch mit dem Nahostkonflikt schlägt die nächste Krise auf die Branche durch. Zudem hat sich jetzt die Turkish Airlines aus Leipzig zurückgezogen. Daher geht man nach Informationen dieser Zeitung davon aus, dass die tatsächlichen Verkehrszahlen nochmals deutlich darunter liegen werden.
Turkish Airlines zog sich Anfang Mai aus Leipzig/Halle zurück. Der Airport hält aufgrund eingeleiteter Gegenmaßnahmen derzeit an seiner Ergebnisprognose fest.
Der schwierigere Teil wartet
Sachsen und Sachsen-Anhalt fahren ihre Kompensationszahlungen bis 2030 schrittweise zurück. Ab dann soll die MFAG ohne staatliche Unterstützung auskommen. Für den Flughafen Dresden indes übernimmt Sachsen ab 2027 vorerst bis 2030 einen jährlichen Strukturausgleich von neun Millionen Euro.
Die Lücke muss die MFAG künftig aus eigener Kraft schließen. Dafür entwickelt das Unternehmen neue Betriebskonzepte für beide Standorte. „Nach der Sanierung beginnt die eigentliche Zukunftsarbeit. Der Turnaround ist kein Pokal, den man ins Regal stellt – er muss jeden Tag neu verteidigt werden“, sagte Ahmelmann.


