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Freie Wahl beim Heizen: Warum das neue Gesetz für Sachsens Hausbesitzer riskanter ist als gedacht

Das neue Heizungsgesetz verspricht Wahlfreiheit beim Heizungstausch – doch was wie Erleichterung klingt, verlagert vor allem das Risiko. Wer auf Gas setzt, wettet auf Biobrennstoffpreise, die niemand kennt. Was Sachsens Handwerker und Experten dazu wirklich sagen.

Lesedauer: 4 Minuten

Ein Heizungsmonteur baut eine Wärmepumpe ein. Quelle: Symbolbild: Tomasz Zajda - stock.adobe.com

Von Andreas Dunte

Leipzig. Frank Oehmigen müsste eigentlich jubeln. Der Vorstandschef der SHK-Innung Leipzig (Sanitär-Heizung-Klima) hat jahrelang für Technologieoffenheit gestritten: „Beim Autokauf und auch beim Heizungseinbau soll der Verbraucher selbst entscheiden können, was für ihn das richtige ist.“ Das neue Gebäudemanagementgesetz bringt genau das zurück, was das alte zerstörte: Wahlfreiheit.

Grundsätzlich begrüße er das Gesetz deshalb, sagt der Heizungsmonteur, „vor allem, weil damit das alte Heizungsgesetz verschwindet, mit dem der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck für Verwirrung und Chaos gesorgt hat.“ Die Nachwirkungen beim Kunden seien erheblich gewesen: „Keiner wusste mehr, womit man künftig noch heizen darf. Ein Irrsinn.“ Doch beim Heizungsmonteur will keine Erleichterung aufkommen. Das neue Gesetz löst alte Probleme – und schafft sofort neue.

Neue Risiken für Verbraucher

Positiv bewertet er, dass die Regel gestrichen wurde, wonach neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Damit kehre die Wahlfreiheit, „für welche Heizung man sich entscheidet“, zurück. Mehr Lob kommt allerdings nicht über die Lippen des Handwerks. Vor allem, weil für Verbraucher neue Risiken entstehen.

„Denn ohne Klimavorgaben geht es auch im neuen Gesetz nicht.“ Ab 2029 müssen neu eingebaute Gas- und Ölheizungen schrittweise einen höheren Anteil erneuerbarer Brennstoffe nutzen. Der Gesetzgeber spricht von einer „Bio-Treppe“: Zunächst sollen ab 2029 zehn Prozent Biomethan oder Bioöl beigemischt werden. Bis 2040 soll dieser Anteil auf 60 Prozent steigen.

Für mich ist das eine Rolle rückwärts. – Jens Bochnig, Heizungsmonteur

Heizungsbauer Jens Bochnig kritisiert die Vorgabe ebenfalls. „Niemand kann sagen, ob im genannten Zeitraum ausreichend Bio-Brennstoffe vorhanden sind und vor allem zu welchem Preis“, sagt der Chef der Firma Heizung- und Sanitärbau Leipzig.

„Für mich ist das eine Rolle rückwärts.“ Damit dränge man die Kunden durch die Hintertür zum Einbau von Wärmepumpen.

Verbraucherschützer wünschen sich mehr Klarheit

„Mit der viel beschworenen Technologieoffenheit hat das nichts zu tun.“ Das sieht auch die Verbraucherzentrale Sachsen so.

„Auf den ersten Blick mag die Rückkehr der Wahlfreiheit im Heizungskeller wie eine Erleichterung wirken, immerhin bleiben neben Wärmepumpe, Fernwärme und Biomasse künftig auch Gas- und Ölheizungen erlaubt. Bei genauerem Hinsehen verlagert diese Wahlfreiheit aber vor allem Risiko und Entscheidungslast auf die privaten Haushalte selbst“, sagt Verbraucherschützer Denis Schneiderheinze.

Sachsens Heizkessel veralten – die Uhr tickt

Er und andere Energieberater treffen täglich auf verunsicherte Verbraucher. „Mehr Klarheit, welche Heizung nun wirklich zum Gebäude passt und auf lange Sicht ökonomisch am sinnvollsten ist, besteht für die meisten deshalb nicht.“ Geht es doch darum, ob im Altbau Außenwände gedämmt oder Heizkörper gewechselt werden müssen, was das kostet – und ob der Staat es bezuschusst.

Gerade für Sachsen wäre mehr Klarheit dringend, meint Thorsten Storck vom Vergleichsportal Verivox. Gas sei im Freistaat wie im Rest der Republik der wichtigste Brennstoff für Heizungen. Rund 42,9 Prozent aller Wohnungen in Sachsen werden mit Gas beheizt und 18,2 Prozent mit Öl, wie aus Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew) hervorgeht. Mit 9,5 Prozent ist der Anteil von Fernwärme höher als im Bundesdurchschnitt.

Heizungsmonteur Jens Bochnig in seiner Firma Heizung- und Sanitärbau Leipzig: „Mit der viel beschworenen Technologieoffenheit hat das nichts zu tun.“
Heizungsmonteur Jens Bochnig in seiner Firma Heizung- und Sanitärbau Leipzig: „Mit der viel beschworenen Technologieoffenheit hat das nichts zu tun.“
Quelle: André Kempner

5,9 Prozent der Sachsen heizen mit Wärmepumpen. Damit liegt Sachsen nur leicht über dem Bundesdurchschnitt (5,4 Prozent). Auffällig sei in Sachsen das vergleichsweise hohe Alter der Heizungsanlagen. Es beträgt in Ein- und Zweifamilienhäusern in Sachsen im Schnitt 16,2 Jahre (Bund: 13,9) und in Mehrfamilienhäusern 14,5 (12,8). Dringender als in vielen anderen Bundesländern stelle sich in Sachsen deshalb die Frage, womit die nächste Heizungsanlage betrieben werden soll.

„Langfristig dürfte sich die Wärmepumpe allein aus wirtschaftlichen Gründen durchsetzen“, meint Verivox-Energieberater Thorsten Storck. Im vergangenen Jahr sind laut dem Bundesverband Wärmepumpe deutschlandweit insgesamt 299.000 Heizungs-Wärmepumpen (zudem 49.500 Warmwasser-Wärmepumpen) verkauft worden. Das sei ein deutliches Absatzplus von 55 Prozent zum Jahr davor. Damit habe die Wärmepumpe beim Einbau den klassischen Gas-Heizkessel überholt. Storck: „Zwar sind Wärmepumpen in der Regel teurer in der Anschaffung, dafür liegen die laufenden Heizkosten jedoch deutlich unter denen von Gas- und Ölheizungen.“

Wärmepumpe legt zu – Staat zieht sich zurück

Storck verweist auf eine aktuelle Verivox-Analyse. Demnach verursachten effiziente Wärmepumpen im vergangenen Jahr rund 40 Prozent geringere Heizkosten als vergleichbare Gasheizungen. Selbst bei weniger effizienten Anlagen lagen die Heizkosten im Durchschnitt noch rund elf Prozent unter denen einer Gasheizung, heißt es bei dem Vergleichsportal. Allerdings will die Koalition die Förderung von Wärmepumpen schrittweise reduzieren. Sie soll sich stärker als bisher am Einkommen orientieren. Bislang konnten sich Immobilienbesitzer den Einbau mit bis zu 70 Prozent der Investitionskosten – maximal 21.000 Euro – bezuschussen lassen.

Kritik am Gesetz kommt auch von den Herstellern. Hätte man die Industrie früher einbezogen, wären offene Fragen bereits vorab geklärt worden, heißt es beim Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie. Das sieht auch der Zentralverband Sanitär Heizung Klima so: „Besonders problematisch ist, dass ausgerechnet diejenigen nicht einbezogen wurden, die die Förderung in der Praxis umsetzen und tagtäglich mit den Bürgerinnen und Bürgern über den Heizungstausch sprechen“, kritisiert Verbandschef Michael Hilpert. „Das Handwerk weiß sehr genau, was funktioniert und was nicht. Statt Verlässlichkeit drohen nun mehr Unsicherheit, mehr Erklärungsbedarf und noch weniger Vertrauen in die politische Verlässlichkeit.“ Das belaste nicht nur die Betriebe, sondern verunsichere vor allem jene Verbraucher, die gerade entscheiden müssen, wie sie künftig heizen wollen.

SZ

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