Suche
Suche

Gehälter von Pflegekräften deutlich gestiegen – Leipzig knapp vor Dresden

Die Löhne von Pflegekräften sind deutschlandweit in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Allerdings gibt es weiter Unterschiede zwischen den Bundesländern. Im Städtevergleich liegt Dresden hinten.

Lesedauer: 3 Minuten

Im Pflegeheim wird eine Bewohnerin von einer Pflegerin über den Gang geschoben. Quelle: Marijan Murat/dpa

Andreas Dunte und Matthias Puppe

Leipzig/Dresden. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt und mit ihr die Sorge, ob genügend Pflegekräfte da sind. Die Bezahlung spielt dabei eine wesentliche Rolle. In der Vergangenheit hat sich da viel getan.

Pflegekräfte verdienen derzeit im Median rund 4300 Euro brutto im Monat. Das geht aus dem „Gehaltsreport Pflege 2026“ der Berliner Jobplattform Pflegia hervor. Ende 2020 lag der Bruttomedianlohn laut Bundesregierung noch bei monatlich 3392 Euro.

Deutliche Unterschiede innerhalb Deutschlands

Die hohe Nachfrage nach Personal hat in der Vergangenheit den Lohndruck erhöht. Seit Ende 2022 müssen Pflegeeinrichtungen in der Langzeitpflege ihre Mitarbeiter nach Tarif oder tarifähnlich bezahlen, um Versorgungsverträge mit den Pflegekassen zu erhalten.

Dies führte zu einer flächendeckenden Lohnerhöhung. Auch wurden die Mindestlöhne in der Pflege angehoben. Profitiert haben besonders Pflegehilfskräfte.

„Im Gehaltsniveau zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern“, heißt es in dem Report. Besonders hohe durchschnittliche Bruttogehälter finden sich demnach in den Stadtstaaten Berlin (4273 Euro), Hamburg (4255 Euro) und Bremen (4215 Euro).

Die drei mitteldeutschen Länder rangieren hingegen am unteren Ende der Rangliste. So finden sich die niedrigsten Durchschnittsgehälter in Sachsen-Anhalt (4063 Euro), Sachsen (4.064 Euro) und Thüringen (4.080 Euro).

In Sachsen und den neuen Bundesländern insgesamt liegt das Gehaltsniveau in der Pflege weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt. – Felix Westphal, Pflegia-Geschäftsführer

Noch deutlicher sind die Unterschiede beim Vergleich der 15 größten deutschen Städte. Dresden liegt dort mit einem Durchschnittsverdienst von 4012 Euro am unteren Ende, gefolgt von Duisburg (4141 Euro). Leipzig landet mit 4.155 Euro auf dem elften Platz.

Am besten verdienen Pflegekräfte in Dortmund (4387 Euro), Essen (4279 Euro) und Berlin (4273 Euro). Als überraschend bezeichnen es die Autoren der Studie, dass auch München (4029 Euro) trotz deutlich höherer Lebenshaltungskosten zu den Städten mit den niedrigeren Durchschnittsgehältern zählt.

Weniger Tarifverträge in Ostdeutschland

„In Sachsen und den neuen Bundesländern insgesamt liegt das Gehaltsniveau in der Pflege weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt“, sagt Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal. Insbesondere fällt Dresden als Schlusslicht unter den untersuchten Großstädten auf.

„Diese Unterschiede sind jedoch weniger ein spezifisches Problem der Pflege als vielmehr Ausdruck struktureller Rahmenbedingungen. Sie lassen sich unter anderem dadurch erklären, dass das allgemeine Lohnniveau im Osten niedriger ist. Tarifverträge haben eine geringere Verbreitung, und frühere Gehaltsunterschiede zwischen Ost und West wirken bis heute nach.“

Wie in vielen anderen Branchen steigen auch in der Pflege die Löhne mit zunehmender Berufserfahrung. Im ersten bis dritten Berufsjahr liegt das durchschnittliche Monatsgehalt für Pflegehilfskräfte bei 2871 Euro, für Kinderkrankenpfleger bei 3364 Euro und für Pflegefachkräfte bei etwa 3600 Euro.

Mit Führungsverantwortung steigen die Gehälter weiter: Wohnbereichsleitungen verdienen durchschnittlich 4070 Euro, Pflegedienstleitungen rund 4400 Euro und Einrichtungsleitungen etwa 5050 Euro im Monat. Im Durchschnitt über alle Pflegeberufe hinweg liegt das Gehalt im ersten bis dritten Berufsjahr bei 3874 Euro brutto monatlich.

Gehälter in Krankenhäusern sind höher

Nicht nur Qualifikation und Erfahrung haben Einfluss auf das Gehalt, sondern auch der Einrichtungstyp. „Krankenhäuser und Rehakliniken zahlen im Durchschnitt die höchsten Gehälter, während ambulante Dienste und stationäre Pflegeeinrichtungen etwas darunter liegen“, heißt es im Report. Besonders deutlich seien die Unterschiede bei Pflegehilfskräften.

In Rehakliniken verdienen Pflegehilfskräfte im Schnitt 3675 Euro brutto monatlich und damit mehrere hundert Euro mehr als in Krankenhäusern oder der ambulanten Pflege. „Bei examinierten Pflegefachkräften fällt das Bild homogener aus: Unabhängig vom Einrichtungstyp bewegen sich die Gehälter meist um die 4300-Euro-Marke.“

Laut Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal unterschätzen viele Pflegekräfte ihre Gehaltsaussichten. So gebe es eine deutliche Lücke zwischen den Gehaltserwartungen von Pflegekräften und den tatsächlich angebotenen Marktgehältern. „Während Pflegekräfte im Median mit einem Bruttogehalt von rund 3700 Euro rechnen, liegt das tatsächliche Marktangebot bei etwa 4300 Euro“, heißt es im Report. Zu diesem Schluss kommen die Autoren nach der Auswertung von 12.458 Stellenanzeigen und über 100.000 anonymisierten Daten von aktiven Pflegekräften.

SZ

Das könnte Sie auch interessieren: