Dresden/Leipzig. Auf den Corona-Boom folgte der Absturz mit ruinösen Rabattschlachten. Die Fahrradbranche hatte es in den vergangenen Jahren nicht leicht: Viele Unternehmen saßen nach starken Verkäufen während der Pandemie auf vollen Lagern. Es kam zu massiven Preisnachlässen, sinkenden Umsätzen – und schließlich vielen Insolvenzen bei Herstellern, Zulieferbetrieben und Händlern.
Wie ist die Lage heute? Gibt es wieder Grund für Optimismus – insbesondere in Sachsen, einem Hotspot der Branche? Und was kosten E-Bikes und normale Räder jetzt eigentlich, nachdem sich der Markt wieder zu beruhigen scheint? Darum geht es in der neuen Folge des Podcasts „Thema in Sachsen“ von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung.
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Zu Gast sind SZ- und LVZ-Wirtschaftsreporter Florian Reinke, der einen Überblick über die wichtigsten Zahlen und Fakten gibt, sowie Robert Peschke. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Little John Bikes, einer der größten Fahrradhandelsketten Deutschlands mit Hauptsitz in Dresden, Wurzeln in Neukirch bei Bautzen und einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro.
Peschke sagt: „Die Branche ist immer noch nervös.“ Zwar seien die Überkapazitäten im Handel inzwischen weitgehend abgebaut und der aktuell hohe Spritpreis sorge möglicherweise für gute Geschäfte. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh, der Markt konsolidiere sich gerade. „Das ist ein Prozess von mehreren Jahren, bei dem ich mit dem Verschwinden von Händlern in zweistelliger oder dreistelliger Anzahl rechne.“ Auch große Player würden wackeln.

Quelle: kairospress
Was macht den Unternehmer in dieser Annahme so sicher? „Unser Firmennetzwerk wächst durch den Aufkauf insolventer Händler“, erklärt der Dresdner. Wöchentlich bekomme Little John Bikes Übernahmeangebote. Auch während der Podcast-Aufnahme, bei der sich Peschke von einem Autobahnparkplatz zuschaltet, war er auf Akquise. „Auf dem Weg zu einer Messe in Wismar schaue ich mir noch ein paar Fahrradhändler an.“
Sein eigenes Unternehmen sei ein Gewinner der zurückliegenden Krisenjahre. „Auch im vergangenen Jahr sind wir wieder gewachsen.“ Das Unternehmen hat inzwischen über 60 Filialen im gesamten Bundesgebiet, Tendenz steigend.
Den Grund für den Erfolg sieht er darin, dass seine Firma auf solides Wachstum setze statt auf kurzfristige Umsatzspitzen. „Wir hatten nie ein einziges Fahrrad zu viel auf Lager.“ Flapsig sagt er: „Es gibt den Spruch: Gier frisst Hirn.“
Hersteller bedienen auch wieder niedrigere Preissegmente
Und wie ist die Lage für Käuferinnen und Käufer? „Es ist gerade eine sehr gute Situation“, sagt Peschke. Einerseits treibe der wachsende Wettbewerb die Hersteller an, Fahrradmodelle ständig qualitativ zu verbessern. Andererseits hätten sich die Preise stabilisiert. „Gerade europäische Hersteller bedienen wieder Preissegmente, die sie in den letzten Jahren aufgegeben haben“, so Peschke. „Fahrräder für 700 oder 800 Euro galten in den letzten Jahren als unattraktive Produkte. Da tut sich wieder was.“
Noch deutlicher sei das bei E-Bikes zu beobachten. „Einige Anbieter hatten sich strategisch auf Räder für 3000 bis 8000 Euro fokussiert. Das ist zum Glück vorbei.“ Im Schnitt kosten E-Bikes jetzt 2500 bis 4000 Euro. Die Zahlen decken sich auch mit Erhebungen des ZIV, des Zweirad-Industrie-Verbands, der den Durchschnittspreis für E-Bikes im Jahr 2025 bei 2550 Euro ermittelt hat, den für normale Fahrräder bei 500 Euro.
Wer trotz der eher wieder gesunkenen Preise nach Schnäppchen sucht, sollte vorsichtig sein, warnt Unternehmer Peschke. „Es gibt noch Ware, die rabattiert ist.“ Aber teilweise würden Händler noch Fahrräder der Baujahre 2021 oder 2022 anbieten. Gerade bei E-Bikes gebe es ständig qualitative Veränderungen. Peschke deklariert manche Altware deshalb als „nahezu Industrieschrott“ und empfiehlt, vor dem Kauf rabattierter Räder genau zu recherchieren.
Anzahl verkaufter E-Bikes in zehn Jahren mehr als verzehnfacht
Was wird am meisten gekauft? Peschke erkennt klare Trends. Gravelbikes, also eine Mischung aus Rennrad und Stadtrad, seien zwar immer öfter nachgefragt, seien aber eher noch ein Nischenprodukt. Dominierend sei etwas anderes: „Trekking, und hier E-Trekking-Bikes, sind das dominante Thema im Gesamtmarkt.“ Dicht dahinter folgten City-E-Bikes. Damit zeigt sich: E-Bikes sind weiter auf dem Vormarsch.
Das schätzt auch Wirtschaftsreporter Florian Reinke so ein. „Wir haben in Deutschland inzwischen über 17 Millionen E-Bikes auf den Straßen.“ Zum Vergleich: Die Zahl der zugelassenen E-Autos liegt bei rund zwei Millionen. „Die Fahrradbranche ist beim Thema E-Mobilität da doch schon relativ weit“, so Reinke.
Alles, was man über die Fahrradfeste von SZ und LVZ wissen muss
Außerdem in dieser Podcastfolge: Ein Blick voraus auf die Fahrradfeste von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung. Den Auftakt macht am 10. Mai das LVZ-Fahrradfest, das fünf Tourenab Taucha anbietet.
Am 28. Juni folgt dann das SZ-Fahrradfest, das in diesem Jahr sein 30. Jubiläum feiert und wie immer in Dresden startet.
Doreen Barz und Kevin Lange, die Chef-Organisatoren der Feste, erklären alles, was man über Strecken, die Anmeldung und Höhepunkte wissen muss.
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