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Große Traditionsbäckerei aus dem Erzgebirge durchläuft Insolvenz

Rund 600 Mitarbeiter der Stangengrüner Mühlenbäckerei AG erhalten in diesem Monat die letzte Insolvenzgeld-Zahlung. Und mit dem Lila Bäcker droht der größten ostdeutschen Backkette das Aus.

Lesedauer: 2 Minuten

Man sieht eine Backwarentheke.
Brot und Brötchen liegen in einem Regal einer Großbäckerei (Symbolbild). Mit dem Stangengrüner Mühlenbäcker und dem Lila Bäcker sind gleich zwei große ostdeutsche Backketten ins Trudeln geraten. © dpa

Von Ulrich Wolf

Dresden/Neubrandenburg. In Sachsen und in Mecklenburg-Vorpommern sind zwei der größten ostdeutschen Bäckereiketten in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Bei der Stangengrüner Mühlenbäckerei AG im Erzgebirge wird in diesem Monat letztmalig Insolvenzgeld für gut 600 Beschäftigte gezahlt. Zudem muss die zahlungsunfähige Backkette „Lila Bäcker“ mit Sitz in Neubrandenburg rund 500 seiner 1.600 Mitarbeiter entlassen.

Die traditionsreiche Stangengrüner Mühlenbäcker, dessen Gründung 163 Jahre zurückreicht, steckt bereits seit Ende November in einem vorläufigen Verfahren in Eigenverwaltung. Bis Ende Januar zahlt das Arbeitsamt den 580 Beschäftigten, darunter gut 20 Auszubildenden, Insolvenzgeld. Das verschafft dem 59 Jahre alten Bäckermeister und Alleinaktionär Volker Seifert einen gewissen finanziellen Spielraum. Gemeinsam mit dem Juristen und Sanierungsexperten Volker Neef aus Franken versucht er, die Kette mit 99 Filialen und 28 Bistros zu sanieren.

Ziel sei es, „das Verfahren Anfang Mai erfolgreich abzuschließen“, sagte Neef der Chemnitzer Zeitung Freie Presse, die zuerst berichtet hatte. Man sei bereits seit geraumer Zeit mit Banken, Lieferanten und Vermietern im Gespräch. Der Stangengrüner Mühlenbäcker betreibt mehr als 90 und 28 Bistros in Südwestsachsen. Dem dreiköpfigen Aufsichtsrat der AG gehört auch der Finanzberater und sächsische ADAC-Vorstand Detlef Hastreiter, 71, aus Zwickau an.

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen des Unternehmens weisen für das Jahr 2021 einen Umsatz von 24,5 Millionen Euro sowie einen Nettogewinn von 112.000 Euro. Nun berichtet Seifert, mit der Insolenz in Eigenverwaltung habe man „auf die drohende Zahlungsunfähigkeit reagiert“. Diese zeichne sich in diesem Jahr ab.

Schwierigkeiten bei der Suche nach Mitarbeitern

Schon im Abschluss 2021 hatte er erklärt, Fachkräfte seien am Markt kaum noch zu bekommen. Steigende Personalkosten erschwerten „die Suche nach geeigneten Mitarbeitern immer weiter“. Durch „Optimierung von Arbeitszeiten und Arbeitsprozessen“ wolle man gegensteuern. Und auch vom Aufsichtsrat hieß es im Rückblick auf das Jahr 2021: „Unser Hauptaugenmerk galt der Liquiditätslage des Unternehmens“.

Noch vor ziemlich genau einem Jahr hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die sächsische Großbäckerei besucht. Dort sei er damals auf die drastisch gestiegene Energiekosten aufmerksam gemacht und um staatliche Hilfen für Großbäckereien gebeten worden, hieß es.

Beim Lila Bäcker geht es seit Jahren abwärts

Eine Sanierung aus eigener Kraft ist hingegen gescheitert bei der norddeutschen Backkette Lila Bäcker. Dort wurde zu Jahresbeginn eine reguläre Insolvenz eröffnet, das zuständige Amtsgericht Neubrandenburg setzte einen Verwalter ein. Der kündigte 500 von 1.600 Beschäftigten. Ein Drittel der rund 230 Filialen wird geschlossen. Verhandlungen mit Investoren zur kompletten Übernahme seien gescheitert, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die Schwierigkeiten der Bäckereikette zogen sich jedoch jahrelang dahin, Diskussionen um richtigen Strategien und Missmanagement gab des nach Recherchen von Sächsische.de schon 2018.

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