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Großer Bankendeal in der Region: Was hinter der Fusion der Volksbanken Leipzig und Delitzsch steckt

Aus zwei Volksbanken wird eine: Die Volksbank Delitzsch schließt sich mit der Leipziger Volksbank zusammen. Was hinter der Fusion steckt – und welche Folgen der Schritt für die regionale Bankenlandschaft hat.

Lesedauer: 4 Minuten

Die Filiale der Leipziger Volksbank in der Schillerstraße in der Messestadt: Die Volksbank Delitzsch und die Leipziger Bank verschmelzen – das verändert den regionalen Bankenmarkt. Quelle: Kempner

Von Florian Reinke

Leipzig. In Leipzig und in Nordsachsen entsteht eine größere Volksbank – und der regionale Bankenmarkt erlebt einen der auffälligsten Zusammenschlüsse der vergangenen Jahre. Die Volksbank Delitzsch und die Leipziger Volksbank verschmelzen; die Vertreterversammlungen beider Häuser haben der Fusion zugestimmt, wie die Banken der LVZ bestätigten.

Damit steht fest, dass die gemeinsame Bank unter dem Namen Leipziger Volksbank firmieren wird. Der traditionsreiche Name „Volksbank Delitzsch“ allerdings soll als Niederlassung in den Geschäftsstellen Delitzsch, Eilenburg und Bad Düben weitergeführt werden. Ihre Gründung ging auf Hermann Schulze-Delitzsch zurück, den Vordenker der Genossenschaftsbewegung.

Ab 5. September kommen Systeme und Daten zusammen

Der Zusammenschluss ist mehr als ein formaler Schritt: Er zeigt, wie stark sich regionale Banken verändern – mit Folgen für Kunden.

Wirksam wird die Fusion erst, wenn der Eintrag ins Genossenschaftsregister erfolgt ist, hieß es von beiden Banken. Am 5. September sollen die technischen Systeme und Daten zusammengeführt werden.

Die Volksbanken Leipzig und Delitzsch gehen zusammen in die Zukunft
Die Volksbanken Leipzig und Delitzsch gehen zusammen in die Zukunft
Quelle: Kempner

Leipzig und Delitzsch: Eine große Volksbank entsteht

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie unterschiedlich groß die Partner sind. Die Volksbank Delitzsch kommt auf rund 450 Millionen Euro Bilanzsumme, 48 Mitarbeitende und drei Geschäftsstellen. Die Leipziger Volksbank bringt etwa 1,5 Milliarden Euro Bilanzsumme, 175 Beschäftigte und 21 Geschäftsstellen ein.

Von einer Fusion aus Not wollen die Vorstände nichts wissen: Sie erfolge „aus einer Position wirtschaftlicher Stärke“, wie die Banken betonen. „Das beiderseitige Votum ist ein starkes Signal für die Zukunftsfähigkeit unserer genossenschaftlichen Idee in der Region“, erklärten die Vorstände beider Häuser. Mit dem Zusammenschluss wollen sie die Kräfte bündeln und die Kundenbetreuung in der Region stärken sowie weiterentwickeln.

Delitzscher Kunden bekommen neue IBAN

Als Gründe und Ziele für die Fusion nennen die Banken vor allem Regulierung, Digitalisierung, Arbeitskräftemangel und größere Kreditspielräume für den regionalen Mittelstand. Die Vorstände formulieren es so: „Leipzig und die umliegenden Landkreise bilden längst einen gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum. Mit dem Zusammenschluss schaffen wir dafür auch die passenden genossenschaftlichen Strukturen.“

Für Kundinnen und Kunden der heutigen Leipziger Volksbank ändert sich laut Angaben der Bank durch die Fusion nichts. Für Kundinnen und Kunden aus Delitzsch wird dagegen die IBAN neu vergeben. Bestehende Verträge sollen unverändert fortgeführt werden, Onlinebanking-Zugänge weiter nutzbar bleiben. Die Bank kündigt an, Betroffene rechtzeitig zu informieren. Konditionen und Preise sollen laut früheren Angaben der Banken schrittweise vereinheitlicht werden.

Standorte bleiben erhalten; keine betriebsbedingten Kündigungen

Auch die Standorte in Delitzsch, Eilenburg und Bad Düben sollen erhalten bleiben. Das gelte auch für Beratung, Servicezeiten und Bargeldversorgung, teilte die Bank auf Anfrage mit; dies sei im Fusionsvertrag vereinbart. Betriebsbedingte Kündigungen würden ausgeschlossen, alle Mitarbeitenden würden benötigt.

Warum also dieser Schritt, wenn beide Häuser stabil sind? Für den Leipziger Bankenexperten Gregor Weiß ist das kein ungewöhnlicher Vorgang. „Derartige Fusionen finden tatsächlich seit Jahrzehnten statt, lediglich die auslösenden Rahmenbedingungen haben sich gewandelt“, sagt der Professor für BWL mit Schwerpunkt Sustainable Banking an der Universität Leipzig.

Leipziger Experte: Bankenwelt im Wandel

Früher gehörte die Regionalbank mit dichtem Filialnetz selbstverständlich zum Ort. Heute erledigen viele Menschen ihre Bankgeschäfte am Smartphone. Dazu kamen Finanzkrise, Niedrigzinsphase und Corona-Pandemie – Faktoren, die die Erträge vieler Banken gedrückt haben. Gleichzeitig stieg der Aufwand für Aufsicht, Risikomanagement und Kapitalvorgaben. Auch die Konkurrenz hat sich verändert: Direktbanken, Fintechs und große Technologiekonzerne mischen mit. Dieser Wettbewerbsdruck, sagt Weiß, zwinge alle Banken zu Einsparungen. Vor allem kleinere Banken mit dichtem Filialnetz schlössen sich zusammen, um Doppelstrukturen abzubauen und Kosten zu sparen.

Dies trifft nicht nur Genossenschaftsbanken. Auch Sparkassen und private Institute müssen Kosten senken, Strukturen verschlanken und ihre Filialnetze anpassen. Besonders spürbar ist er aber für kleinere Häuser, die dieselben Anforderungen erfüllen müssen wie große Banken – mit deutlich weniger Personal und Ressourcen, wie es beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) heißt.

Weniger Banken stemmen mehr Geschäft

Deren Sprecher Steffen Steudel kommentiert einzelne Fusionen zwar nicht. Grundsätzlich sagt er aber: „Es läuft eine Konsolidierung.“ Jedes Jahr verschwänden in Deutschland 30 bis 40 Genossenschaftsbanken. Gründe seien vor allem Regulierung, Wettbewerb und Fachkräftemangel. „Der Aufwand, eine Genossenschaftsbank zu betreiben, ist exorbitant groß.“

Es läuft eine Konsolidierung. Der Aufwand, eine Genossenschaftsbank zu betreiben, ist exorbitant groß. – Steffen Steudel, Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

1970 gab es noch 7096 Genossenschaftsbanken in Deutschland, zur Jahrtausendwende rund 1800. 2025 waren es dann noch 646. Gleichzeitig wuchs die Bilanzsumme auf rund 1,24 Billionen Euro. Weniger Banken stemmen also deutlich mehr Geschäft.

Immer weniger Genossenschaftsbanken – auch in Sachsen

Auch in Sachsen setzt sich dieser Trend fort. Nach der Fusion von Delitzsch und Leipzig gebe es noch 16 Genossenschaftsbanken im Freistaat. Zuletzt haben auch die Raiffeisenbank Burgstädt und die Volksbank Chemnitz eine Fusion beschlossen.

Für Kundinnen und Kunden bedeutet eine größere Bank nicht automatisch bessere Konditionen oder völlig neue Angebote. Experte Weiß weist darauf hin, dass viele Leistungen im Genossenschaftssektor ohnehin stark standardisiert sind. Der Vorteil liegt eher darin, dass Angebote vor Ort erhalten bleiben können.

Dass Delitzsch und Leipzig zusammengehen, dürfte kein Einzelfall bleiben. Der BVR erwartet, dass die Konsolidierung weitergeht: Jahr für Jahr könnten weitere 30 bis 40 Genossenschaftsbanken verschwinden – und das, obwohl es heute ohnehin nur noch einen Bruchteil der Institute von früher gibt. Für Kundinnen und Kunden heißt das: Die vertraute Bank vor Ort wird sich weiter verändern.

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