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In jedem zweiten Haushalt in Deutschland: Prosperplast will von Bautzen aus weltweit weiter wachsen

Das Unternehmen hat im Gewerbegebiet Salzenforst 24 Millionen Euro in einen Neubau für Montage und Logistik investiert. Von dort aus werden Blumentöpfe, Hochbeete und Gartenmöbel rund um den Globus ausgeliefert. Auch der Löbauer Standort bleibt erhalten.

Lesedauer: 3 Minuten

Patrick (l.) und Peter Nocon vor dem Prosperplast-Neubau im Gewerbegebiet Salzenforst: Vater und Sohn leiten das Unternehmen gemeinsam und wollen das Wachstum vom neuen Standort in Bautzen aus vorantreiben. Quelle: Steffen Unger

Miriam Schönbach

Bautzen. Der Schriftzug Prosperplast ist schon von Weitem im Bautzener Gewerbegebiet Salzenforst zu lesen. Im Inneren des Neubaus herrscht große Geschäftigkeit. Speditionen fahren vor und holen schon die frische Frühlingsware – von Gießkannen über Hochbeete bis zu Gartengarnituren – für die Belieferung der Baumärkte. Auf der anderen Seite bringen noch Lkw die letzten Sachen vom langjährigen Löbauer Standort des Unternehmens zum neuen Herz des Herstellers von Kunststoffprodukten für Haus und Garten. Seit einem guten Monat sitzt die Firmenzentrale am neuen Standort mit Blick auf die A4.

Firmengeschichte beginnt in einem Garten in Polen

Peter Nocon ist an diesem Nachmittag zusammen mit seinem Sohn und Vertriebsleiter Patrick in dem weithin sichtbaren Neubau. Von hier aus will die Prosperplast Deutschland GmbH ihr weltweites Geschäft weiter ausbauen. Die Geschichte des Unternehmens beginnt gut 500 Kilometer östlich in einem Garten in Polen. Anfang der 1990er-Jahre stellen zwei Brüder dort eine Spritzgussmaschine unter ein Gewächshausdach und beginnen, Blumentöpfe aus Kunststoff herzustellen. Jene erste Maschine liefert ihnen Peter Nocon, der seine Wurzeln im polnischen Kattowice hat. 1981 flieht er über Österreich nach Deutschland mit dem Wunsch, „in Freiheit leben zu können“.

Vom Wochenmarkt zum Weltmarkt

Die Wende lässt den Wahl-Bayern wieder in seine Heimat blicken. „Nach 1989 gab es in Polen vieles einfach nicht“, sagt der 62-Jährige. Die Brüder mit der Spritzgussmaschine verkaufen ihre Produkte zunächst auf Wochenmärkten. Schritt für Schritt wächst daraus ein Unternehmen. Aus der Geschäftsbeziehung entwickelt sich eine Zusammenarbeit, die bis heute anhält.

Mit den Jahren wird aus dem kleinen Betrieb ein großer Kunststoffhersteller. Das Sortiment reicht heute weit über Blumentöpfe hinaus. Produziert werden unter anderem Regentonnen, Hochbeete, Komposter, Werkzeugkästen, Schneeschieber oder Schlitten.

Vielleicht nicht jeder, aber jeder zweite Deutsche hat ein Produkt von uns zu Hause. – Patrick Nocon, Vertriebsleiter der Prosperplast Deutschland GmbH

Übrigens musste von diesen beiden Wintersaison-Produkten nichts aus dem Lager in Löbau nach Bautzen umziehen. Die Ware war dieses Jahr ausverkauft. So zeigt sich: Viele der Prosperplast-Produkte stehen bundes- und weltweit in Haushalten – oft ohne dass die Käufer es wissen.

Denn Prosperplast produziert auch für Handelsmarken großer Ketten und Baumärkte. Deshalb sei die Firma vielen Kunden gar nicht bewusst. „Vielleicht nicht jeder, aber jeder zweite Deutsche hat ein Produkt von uns zu Hause“, sagt Patrick Nocon. Auch in vielen Fußballstadien weltweit sitzen Fans auf Prosperplast-Sitzen, ohne dass es jemand merkt.

Deutschland als Vertriebsstandort

Mit der EU-Erweiterung Anfang der 2000er-Jahre steigt die Nachfrage im Ausland. „Dann hieß es irgendwann: Wir müssen mehr exportieren“, sagt der Junior. Um den Vertrieb im deutschsprachigen Raum zu organisieren, wird 2007 die Prosperplast Deutschland GmbH gegründet. Produziert wird weiterhin überwiegend in Polen. Deutschland dient vor allem als Vertriebs- und Logistikstandort. Die erste Niederlassung ist in Oderwitz in einer früheren Postverteilstation.

Zwei Jahre später folgt der nächste Schritt. Prosperplast übernimmt das Gelände der früheren Hess Lichttechnik in Löbau, nachdem das Unternehmen insolvent gegangen war. Dort entstehen Büros und Logistikflächen für den deutschen Vertrieb. Von Löbau aus werden Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz beliefert. Doch das Unternehmen wächst weiter – und damit auch die Anforderungen an den Standort. Deshalb fällt schließlich die Entscheidung, die Aktivitäten in der Region neu zu bündeln und nach Bautzen zu verlegen. 2019 kauft das Unternehmen das letzte freie Grundstück im Gewerbegebiet Salzenforst.

Neubau ist Bautzens größtes Regal

Die Entscheidung für Bautzen als neuen Standort fällt vor allem wegen der verkehrsgünstigen Lage. Kodersdorf bekommt dafür eine Absage. Die Planung des neuen Prosperplast-Zentrums wird jedoch durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg verzögert. Doch nach dem Spatenstich nimmt das 24-Millionen-Euro-Projekt Fahrt auf. Quasi innerhalb eines Jahres wird schließlich der Neubau hochgezogen mit knapp 25.000 Quadratmetern, davon 23.500 Quadratmeter Lagerhalle mit 45.000 Palettenstellplätzen. Wahrscheinlich ist der neue Standort Bautzens größtes Regal.

Im Showroom von Prosperplast werden die Produkte der Firma ausgestellt.
Im Showroom von Prosperplast werden die Produkte der Firma ausgestellt.
Quelle: Prosperplast

Das neue Zentrum dient gleich mehreren Zwecken: Montage, Kommissionierung und kompletter Innendienst mit Showroom. Hier können auch Kunden eingeladen und Hausmessen veranstaltet werden. Perspektivisch soll auch der Firmensitz vom bayerischen Wolznach an die Spree verlegt werden. 80 Mitarbeiter sollen bei der Prosperplast Deutschland GmbH beschäftigt werden. „Wir stellen aktuell jeden Tag Mitarbeiter ein“, sagt Patrick Nocon. Der Kunststoffhersteller beschäftigt in Polen je nach Saison zwischen 1.000 und 1.500 Mitarbeitende.

60 Prozent der Produktion werden exportiert

Das Ziel des Juniorchefs ist klar formuliert: „Wir wollen in der Liga wie Gardena spielen“, sagt der 39-Jährige. Der Export wächst immer weiter und liegt nun bei 60 Prozent, 40 Prozent bilde der polnische Markt ab. Neben den Kunststoff-Klassikern gibt es in dieser Saison eine neue Gartenmöbel-Serie von Prosperplast. Auch mit einem Plus bei Wassertanks, Erdkellern zur Aufbewahrung von Lebensmitteln und hochwertigen Pflanzgefäßen rechnet der Betriebswirt. Der Löbauer Standort bleibt vorerst in der Unternehmensgruppe. Für das Gelände soll perspektivisch eine neue Nutzung gefunden werden.

Für die Nocons ist die Investition in Bautzen ein Signal für Wachstum. Was einst mit einer einzelnen Maschine im Garten begann, ist heute ein international tätiges Unternehmen. Seine Produkte stehen in vielen Gärten, Werkstätten und Kellern – und manchmal auch dort, wo Tausende Fans gemeinsam Fußball schauen: im Stadion.

SZ

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