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Inhaber eines russischen Ladens in Sachsen fürchtet um sein Geschäft

Nikolai Jaworski betreibt ein Geschäft mit russischen Spezialitäten in Zottewitz im Kreis Meißen. Wenn der Ukraine-Krieg noch lange dauert, muss er ihn früher oder später schließen.

Lesedauer: 2 Minuten

Man sieht Nikolai Jaworski, Besitzer von einem Laden mit russischen Spezialitäten. Er hält eine Weinflasche.
Nikolai Jaworski betreibt seit 2016 in Zottewitz einen Laden mit russischen Spezialitäten. Neben Einwanderern aus den ehemaligen Sowjetrepubliken kaufen hier vor allem Deutsche ein. © Jörg Richter

Von Jörg Richter

Zottewitz. Es ist schon ein ungewöhnlicher Laden. Erst recht in diesen Zeiten. Wer im „Berjoska“ in Zottewitz einkaufen will, muss vorher an einem weißen Wohnhaus an der Lindenstraße klingeln. Meistens öffnet Olga Jaworski, die Frau von Nikolai Jaworski. Der 52-Jährige betreibt hinterm Haus in einem Anbau einen kleinen Laden mit russischen Spezialitäten.

Olga Jaworski ruft ihren Mann an. „Er kommt gleich“, sagt die Wolgadeutsche. Sie lebt mit ihrem Mann und den beiden Söhnen seit 1996 in Sachsen. Als Spätaussiedler kamen sie von Kasachstan nach Deutschland, lebten sich hier ein, fanden Freunde und gute Nachbarn. Der kleine Ort Zottewitz ist seit mehr als 20 Jahren ihr Zuhause.

Nikolai Jaworski kommt, grüßt freundlich und schließt seinen „Berjoska“-Laden auf. Berjoska heißt auf Deutsch „Birklein“. Deutsche Förster bezeichnen Birken als das „Unkraut des Waldes“. In Russland gilt die Birke dagegen als Nationalbaum. Seit 1964 wurden in der ehemaligen Sowjetunion Geschäfte „Berjoska“ genannt, in denen man mit Devisen bezahlen musste – ähnlich wie in den Intershops in der DDR.

„Liebe Oma“ in kyrillischer Schrift

Nach Waschmittel und Parfüm wie damals im Intershop riecht es im Zottewitzer „Berjoska“-Laden nicht. Kein Wunder, Nikolai Jaworski bietet hier hauptsächlich Lebensmittel an. „Andere Sachen laufen nicht“, sagt er.

In einem Regal stehen noch ein paar Restposten von Geschenkartikeln. Es sind unter anderem Tassen mit Blumenkränzen und kyrillischen Buchstaben. Auf Russisch steht zum Beispiel „Bester Freund“, „Beste Schwiegermutter“ oder „Liebe Oma“ drauf. Trotzdem sind sie Ladenhüter. Möglicherweise, weil die meisten Stammkunden Deutsche sind und nicht, wie oft vermutet, Spätaussiedler aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, so wie die Jaworskis.

Die meisten Kunden kommen wegen des Wodkas, Krim-Sekts, russischen Biers, Konfekts und Spezialitäten wie eingekochten Tomaten, Wurst, Käse oder Riga-Sprotten. Auch Samoware und Tee-Beutel mit aufgedrucktem Lenin-Kopf sind im Angebot.

Noch stehen relativ viele Lebensmittel aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion im Regal des Zottewitzer „Berjoska“-Ladens. Aber wie lange noch? © Jörg Richter

Ein paar Tassen mit russischer Aufschrift sind bei Nikolai Jaworski noch zu haben. Nachbestellen wird er sie aber voraussichtlich nicht. © Jörg Richter

Viele dieser Produkte stammen gar nicht aus Russland, verrät Nikolai Jaworski, sondern aus den Ländern, die einst zur UdSSR gehörten. Seit Beginn des Ukraine-Krieges und dem damit verbundenen Handelsstopp mit der Russischen Förderation würden deutsche Großhändler die Waren verstärkt in Osteuropa herstellen. „Aber die nachgemachten Spezialitäten schmecken nicht wie das Original“, findet Jaworski. Zudem kosten die Lebensmittel im Einkauf 30 bis 40 Prozent mehr, was den Weiterverkauf zusätzlich erschwere.

„Die Leute legen ihr Geld unters Kissen“, sagt Jaworski. Diese russische Redewendung bedeutet so viel wie: Die Leute sparen, weil alles teurer geworden ist. Das spürt der sympathische Kasache deutlich. Er hatte bis 2016 seinen „Berjoska“-Laden noch auf der Schlossstraße in Großenhain. Die relativ zentrale Lage in der Stadt bescherte ihm täglich 25 bis 30 Kunden. Heute sind es 15 – pro Woche!

Krieg hoffentlich bald vorbei

Wegen der Krebserkrankung seiner Frau Olga hatte er das Geschäft in Großenhain aufgegeben und nach Zottewitz verlegt. Von dem Laden mit russischen Spezialitäten können beide schon lange nicht mehr leben. Er ist zum Nebengeschäft geworden. Der gelernte Baumaschinenführer verdient sein Geld nun als Baudienstleister, Hausmeister und Landschaftsbauer.

Seinen „Berjoska“-Laden ganz aufgeben möchte Nikolai Jaworski aber nicht. „Ich hoffe, dass der Krieg bald vorbei ist und wieder mit Russland gehandelt wird“, sagt er. Sollte es aber nicht so kommen, dann befürchtet er, dass er seinen kleinen Laden in spätestens zwei Jahren schließen muss.

Der „Berjoska“-Laden in Zottewitz ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Vorherige Anmeldung unter 0173 4623293 erwünscht.

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