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Kohlemillionen doch nicht ausgereizt: Zwenkau, Böhlen, Kitzscher und Borna profitieren

Die Kohlegelder im Mitteldeutschen Revier galten bisher als ausgereizt. Nachdem zwei große Projekte beerdigt wurden, kommen andere unerwartet zum Zug. Landrat Henry Graichen (CDU) informiert über die Details.

Lesedauer: 4 Minuten

Der Radweg Böhlen-Zwenkau kann gebaut werden. Er bindet Böhlen an den Zwenkauer See und die Zwenkauer wiederum an die S-Bahn in Böhlen an. Realisiert werden soll die Strecke entlang der ehemaligen Bahntrasse. Insgesamt wurden drei mögliche Trassen untersucht. Quelle: Stadtlabor


Simone Prenzel

Zwenkau/Borna/Böhlen/Pegau/Kitzscher. Bei den Kohlegeldern fürs Mitteldeutsche Revier gibt es eine überraschende Entwicklung. Nachdem der Topf der ersten Förderperiode bis Ende 2026 leer war, kommt jetzt Bewegung in die Sache.

Landrat Henry Graichen (CDU), zugleich Vorsitzender des Regionalen Begleitausschusses (RBA) fürs Mitteldeutsche Revier, hatte am Mittwoch gute Botschaften zu verkünden. Es gebe jetzt für mehrere Projekte aus der Region wieder Hoffnung, dass zeitnah Geld fließt, erklärte Graichen nach einer internen Sitzung des Gremiums in Wiedemar (Nordsachsen).

Zahlreiche Kommunen hatten schon resigniert und zweifelten, ob sie überhaupt noch zum Zuge kommen. Denn das Budget galt als ausgereizt. Nun wurden zwei größere Vorhaben der Stadt Leipzig und der Gemeinde Thallwitz zurückgezogen. Damit wurden urplötzlich 42 Millionen Euro frei. Die Stadt Leipzig verzichtet auf ihr Projekt „EnergyCity“ für 27 Millionen Euro, Thallwitz auf das Gewerbegebiet „EThrila“ im Umfang von 15 Millionen Euro.

Aufgrund der angespannten Budgetlage war eine Bewilligung bislang nicht möglich. – Henry Graichen, Landrat

Für fünf Projekte aus dem Landkreis Leipzig sieht es deshalb wieder gut aus. Zwar hatte der RBA für diese Nachrücker-Vorhaben schon vor Jahren grünes Licht gegeben, so Graichen. „Aufgrund der angespannten Budgetlage war eine Bewilligung bislang aber nicht möglich.“ Da nunmehr nicht zu realisierende Projekte aus dem Verfahren genommen wurden, bestehe wieder finanzieller Spielraum, so Graichen.

Folgende fünf Projekte aus dem Landkreis Leipzig profitieren:

Die Projekte

Grünes Gewerbegebiet an der B2 in Zwenkau

Die Stadt Zwenkau kann ihr Gewerbegebiet an der B2 realisieren. Auf 36 Hektar Fläche ist Nettobauland für die Ansiedlung von Unternehmen geplant. Der Ansiedlungsmix ziele „auf produktionsorientierte Unternehmen und eine regionale Wertschöpfungskette“, so die Kommune bei der ersten Projektvorstellung. Das Gewerbegebiet solle „die Transformation der lokalen Wirtschaftsstruktur hin zu grüner und nachhaltiger Produktion unterstützen“.

Das Areal des neuen Grünen Gewerbegebietes an der B2 in Zwenkau
Das Areal des neuen Grünen Gewerbegebietes an der B2 in Zwenkau
Quelle: André Kempner

Neubau einer Kita mit Mehrzwecknutzung in Kitzscher

Die Stadt Kitzscher kann für 4,5 Millionen Euro (davon 4,1 Millionen Fördermittel) eine neue Kita mit rund 80 Betreuungsplätzen bauen. Die Kita soll einen Mehrzweckraum erhalten, der generationenübergreifend offensteht. So sollen Dienstleister, wie Musikschule, Physio- und Ergotherapie oder Fahrschule, hier ebenfalls ein Dach über dem Kopf finden.

Radweg Böhlen-Zwenkau

Seit Jahren im Gespräch, kann der Radweg zwischen Böhlen und Zwenkau nun endlich realisiert werden. Die Chemiestadt wird mit dieser Trasse besser ans Leipziger Neuseenland angebunden. Zugleich ermöglicht der Radweg Pendlern aus Zwenkau den Zugang zum S-Bahn-Anschluss in Böhlen. Die neue Verbindung soll auf drei Kilometern Länge entstehen und sowohl dem touristischen als auch dem Alltagsradverkehr dienen.

Die Vorzugsvariante verläuft entlang der ehemaligen Bahntrasse. Am Böhlener Bahnhof beginnend führt der Radweg ein Stück die Werkstraße entlang, biegt dann Richtung frühere Deponie ab, nutzt anschließend den Verlauf der ehemaligen Bahntrasse, quert die B2 und kommt schließlich in der Zeschwitzer Straße in Zwenkau und damit an der Südspitze des Zwenkauer Sees an. Gesamtkosten: 1,3 Millionen Euro inklusive zweier Rastplätze. Gefördert werden etwa 1,1 Millionen Euro.

Für den Radweg Böhlen–Zwenkau wurden drei Varianten untersucht. Realisiert werden soll die Strecke entlang der ehemaligen Bahntrasse.
Für den Radweg Böhlen–Zwenkau wurden drei Varianten untersucht. Realisiert werden soll die Strecke entlang der ehemaligen Bahntrasse.
Quelle: Stadtlabor

Radweg Thesau-Werbener See (Stadt Pegau)

Die Stadt Pegau möchte mit Kohlegeldern für Fahrradtouristen noch attraktiver werden. Konkret ist ein Radweg auf drei Kilometern Länge geplant, der vom Ortsteil Thesau zum Werbener See führt. Damit wird auch der bis 2012 selbstständige Ort Kitzen besser an die Kernstadt angebunden. Im Bereich des Werbener Sees sollen 27 Pkw-Stellplätze und zwei Behindertenparkplätze entstehen.

Mit 61 Hektar Fläche gehört der Werbener See zu den kleineren Gewässern im Leipziger Neuseenland. Es handelt sich um ein Restloch des früheren Tagebaus Profen-Nord, das inzwischen europäisches Vogelschutzgebiet ist. Die Trasse macht auch den neuen Pendler-Parkplatz am Bahnhof Pegau, der ebenfalls mit Kohlegeldern errichtet wird, für einige Ortsteile besser erreichbar.

Zwischen dem Werbener See im Süden und dem Pegauer Ortsteil Thesau soll auf rund drei Kilometern ein neuer Radweg gebaut werden.
Zwischen dem Werbener See im Süden und dem Pegauer Ortsteil Thesau soll auf rund drei Kilometern ein neuer Radweg gebaut werden.
Quelle: Stadt Pegau

Erschließung im Industrie- und Gewerbegebiet Goldener Born in Borna

Trotz mehrerer Rückschläge treibt die Stadt Borna die Entwicklung im Industrie- und Gewerbegebiet „Goldener Born“ voran. Die Erschließung der 28-Hektar-Fläche soll rund 4,5 Millionen Euro kosten, davon werden 90 Prozent gefördert. Die Arbeiten umfassen laut Projektvorschlag den Straßenbau auf dem Gelände des früheren Kraftwerks Thierbach, die Anbindung an die S48 als unmittelbarem Zubringer zur A72 sowie die Verlegung einer Bushaltestelle.

Das Gelände des früheren Kraftwerks Thierbach soll weiter erschlossen werden.
Das Gelände des früheren Kraftwerks Thierbach soll weiter erschlossen werden.
Quelle: Simone Prenzel

Laut Graichen werde damit ein vollständiger Abfluss der Mittel aus der ersten Förderperiode im Mitteldeutschen Revier gewährleistet. Im Landkreis Leipzig werde vor allem in wirtschaftsnahe Infrastruktur investiert.

„Mit den Industrie- und Gewerbeflächen im grünen Gewerbegebiet Zwenkau und im Goldenen Born in Borna werden erschlossene Flächen für Ansiedlungen entstehen. Diese erhöhen somit die Wettbewerbsfähigkeit des Landkreises Leipzig nach dem Strukturwandel in der Braunkohle.“

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