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Innungs-Obermeister: „Wir verdienen an Wärmepumpen viel weniger, als man denkt“

Weinböhlaer und Dresdner Installateure weisen Kritik zurück, sie würden Kunden mit Fördergeld übern Tisch ziehen. Es werden immer noch mehr Gasheizungen verkauft.
Lesedauer: 3 Minuten
Mann steht hinter Luft-Wasser-Wärmepumpe.
Der Obermeister und eine frisch installierte Luft-Wasser-Wärmepumpe. OIaf Linck ist gegen Subventionen dieser Technologie, für freie Wahl der Heizart. © Christian Juppe

Von Ulf Mallek

Die ganze Innung fühlt sich angegriffen. Wärmepumpen-Installateure würden ihre Kunden übern Tisch ziehen, indem sie auf die hohen Fördergelder schielen und diese Summe vom Staat einfach auf die Rechnung obendrauf setzen. Ein Coswiger schlägt vor, um dem teuren Ärger aus dem Weg zu gehen, die Technik selbst einzubauen. Das wäre am billigsten.

Der Weinböhlaer Heizungsbau-Meister Roland Rappe regt sich darüber sehr auf. Er bezeichnet den Coswiger Klaus Richter als einen „Pfennigfuchser“. Rappe: „Dass der Handwerker für seine Arbeit gegenüber dem Auftraggeber geradestehen muss, also ein unternehmerisches Risiko trägt, wird völlig außer Acht gelassen.“ Die Preise, die Richter als Beispiel benennt, seien Verkaufspreise aus dem Internet, aber niemals vom Fachhandel, wo ein seriöser Handwerker einkauft. „Wir sagen bei solchen Kunden nur, wenn das Internet so billig liefert, dann soll das Internet das auch einbauen.“

Vier Milliarden Euro in Subventionen

Der Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik Dresden Olaf Linck mit 160 Mitgliedsbetrieben in der Region sieht das ähnlich. „Mit einfach so mal eine Wärmepumpe einbauen, ist es nicht getan“, sagte er. Da gehöre viel mehr dazu. Linck ist auch Energieberater. Dessen Hinzuziehung zum Projekt häusliche Wärmepumpe ist überhaupt erst Voraussetzung, um die großzügige staatliche Förderung in Anspruch nehmen zu können.

Gefördert werden maximale Gesamtkosten von 30.000 Euro, im besten Fall mit 70 Prozent, im durchschnittlichen Fall mit gut der Hälfte. Die Energiefirma Octopus Energy rechnet mit einer durchschnittlichen Förderung von 11.500 Euro pro Gerät. Hochgerechnet aufs Jahr wären das bundesweit über vier Milliarden Euro Subventionsgeld (bei geplanten 400.000 Wärmepumpen). Die Förderanträge aber, so Obermeister Linck, müsse jeder Kunde dann selbst stellen. Olaf Linck ist Chef eines Viermannbetriebes. Sie haben alle viel Arbeit, aber auch so ihre Sorgen.

„Wir ziehen keine Kunden übern Tisch“

Sein Kollege Mirko Leubert, Chef der großen Installateur-Firma Eberhard Rink mit 75 Mitarbeitern und gut neun Millionen Euro Jahresumsatz, steht ihm bei. Der Einbau einer Wärmepumpe bedarf gründlicher Vorbereitung. Und nicht jedes Haus ist dafür geeignet. „Manchmal ist es besser, eine moderne Gastherme zu installieren“, so Leubert. Preiswerter sowieso.

Das sieht Kunde Klaus Richter ebenso. Betrachtet man die trotz Fördergelder sehr hohen Investitionskosten sowie den Wirkungsgrad der Wärmepumpe (im besten Fallt etwa 1 : 3, aus einem 1 Kilowatt Strom wird 3 Kilowatt Wärme, im Winter auch mal nur 1 : 1), dann kann es oft sogar preiswerter sein, sich wieder eine Gastherme zu installieren. Selbst mit der Förderung, so Heizungskunde Richter, sei bei den Preisen der Lieferung und Montage einer Wärmepumpe gegenüber einer Gasheizung nicht wirtschaftlich. Die reine Betrachtung des Stromverbrauchs und der damit verbundenen Kosten führe die Bauherren in die Irre. Die Investitionskosten seien immer zu berücksichtigen.

Obermeister Linck widerspricht, dass die Preise willkürlich erhöht werden. „Wir ziehen keine Kunden übern Tisch, sondern beraten sie gründlich.“ Außerdem verdiene er an den Wärmepumpen viel weniger, als man denkt. Zudem verkaufe er deutlich mehr Gasgeräte als Wärmepumpen. Experten sind der Meinung, dass die Politik wegen der Industrie, die noch am Gas hängt, es sich gar nicht leisten kann, den Gaspreis unkontrolliert steigen zu lassen.

Am liebsten keine Subventionen

Mitte April war der Bundeskanzler in Dresden zu Gast und hat mit Obermeistern des Handwerks gesprochen. Auch Olaf Linck war dabei und ist losgeworden, was ihm auf er Seele lastet. Das sind vor allem die hohen Lohnnebenkosten, die Abgaben an die Berufsgenossenschaft und die Betriebshaftpflichtversicherung, die generell an die Bruttolohnsumme gekoppelt sind. Jede Erhöhung des Mitarbeiterlohnes lässt diese Kosten exponentiell steigen, sodass der Stundensatz für den Endkunden um ein Vielfaches steigt. Das treibt die Baukosten in die Höhe und wirkt sich kontraproduktiv auf die Konjunktur auf dem Bau aus.

„Ich weiß nicht, ob der Kanzler wirklich verstanden hat, was wir uns wünschen“, sagt Linck. Mit dem Heizungsgesetz von Robert Habeck haben sie auch so ihre Probleme. Die Leute zur Wärmepumpe, zur regenerativen Energie, zu zwingen, sei der falsche Weg. Trotz der Fördermöglichkeiten für energetische Sanierungen wäre es den beiden Installateuren am liebsten, es gäbe keine Subventionen und jeder könne frei über seine Heizmöglichkeiten entscheiden.

Die Heizungsbauer haben in den ersten drei Monaten 2024 in Deutschland fast ein Drittel weniger Anlagen verkauft als noch vor einem Jahr. Der Absatz von Wärmepumpen ging um 52 Prozent zurück. Bei den Gasheizungen lag das Minus bei 17 Prozent. Allein Ölheizungen legten zu – um 27 Prozent auf 27.500 Anlagen. Richter hat schon wieder eine neue Idee, um die Sache preiswerter zu gestalten. Zwar baue das Internet Wärmepumpen nicht ein, doch es gäbe jetzt schon (Internet-)Großhändler, die für ihre Produkte, ob Gastherme oder Wärmepumpe, Installateure für den Einbau vermitteln.

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